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Aktuelle Situation 2019

Stand: 18. KW

Witterungsbedingte Pause in der Käferentwicklung, nicht für die Waldeigentümer

Ausgangssituation

Nach der schon fast sommerlichen Witterung zu Ostern und kurz danach war die Witterung in der vergangenen Woche so, wie sie aus Waldschutzsicht in den nächsten Wochen stabil bleiben sollte, damit die befürchtete Entwicklung unwahrscheinlicher wird. Der Temperaturschwellenwert für das Schwärmen der Buchdrucker, 16,5 °C, wurde nur im Tiefland und auch dort nur an wenigen Tagen erreicht. Die Schwärmaktivität war demzufolge sehr gering bis nicht vorhanden. Die Käfer, die bisher noch nicht ausgeflogen waren, verblieben damit an ihren Überwinterungsorten und setzten ggf. ihren Reifungsfraß fort. Ihre Populationsdichte wird damit allerdings nicht reduziert, sondern es kommt lediglich zu einer Verzögerung der Entwicklung. Das gilt auch für die Käfer, die bereits um Ostern geschwärmt sind und mit der Anlage der 1. Generation begonnen haben. Ihre weitere Eiablage und die Larvalentwicklung verläuft langsamer. Bei Temperaturen unter 8 °C stagniert die Entwicklung (siehe Abbildung 1), aber weder die Eier, Larven noch die Käfer sterben dadurch ab. Das gilt auch, wenn die Temperaturen kurzzeitig unter 0 °C absanken.

Abb. 1: Modellierte Entwicklungsphasen des Buchdruckers am Beispiel der Mess- und Prognosedaten der agrarmeteorologischen Station des DWD in Sohland (Oberlausitz)  © http://ifff-server.boku.ac.at/wordpress/index.php/language/de/phenips-online-monitoring/phenips-online-deutschland/phenips-sachsen/agrarmeteorologische-stationen-dwd_rlp/generationsentwicklung-2/

Die Niederschläge erreichten in dem beschriebenen Zeitraum Summenwerte von bis zu 30 mm. In den nördlichen und östlichen Landesteilen waren sie geringer, aber geregnet hat es vermutlich überall. In welchem Maße dies bereits die Wasserversorgung der häufig flach wurzelnden Fichte verbessert und damit ihre Prädisposition reduziert hat, ist schwer einzuschätzen. Eine grundsätzliche Änderung der angespannten Situation entstand dadurch nicht.   

An ca. 60 % der Monitoringstandorte sind die bisher registrierten Käferfangzahlen des Fallenmonitorings höher als die Vergleichswerte aus dem Vorjahr. Im Vogtlandkreis und in den Landkreisen Sächsische Schweiz-Osterzgebirg und Görlitz wurden für einige Standorte schon kumulative Fangzahlen von mehr als 10.000 Buchdrucker/DFS registriert. An einem Monitoringstandort (1.09) im LK-Revier Löbau, dem 2018/19 mit über 50 Tm³ am stärksten betroffenen Revier in Sachsen außerhalb der NLP-Region, wurden kumulativ bereits mehr als 30.000 Buchdrucker/DFS gefangen. Das ist ein für den Bayerischen Wald abgeleiteter Schwellenwert für auffälligen Stehendbefall, jedoch bezogen auf die gesamte Schwärmperiode!

Maßnahmen

Die witterungsbedingte Pause in der Käferentwicklung darf nicht zu einer Pause bei den erforderlichen Aktivitäten seitens der Waldeigentümer führen! Für die Sanierung der im Vorjahr befallenen Bäume, aus denen die Käfer bisher noch nicht ausgeflogen sind, hat sich damit die Aufarbeitungsfrist um ca. eine Woche verlängert. Diese Situation gilt vor allem für die mittleren und höheren Lagen und gering wärmeexponierte Standorte in den unteren Lagen. Auch für die Aufarbeitung des Wurf- und Bruchholzes, sowohl schon befallen als auch bisher noch unbefallen, verlängern sich die Fristen.

Für die systematischen Befallskontrollen war das Wetter eher ungünstig. Der Bohrmehlauswurf ging deutlich zurück und das bereits vorhandene Bohrmehl wurde durch die Niederschläge schnell abgespült oder vom Wind verweht.

