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Projekt Forstwirtschaft und ­Erholungsnutzung

Forstwirtschaft und Erholungsnutzung in der Modellregion Eibenstock – Anforderungen an eine moderne Kommunikation mit Anspruchsgruppen

Projektlaufzeit: 01.04.2018 bis 31.03.2020

Projektinhalt

Wechselwirkungen, welche aufgrund der Bewirtschaftung des Waldes und der gleichzeitigen Nutzung durch Erholungssuchende entstehen, werden analysiert um Ansprüche und Nutzungskonflikte sichtbar zu machen. Durch eine Nutzergruppen-Analyse wird die weitere bedarfsgerechte Herangehensweise abgeleitet, die der Erhaltung und Verbesserung der Erholungsfunktion bzw. der touristischen Infrastruktur des Waldes dient. Die intensive Kommunikation und Zusammenarbeit mit regionalen Partnern wird angestrebt damit Ansichten und Erwartungen ausgetauscht, gegenseitiges Verständnis geschaffen und gemeinsame Lösungen gefunden werden können. Die Erbringung von Allgemeinwohlleistungen, welche die Bereitstellungspflichten von Sachsenforst übersteigen, kann durch Kooperationen oder spezielle Verträge verwirklicht werden.

Erholungssuchende werden zuverlässig mit Informationen versorgt, welche einem erholsamen Aufenthalt im Wald oder der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung dienen. Hierzu gehört die Etablierung einer Kommunikationskette zur Ankündigung von Holzerntemaßnahmen sowie die Aufklärung über damit einhergehende Einschränkungen der Wege und Erholungseinrichtungen im Wald. Standards für die interne und externe Kommunikation werden konzipiert. Zur Schaffung eines verbesserten Verständnisses in der Bevölkerung für die Bewirtschaftung des Waldes werden geeignete Werkzeuge und Maßnahmen definiert.

Neben den Wegen, stellt Sachsenforst als Basisleistungen für die Erholungsfunktion auch Informationstafeln, Bänke, Schutzhütten, Brücken, Parkplätze etc. bereit. Diese werden erstmals digitalisiert, und bezüglich ihres Zustands sowie ihrer Bedeutung für die Erholungsfunktion kategorisch attribuiert. Dabei werden gleichzeitig Daten zu Gestattungsverträgen und zur Neuorganisation der Dokumentation der Einhaltung der Verkehrssicherungsprüfung aufgenommen. Eine sinnvolle Verteilung der Einrichtungen an attraktiven Standorten unter Vermeidung von Nutzungskonflikten sowie die Erhaltung eines guten Zustands sind die Kriterien für eine gezielte Überarbeitung des vorhandenen Angebots. Für den Forstbezirk Eibenstock wird ein Umsetzungsplan für die kommenden 10 Jahre entwickelt.

Projektziele

  • Optimierung der Erholungsleistungen und der Kooperation mit Akteuren im Forstbezirk Eibenstock.
  • Erholungsraumkonzeption für den FoB Eibenstock für den nächsten 10-Jahrezeitraum.
  • Handlungsempfehlung für andere Forstbezirke und Schutzgebietsverwaltungen des Staatsbetrieb Sachsenforst.

Beteiligte

  • Staatsbetrieb Sachsenforst – Forstbezirk Eibenstock, ggf. Freiwillige (FÖJ);
  • Landestalsperrenverwaltung;
  • Akteure des Tourismus und der Öffentlichkeit: Kommunen, Tourist-Infos, Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH, regionale Tourismusverbände, Vereine, Institutionen und ggf. private Partner;
  • ggf. ansässige Unternehmen und Einrichtungen;
  • ggf. Hochschulen und Universitäten i.S.v.: Abschlussarbeiten zu Teilprojekten.

Herausforderungen

Nach Sächsischem Waldgesetz sollen im Staatswald die Nutzfunktion, die Schutzfunktion und die Erholungsfunktion gleichzeitig und auf derselben Fläche Erfüllung finden. Die Erwartungen, die von Erholungssuchenden an den Wald gestellt werden nehmen dabei stetig zu. Eine Aufgabe der Bewirtschafter des Waldes ist es, sich diesen Erwartungen genauso pflichtbewusst anzunehmen, wie den wachsenden Herausforderungen des Klimawandels und des Naturschutzes. Die Ressourcenplanung verlangt dabei besondere Beachtung, da ein erfolgreiches Erholungsraummanagement auch in Zeiten knapper finanzieller und personeller Kapazitäten umsetzbar sein muss.

