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Rückblick auf 2010

Zusammenfassung 2010

Der im Vergleich zu den Jahren 2006 bis 2009 geringe Vorbefall durch den Buchdrucker aus 2009 und dessen intensive Sanierung führte zu Beginn der Schwarmsaison 2010 zu niedrigen Dichten an überwinternden Käfern.

Ein sehr begrenztes Brutraumangebot aus dem vorangegangenen Winter, der Anfall Wurf- und Bruchholz war speziell in den Mittelgebirgen trotz der hohen Schneelagen gering bis durchschnittlich (gebietsweise Rauhfrost) und besonders die ungünstige feuchte und kühle Witterung im April und Mai charakterisierten die Startbedingungen der rindenbrütenden Borkenkäfer in die neue Saison. Die spät einsetzenden bzw. in den unteren Lagen durch den Witterungsumschwung Ende April unterbrochenen und im Vergleich zum Vorjahr meist geringeren Fangergebnisse des auf pheromonbeköderten Fallen basierenden Käfermonitorings dokumentierten diesen Trend.

Die Bedingungen für mögliche Geschwisterbruten waren ebenfalls ungünstig. Ab der 27. KW (2. Juliwoche) begann der Ausflug der neuen Käfergeneration unter nahezu optimalen Witterungsbedingungen. Teilweise überschritten die Temperaturen bereits den Optimalbereich des Buchdruckers. In dieser Zeit war die Käferaktivität, quantifiziert mit den Fangzahlen des Monitorings, an vielen Orten vergleichbar mit denen in 2009.

Die Wasserversorgung der Bestände war jedoch in dieser Zeit besonders im Mittelgebirge günstig. Bis Ende Dezember 2010 wurden landesweit an etwas mehr als 1.900 Waldorten nur 11.000 m³ Stehendbefall durch den Buchdrucker, z. T. in Kombination mit dem Kupferstecher, registriert. Das ist ein Drittel des bereits geringen Vorjahreswertes und ein Zehntel im Vergleich zu 2008. Dieser Wert ist das Minimum seit 2003 und liegt auf dem Niveau des Befallsdurchschnittes für den in Sachsen relativ unkritischen Zeitabschnitt von 1990 bis 2002. Diese Befallsholzmenge wurde in den Wäldern aller Eigentumsarten zu über 90% saniert.

Etwa zwei Drittel des Gesamtbefalls konzentriert sich gegenwärtig auf Fichtenbestände im Erzgebirgs- und Vogtlandkreis (Abbildung 1). Besonders im Westerzgebirge und im Vogtland, einem Befallsschwerpunkt der letzten Jahre sind jedoch in Verbindung mit dem Bruchholzanfall aus dem vergangenen Winter die Ausgangsbedingungen für einen erneuten Befallsanstieg gegeben.

Karte mit der regionalen Verteilung der Befallsholzmengen nach Landkreisen und kreisfreien Städten mit Stand im Monat Dezember 2010

Regionale Verteilung der Befallsholzmengen nach Landkreisen und kreisfreien Städten mit Stand im Monat Dezember 2010

Der Befall durch Kupferstecher ist analog dem Buchdrucker sehr gering bzw. tritt als solcher gar nicht in Erscheinung. Abweichend davon wurden an einigen Standorten des Borkenkäfermonitorings sehr hohe, z. T. die Vorjahreswerte übersteigende Fangzahlen registriert.

Stand: 30. KW

Die Fichtenborkenkäfer haben auf- und gebietsweise überholt

Im Juni und insbesondere im Juli verbesserten sich die Entwicklungsbedingungen für die rindenbrütenden Borkenkäfer wesentlich. Die derzeit vorliegenden Befallsholzmengen spiegeln die ungünstige Ausgangslage für die Entwicklung der Buchdrucker vom Frühjahr wieder.

Mit landesweit 1.350 m³ per 30. Juni wurde die geringste Stehendbefallsmenge der vergangenen Jahre registriert. Nur in 2003, dem Jahr mit dem Jahrhundertsommer, war dieser Vergleichswert noch geringer. Abweichend zur Situation 2003, als es in der Folgezeit zu einem drastischen Befallsanstieg kam, sind in diesem Jahr die prädisponierenden Faktoren, insbesondere die Trockenheit nicht so ausgeprägt wie damals.

Aus dem Borkenkäfermonitoring leiten sich jedoch im Vergleich zur Entwicklung 2009 und abweichend von der Situation in diesem Frühjahr eine Reihe von Achtungszeichen ab. Dabei ist zu berücksichtigen, dass im Vorjahr das Schadniveau gering war.

Der insgesamt späte Schwarm- und Befallsbeginn der überwinterten Käfer erfolgte im Wesentlichen im Mai unter ungünstigen Witterungsbedingungen. An fast allen Monitoringstandorten wurde in der 23. KW (2. Juniwoche) witterungsbedingt ein Aktivitätsmaximum beobachtet. Im Hügelland, dem Erzgebirgsvorland, der Lausitz und dem Elbsandsteingebiet kam es dabei zu einer Überlagerung mit der Anlage von Geschwisterbruten. Ab der 27. KW (2. Juliwoche) begann der Ausflug der neuen Käfergeneration. Hohe Fangzahlen in der 29. KW belegen diese Entwicklung.