 

Stand: 17. KW

Die Uhr beginnt zu ticken

Ausgangssituation:
Die vergangene Woche bot dem Buchdrucker und auch den anderen rindenbrütenden Borkenkäfern nahezu ideale Schwärmbedingungen. Temperaturen zum Teil über 20 °C, wenig Wind und kein Niederschlag, viel besser kann es Ende April für den Schwärmflug und Befall nicht sein. Die teilweise kräftigeren Luftströmungen hindern die Käfer zwar am Fliegen, verstärken aber die Wasserdefizite. Basierend auf den Modellrechnungen mit PhenIps begann in dieser Woche landesweit die Hauptschwärmzeit. Auch in dieser Woche spiegeln die Ergebnisse des Fallenmonitorings dies nicht flächendeckend wider. In den Landkreisen Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Görlitz und zum Teil im Vogtland liegen die Fangzahlen erwartungsgemäß über den bisherigen Maxima. Für die anderen Gebiete stammen die in der Landesübersicht dargestellten Fangzahlen teilweise noch aus der Woche vor Ostern. Im Erzgebirgskreis und in den höheren Lagen des Vogtlandkreises sind die Fangzahlen noch gering.

In den Gebieten mit intensiver Schwärmaktivität spiegelt sich diese in einem intensiven Liegendbefall im Wurf- und Bruchholz wider.

Maßnahmen:
Die systematischen Befallskontrollen müssen jetzt umgehend beginnen. Näheres dazu wurde bereits in der vergangenen Woche dargestellt. Auch wenn die Entwicklung in der kommenden Woche witterungsbedingt verlangsamt wird, der erste Befall ist erfolgt und damit steigt die Notwendigkeit einer schnellen Sanierung der befallenen Bäume. Die Entwicklung im Wurf- und Bruchholz kann durch regelmäßige Kontrollen des Entwicklungszustandes der Käferbrut recht gut eingeschätzt werden und ermöglicht so eine relativ genaue Terminierung der Sanierungsmaßnahmen.

Stand: 16. KW

Befallsbeginn für Ostern prognostiziert

Ausgangssituation:

Basierend auf der 7-Tages-Vorhersage des DWD prognostiziert das Modell PhenIps für das Hügelland und die unteren Lagen den Start der Hauptflugphase und damit den Befallsbeginn für den Zeitraum 20.-23.04. (siehe Abb. 1). Vom 18. bis 25.04. ist in diesen Gebieten an bis zu 5 Tagen mit einem Schwärmflug des Buchdruckers zu rechnen (max. Temperaturen >16,5 °C). Die Ergebnisse des Borkenkäfermonitorings ermöglichen dann in der kommenden Woche eine fundiertere Einschätzung der Schwärmaktivität.

Die Käfer treffen dabei vorrangig auf Fichten mit eingeschränkter Wasserversorgung, denn die Bodenwasservorräte liegen unterhalb der Sättigung, wie sie zu Beginn der Vegetationsperiode typisch wäre. Auf besonders exponierten Standorten liegt die Sättigung bei nur 50 % des Möglichen.

Frisch aufgearbeitetes Wurf- und Bruchholz wird als erstes besiedelt. Ebenfalls sehr prädisponiert sind bisher unaufgearbeitete Brüche. Unter den aktuellen Umständen ist aber auch mit dem Beginn des Stehendbefalls zu rechnen. Bei der Anlage der Rammelkammer und der Muttergänge zur Eiablage entsteht das meiste Bohrmehl. Dies ist das derzeit am besten und einfachsten erkennbare Befallsmerkmal. Wind und Regen lassen es aber auch schnell wieder verschwinden. Danach bleiben nur die Einbohrlöcher und als nicht ganz eindeutiges Merkmal Harztropfen zur Erkennung.

Maßnahmen:

In der Woche nach Ostern sollte deshalb in den Gebieten, in denen der Befall begonnen hat, die systematische Befallssuche gestartet werden. Dabei gilt das Hauptaugenmerk den Wurzelanläufen prädisponierter Fichten und den Blättern der angrenzenden Bodenvegetation. Ein Fernglas ermöglicht die Befallserkennung am Kronenansatz, dort, wo der Befall in der Regel beginnt. Die Spraydose zur Markierung dieser ersten Befallsbäume ist notwendig, der nächste Regen erschwert sonst das Wiederfinden.