Im Sächsischen Waldgesetz ist die Zielsetzung für die vorbildliche Bewirtschaftung des Staatswalds verankert. Im Sinne einer integrativen und nachhaltigen Waldbewirtschaftung soll dabei die maximale Menge qualitativ hochwertigen Holzes bei gleichzeitiger Erfüllung und nachhaltiger Sicherung der dem Walde obliegenden Schutz- und Erholungsfunktionen produziert werden.

Die Entwicklungskonzeption Sachsenforst 2020 legt ein Zielsystem für die verschiedenen Aufgabenbereiche des Staatsbetriebes Sachsenforst fest. Die Erholungsleistungen des Staatswaldes sollen dabei erhalten und gemehrt werden. Welche Aufgaben der Staatsbetrieb Sachsenforst dabei übernimmt, welchen Regeln die Zusammenarbeit mit weiteren Beteiligten folgen soll und in welchen Bereichen die Schwerpunkte des Erholungsraummanagements in den kommenden Jahren liegen, beschreibt die Strategische Erholungsraumkonzeption von Sachsenforst. Diese wurde 2014 im Rahmen eines vorhergehenden Projektes formuliert.

Unter Beachtung der Zielsetzungen der Strategischen Erholungsraumkonzeption von Sachsenforst, wird im Projekt Forstwirtschaft und Erholungsnutzung nun das Erholungsraummanagement für den 10-Jahreszeitraum von 2020 – 2029 für die Modellregion Eibenstock erstellt. Aus den Erfahrungen aus diesem Modellprojekt können zudem wichtige Erkenntnisse für ein erfolgreiches Vorgehen bei der Planung des Erholungsraummanagements in den anderen Forstbezirken und auch den Schutzgebietsverwaltungen in Sachsen abgeleitet werden.

Der Forstbezirk erstreckt sich von 324 m ü. NN bis auf 1019 m ü. NN, am Auersberg. 82% des Forstbezirks liegen im Naturpark Erzgebirge und beherbergt 11 Naturschutzgebiete, 43 Flächennaturdenkmäler und 13 FFH-Gebiete (3372 ha). Wasserschutzgebiete nehmen 50 % der Waldfläche ein und bilden 20 % der Trinkwassermenge in Sachsen. Die drei großen Trinkwassertalsperren bei Eibenstock, Sosa und Carlsfeld   stellen dabei zu jeder Jahreszeit ein besonderes Touristenmagnet dar. Viele Bestandteile der montanen Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoři, mit der sich die Region für die Nominierung zum Weltkulturerbe beworben hat, liegen im Forstbezirk. Verschiedene Förderprojekte und kommunale sowie privatwirtschaftliche Initiativen setzen auf eine touristische Entwicklung der strukturschwachen Region. Mehrere Skiloipen und Abfahrten liegen im Gebiet, wobei vielerorts ein Ausbau des Wintersportangebots angestrebt wird. Das Angebot an regionalen und überregionalen Reit- und Wanderwegen, als auch Radwegen ist groß. Eine Qualifizierung des Angebots ist für die Entwicklung eines nachhaltigen, naturverträglichen Tourismus in der Region notwendig. Hierfür bedarf es eines regen Austausches zwischen den verschiedenen Interessensgruppen. Ideenfindung, Planung und Koordinierung von Vorhaben zur Verbesserung der passiven Erholungsfunktion des Waldes, als auch der Förderung aktiver Elemente zur Erholung im Wald bedürfen der Kommunikation und Kooperation der verschiedenen Interessengruppen. Ausgangssituationen und Ansprüche müssen analysiert werden um Anhand der vorgegebenen Rahmenbedingungen passende und realisierbare Ziele zu entwickeln. 