In der Zusammenfassung aller, sowohl von den uFB als auch vom SBS betreuten Monitoringstandorte zeichnen sich per Ende Juli (30. KW) regional (nach Borkenkäfer (Bk)-Regionen,) folgende Trends ab:

In der Bk-Region Elbsandsteingebiet liegen an 6 von insgesamt 13 Monitoringstandorten die bis Ende Juli registrierten kumulativen Fangzahlen über den Vorjahreswerten, teilweise erheblich. Maximale Anflugzahlen von mehr als 1.000, vereinzelt mehr als 3.000 Käfer/DFS und Woche lassen Stehendbefall erwarten. Das gilt besonders für die Flächen mit Maximalwerten über 8.000 Käfer/DFS und Woche, den derzeitigen landesweiten Spitzenwerten.

Ebenfalls hohe wöchentliche Fangzahlen für die neue Käfergeneration (29. KW) weisen eindeutig auf steigende Populationsdichten in den entsprechenden Bereichen hin. An einigen Standorten verschärfen die im Vergleich zum Vorjahr höheren Dichten des Kupferstechers die Situation.

Die Ergebnisse der übrigen 7 Standorte ordnen sich mit kumulativen Fängen deutlich unter 50 % der Vorjahres und absoluten Fangzahlen unter 1.000 bis max. etwa 2.000 Käfer/DFS und Woche im unteren Drittel des Landesdurchschnittes ein.

In der Bk-Region Lausitz herrschten offensichtlich bisher die günstigsten Entwicklungsbedingungen. Bis Ende Juli waren in dieser Region an mehr als 80 Tagen und damit mit Ausnahme vom Elbtal so häufig wie in keiner anderen Region die Schwarmbedingungen für den Buchdrucker mit Temperaturen über 16,5 °C gegeben. An den 5 Monitoringstandorten liegen die kumulativen Fangzahlen im Bereich von 20-80% der Vorjahreswerte. Bis auf eine Fläche weisen die bisher registrierten maximalen Fangzahlen im Bereich unter 2.000 bzw. unter 1.000 Käfer/DFS und Woche auf ein überwiegend geringes bis mittleres Stehendbefallsrisiko hin. Hohe Kupferstecherdichten, die auch die Vorjahreswerte übersteigen können, erhöhen auch hier lokal die Gesamtgefährdung.

Die kumulativen Fangergebnisse der 7 Monitoringstandorte in der Bk-Region Erzgebirgsvorland erreichen etwa 20 – 90% des Vorjahresniveaus. Die in der 23. KW registrierten Maximalfänge liegen für alle Standorte über 1.000 Käfer/DFS und Woche und deuten damit auf das mögliche Auftreten von Stehendbefall hin. Ein Standort (Nr. 3.06) mit einem sehr hohen maximalen Fangergebnis von über 4.000 Käfer/DFS und Woche und gleichzeitig sehr starker Schwarmaktivität des Kupferstechers weist auf das Vorhandensein lokaler Befallsschwerpunkte hin.

Ähnlich, jedoch noch etwas verschärfter stellt sich die Situation für die beiden Bk-Regionen im Vogtland dar. Hier erreichen die kumulativen Fangergebnisse der 5 Monitoringstandorte etwa 50 – 120% des Vorjahresniveaus. Auch die Maximalfänge sind mit Werten über 2.000 Käfer/DFS und Woche höher. Ebenfalls hohe Maxima durch die neue Buchdruckergeneration (ab 26. KW) und ausgeprägte Maximalfänge des Kupferstechers (mehr als 60.000 Käfer/DFS und Woche) unterstreichen den erneuten Anstieg des Gefährdungspotenzials in diesen, in der Vergangenheit stark betroffenen, Bk-Regionen.

Die 15 Monitoringsstandorte in der Bk-Region Mittlere Erzgebirgslagen zeigen ein heterogenes Bild. Die kumulativen Fangergebnisse differieren zwischen etwa 5% (2 Flächen) und mehr als 100% (3 Flächen) des Vorjahresniveaus. Die meisten Standorte (6 Flächen) liegen bei etwa 50%. Die bisher registrierten Maximalfänge, fast überall von den überwinterten Käfern in der 23. KW verursacht, liegen bis auf einen Standort im Bereich von mehr als 1.000, häufig nahe an dem Schwellenwert von 3.000 Käfer/DFS und Woche. An 6 Standorten wurde dieser Wert noch überschritten.

Damit ist mit dem Auftreten von Stehendbefall, insbesondere an den vorjährigen Befallsstellen zu rechnen. Auch in dieser BK-Region wurde in den letzten Wochen an einigen Standorten eine im Vergleich zum Vorjahr verstärkte Schwarmaktivität des Kupferstechers registriert.