Abb. 1: Regionalisierte Entwicklungsphasen des Buchdruckers in Sachsen und prognostizierter Befallsbeginn  © http://ifff-server2.boku.ac.at/BKR_Sachsen/

Stand: 14./15. KW

Erste Vorboten

Sonnenscheinreiche Tage mit Lufttemperaturen von über 20 °C haben besonders die unter der Rinde überwinternden Populationsanteile des Buchdruckers und auch anderer Borkenkäfer (Fichtenborkenkäfer siehe Abb. 1) aktiviert. Für einige Standorte wie den Nationalpark (NLP) liegen bereits erste Ergebnisse des Fallenmonitorings vor. Diese bestätigen die erwartete besondere Gefährdungssituation in diesem Frühjahr sehr eindrücklich. Hier ausgewählte Beispiele:

  • Standort 3.10 (NLP):  13. KW 3 Käfer/DFS/Woche        14. KW 3803 Käfer/DFS/Woche
  • Standort 3.19 (NLP):  13. KW 5 Käfer/DFS/Woche        14. KW 2831 Käfer/DFS/Woche
  • Standort 2.02 (LK Bautzen):                                           15. KW 465 Käfer/DFS/Woche
  • Einzelfalle für Bestimmung der Lockstofffreisetzung der eingesetzten Dispenser im Gelände der GL am Standort Graupa: 14./15. KW ca. 3.000 Käfer/DFS/Woche

Das sind Fangzahlen, die zu diesem frühen Zeitpunkt bzw. zu Beginn der Schwärmzeit seit Beginn dieses Monitorings 1992 in Sachsen noch nicht zu verzeichnen waren. In Graupa wurden in geworfenem Fichtenholz (Märzstürme) auf einer Versuchsfläche bereits frische Einbohrungen von Buchdrucker und Kupferstecher festgestellt. Wenn sich dieser Trend, wie es zu vermuten ist, für weitere Standorte bestätigt, ist eine Schwärmaktivität im bisher nicht dagewesenen Umfang zu erwarten. Nach der momentanen kühlen Witterungsphase wird diese im Hügelland und den unteren Lagen sowie in wärmebegünstigten Expositionen der mittleren Lagen voraussichtlich in der Zeit um Ostern beginnen.

 

Abb. 1: Drei Borkenkäferarten an Fichte mit minimaler (schwarzer Balken) zu maximaler Körperlänge (grauer Balken) 

Die vorgenannten Beobachtungen bestätigen das Ergebnis der Entwicklungsmodellierung mit PhenIps. Abbildung 2 zeigt den Stand per 11.04.2019.

Abbildung 2 zeigt die regionalisierte, für den 15.04.19 prognostizierte Entwicklungsphasen des Buchdruckers in Sachsen
Abb. 2: Regionalisierte, für den 15.04.19 prognostizierte Entwicklungsphasen des Buchdruckers in Sachsen  © http://ifff-server2.boku.ac.at/BKR_Sachsen/

Der jeweils tagesaktuelle Stand ist unter http://ifff-server2.boku.ac.at/BKR_Sachsen/ abrufbar.

In einer im Vorjahr befallenen und sanierten Lä-Versuchsfläche wurden auch schon erste Einbohrungen durch den Lä-Borkenkäfer in liegendem Holz und Stehendbefall an austreibenden benachbarten Lärchen (induziert) beobachtet.

 

Abbildung 3 zeigt den Stand der Einbohrungen des Lärchenborkenkäfers am 10.04.19 in Graupa
Abb. 3: Stand der Einbohrungen des Lä-Borkenkäfers am 10.04.19 in Graupa 

Aus der vorgenannten Situationsbeschreibung leiten sich für die verbleibende Zeit bis Ostern bzw. dem lokalen Beginn des Hauptschwarms folgende Maßnahmen ab: 

  • Sanierung noch besiedelter Befallsbäume aus dem Vorjahr, ggf. benachbarten Wurf und Bruch auf Neubefall kontrollieren und ggf. gleichzeitig sanieren
  • Abfuhr oder Zwischenlagerung des befallenen Holzes außerhalb des Waldes und ,falls dies nicht möglich ist, abdecken mit Storanet bzw. Spritzung aller befallenen (vor dem Ausfliegen) und befallsgefährdeten (bei festgestellter Gefährdung) Polter unter Beachtung gesetzlicher Regelungen
  • Aufbau bzw. Aktivierung ergänzender Maßnahmen (Fangbäume, Fallen, Fangholzhaufen, Trinet P)
  • Aufbau und Bestückung der Monitoringfallen mit Dispensern
  • Vorbereitung der Stehendbefallskontrollen (Start: voraussichtlich nach Ostern)

 

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