In Sachsens waldreichsten, touristisch stark geprägten Forstbezirk Eibenstock wird auf ganzer Fläche aktiv Waldumbau betrieben. Fast 50 % der hauptsächlich anzutreffenden, überbestockten Fichtenplantagen wurden innerhalb der letzten 30 Jahre durch Pflanzung oder Saat verjüngt. Im großen Stil werden vor allem Baumarten der, noch im Mittelalter natürlich anzutreffenden Waldgesellschaften eingebracht. Hier sind dies vor allem Baumarten des Bergmischwalds, wie Rotbuche und Weißtanne. Seit Einzug des Bergbaus in der Region, im 14. Jahrhundert, wurden die Wälder immer stärker genutzt. Der Höhepunkt der Übernutzung gipfelte in einer extremen Holzknappheit im 18. Jahrhundert. Hier wurde auch begonnen mit Fichte aufzuforsten. Fichtenanteile von beinahe 90 waren die Folge für das nächste Jahrhundert. Die starke Nutzung durch die Bevölkerung dauerte auch in Kriegszeiten an. Hinzu kamen die Immissionsschäden seit Anfang der 1960er Jahre. Besonders die letzten, wenigen Alttannen hatte hierunter zu Leiden. Damit die jungen Bäume aber überhaupt eine Chance haben aufzuwachsen, ohne von Schalenwild verbissen oder verfegt zu werden, war es notwendig den stark überhöhten Wildbestand zu reduzieren. Die Folgen der Ausweisung eines DDR-Staatsjagdgebiets in der Region Eibenstock waren verheerend. Für 1990 wurde von einer durchschnittlichen Rotwilddichte von 8 Stück/100 Hektar ausgegangen. Kein Baum konnte mehr ohne Zaun aufwachsen. Schälschäden soweit das Auge reichte. Kein Sämling überlebte. Auch Keine Kräuter oder Beeren waren damals im Wald zu finden. Braune Fichtennadelstreu soweit die Augen reichten. Auch die Waldböden wurden zu Zeiten der DDR durch Kahlschlagswirtschaft, Stockrodung und flächige Befahrung extrem in Mitleidenschaft gezogen. Zudem wurde jeder auch noch so kleine Ast, durch die Bevölkerung zur Gewinnung von Brennholz eingesammelt. Um den vielfältigen negativen Auswirkungen dieser Übernutzungen entgegenzuwirken, dürfen heute beispielsweise Äste und Kronenmaterial im Wald liegenbleiben, wo auch immer möglich. Außerdem bleiben dem Wald immer mehr Biotopbäume sowie stehendes und liegendes Totholz erhalten.
Entsprechend der veränderten Waldbewirtschaftung ändert sich auch das gewöhnte Waldbild zusehends. Besondere Aufmerksamkeit muss deshalb auch der Information der Bevölkerung über die Hintergründe der notwendigen Veränderungen und Maßnahmen geschenkt werden.

Regionalökonomisch kommt der Erholungsfunktion im Forstbezirk Eibenstock eine große Bedeutung zu. Viele Kommunen und Programme der Wirtschaftsförderung setzen auf eine nachhaltige Entwicklung des naturnahen Tourismus in der Region. Hieraus ergeben sich auch viele neue Chancen und Herausforderungen für die Bewirtschafter des Waldes. Lösung und Vermeidung von Konflikten, welche im Spannungsfeld der forstwirtschaftlichen Nutzung, dem Naturschutz und der Erholungsfunktion bestehen können, stehen dabei  ganzjährig unter besonderer Berücksichtigung. Zur Erstellung eines ganzheitlichen Erholungsraumanagements ist es notwendig die Ansprüche, die an den Wald als Erholungsraum gestellt werden zu analysieren und mit dem möglichen Leistungsspektrum der Erholungsfunktion zu verschneiden.

Die vielfältigen Gegebenheiten in der Modellregion Eibenstock ermöglichen es, besonders viele Aspekte die für das Erholungsraummanagement eines Forstbezirks von Bedeutung sein können, zu beleuchten. Die Strategische Erholungsraumkonzeption von Sachsenforst wird deshalb im Projekt Forstwirtschaft und Erholungsnutzung mit einer Laufzeit von zwei Jahren in der Modellregion Eibenstock umgesetzt.

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