Für die übrigen Bk-Regionen liegen jeweils nur für 1-3 Monitoringstandorte Informationen zur Schwarmaktivität vor, so dass eine regional spezifische Interpretation nicht möglich ist. Die vorliegenden Daten passen sich jedoch in die dargestellte Gesamtsituation ein.

Die warme Sommerwitterung ab der 2. Junidekade und insbesondere im Juli haben dazu geführt, dass Buchdrucker und Kupferstecher ihre verspätet und sehr verhalten begonnene Entwicklung wieder an das durchschnittliche Niveau angepasst und z.T. das Vorjahresniveau überschritten haben.

Die gebietsweise aufgetretenen Temperaturen von 35°C förderten die Aktivität des Kupferstechers. Der meist zu spät erkennbare Befall durch diese Art wirkt bekanntermaßen prädisponierend für eine nachfolgende Besiedelung durch Buchdrucker. Offensichtlich war in diesem Frühjahr ein Tiefpunkt in der Befallsentwicklung seit 2003 erreicht und die Borkenkäferprobleme nehmen tendenziell wieder zu.

Die lang anhaltenden optimalen Schwarmbedingungen, mit einem in der 23. KW landesweit synchronisierten Maximum mit gebietsweise sehr hohen absoluten Aktivitätsdichten, boten günstige Voraussetzungen für Stehendbefall. Es wird deshalb empfohlen, die Befallserkennung an diese Situation anzupassen. Insbesondere sollten die Befallsstellen des Vorjahres, vor allem nach später Erkennung im Herbst Winter 2009/10 und andere prädisponierte Bereiche hinsichtlich frischen Befalls kontrolliert werden.

Ziel sollte es sein, den jetzt beginnenden jedoch witterungsbedingt z.Zt. schwierig diagnostizierbaren Befall zur Anlage von Geschwisterbruten der 2. Generation und der Folgegeneration der 1. Geschwisterbrut rechtzeitig zu erkennen und zu sanieren. Unter den derzeitigen Entwicklungsbedingungen ist damit zu rechnen, dass die 2. Generation ihre Entwicklung Ende August/Anfang September beendet und damit ein Teil der Käfer die Befallsbäume zur Überwinterung verlässt (Bodenüberwinterer). Die derzeitigen Maßnahmen dienen damit vorwiegend der Prophylaxe für 2011 und weniger der Schadreduktion in 2010.

 

Stand: 20. KW

Mit landesweit ca. 36 Tm³ Stehendbefall wurden für das Buchdruckerjahr 2009/10 nur 28% des Vorjahreswertes registriert. Damit ordnet sich das vergangene Käferjahr auf dem geringen Niveau des Jahres 2005/06 ein. In Verbindung mit der im Landesdurchschnitt mit 97% sehr hohen Aufarbeitungsrate ist von insgesamt geringen Käferdichten für den Beginn des Käferjahres 2010/11 auszugehen.

Die im April für das Winterhalbjahr im Forstschutzkontrollbuch registrierte Nadelholz Wurf- und Bruchholzmenge ist mit ca. 40 Tm³ ebenfalls gering. Mehr als die Hälfte davon fiel in vorwiegend Kiefernbeständen im FoB Taura an. Bis zum Schwärmbeginn des Buchdruckers waren im Landesmittel mehr als 40 % des Wurf- und Bruchholzes bereits aufgearbeitet und sind damit als Bruthabitate nicht mehr geeignet bzw. "unter Kontrolle".

Der bisherige Witterungsverlauf verringerte die Prädisposition der Fichtenbestände und bot den rindenbrütenden Borkenkäfer sehr ungünstige Entwicklungsbedingungen. Deutlich wird diese Situation anhand der ersten Ergebnisse des Borkenkäfermonitorings. Das Schwärmen der Käfer begann in allen Höhenlagen relativ spät.

In besonders ungünstigen Hoch- und Kammlagen des Erzgebirges setzte er noch gar nicht ein. Im Bereich des Hügellandes und der unteren Lagen ist von einem Beginn der 1. Hauptschwärmphase und damit des einsetzenden Befalls in der warmen Periode Ende April (17. KW) auszugehen. Ab den mittleren Lagen steht der Befallsbeginn noch aus.

Die Witterung besonders der zweiten Maidekade bremste die Käferentwicklung wieder erheblich. Trotz dieser ungünstigen Bedingungen weisen einzelne Standorte des Borkenkäfermonitorings in der Lausitz / Zittauer Gebirge sowie im Vogtland relativ hohe Käferaktivitäten von über 1.000 Käfer/DFS/Woche, z.T. in Verbindung mit intensiver Kupferstecheraktivität auf. Dies ist ein Hinweis darauf, dass trotz der günstigen Ausgangssituation die besonders gefährdeten Bereiche, wie z.B. spät erkannter Stehendbefall aus 2009, auch in diesem Jahr regelmäßig überwacht werden müssen.

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