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Aktuelle Borkenkäfersituation in Sachsen

Aktualisiert am 27. November 2020

Bohrmehl im Spinnennetz
Bohrmehl hat sich in einem Spinnennetz gesammelt.  © Foto: René Klabes

Das Winterhalbjahr verschafft Waldbesitzern eine Verschnaufpause

Derzeit erleben wir in Sachsen die schwerwiegendsten Waldschäden seit Beginn der forstlichen Aufzeichnungen. Es treten Schäden in allen Waldeigentumsarten auf. Den Schwerpunkt des Absterbens bilden in erster Linie Fichten (34 % der sächsischen Waldfläche) und dann Kiefern (28 % Gesamtwald). Zunehmend werden nun aber auch Schäden an Laubbaumarten wie Buche und Birke sichtbar. Die Massenvermehrung konnte bisher trotz aller Anstrengungen der Waldbesitzer im Wesentlichen noch nicht eingegrenzt werden.

Die Schadholzmengen in diesem Jahr sind etwas niedriger als im Jahr 2019, befinden sich aber immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Eine Entspannung der Lage ist derzeit nicht absehbar.

In den nächsten Monaten ist es wichtig, weiterhin befallene Bäume zu erkennen und rasch aufzuarbeiten. Ziel dieser Maßnahme ist es, die befallenen Bäume – in denen nun auch der Borkenkäfer in unterschiedlichen Entwicklungsstadien überwintert – rasch zu entnehmen, damit gesunde Bäume im Frühjahr, wenn die Käfer wieder aktiv werden und ausschwärmen, nicht befallen werden.

Ein Drohnenflug über den Picho im Lausitzer Bergland

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Millionen Kubikmeter Schadholz in Sachsen hinterlassen. Abgestorbene Wälder hinterlässt die Borkenkäferkalamität auch am Picho, einem Berg im Lausitzer Bergland. Das folgende Video verdeutlicht das immense Schadausmaß am Picho. Große Flächen werden verkahlen. Durch das Absterben dieses Waldgebietes können wichtige Waldfunktionen verloren gehen: Es drohen unter anderem Bodenerosion, Verlust des Hochwasserrückhalts und Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität. Überzeugen Sie sich selbst!

Drohnenflug über den Picho im Lausitzer Bergland

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Millionen Kubikmeter Schadholz in Sachsen hinterlassen. Auf mehreren tausend Hektar sind Kahlflächen entstanden. Durch das Absterben ganzer Waldgebiete können wichtige Waldfunktionen verloren gehen: Es drohen unter anderem Bodenerosionen, Verlust des Hochwasserrückhalts und Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität.</div><div> </div><div>Das Ausmaß der Waldschäden durch Borkenkäfer in diesem Jahr ist stark von der weiteren Witterungsentwicklung abhängig. Ein eher kühler und nasser Sommer kann die Entwicklung der Käfer entscheidend verlangsamen und stärkt die natürlichen Abwehrkräfte der Waldbäume. Dadurch kann Zeit für die Sanierung gewonnen werden.</div><div> </div><div>Aber auch bei einem durchschnittlichen Witterungsverlauf erwarten die Experten von Sachsenforst trotz aller Anstrengungen Waldschäden in der Höhe des Vorjahres. Wenn die kommenden Monate jedoch wieder warm und vor allem trocken werden, dann können die Schäden noch weitaus höher ausfallen als in den Vorjahren.</div>

Borkenkäfer ist ein Sammelbegriff für verschiedene Käferarten. Die verschiedenen Käfer befallen auch unterschiedliche Baumarten.

Am bekanntesten sind die Borkenkäfer der Fichte: der Buchdrucker – der gefährlichste Fichtenborkenkäfer und der Kupferstecher.

Ein Buchdrucker und ein Kupferstecher nebeneinander auf einem Lineal.
Buchdrucker (Ips typographus) – der größere der Fichtenborkenkäfer – und Kupferstecher (Pityogenees chalcographus) – der kleinere Käfer – im Größenvergleich  © Foto: Franz Matschulla
Grafische Darstellung der unterschiedlichen Borkenkäferarten an Kiefer
Auch an der Kiefer sind Borkenkäfer aktiv! Kleiner Waldgärtner (Tomicus minor), Großer Waldgärtner (Tomicus piniperda), Zweizähniger Kiefernborkenkäfer (Pityogenes bidentatus), Sechszähniger Kiefernborkenkäfer (Ips acuminatus) und Zwölfzähniger Kiefernborkenkäfer (Ips sexdentatus) im Vergleich. Maßstab: 5 schwarze Kästchen entsprechen 1 Millimeter.  © Bild: Franz Matschulla

Aber auch an Lärchen und Laubbäumen tragen Borkenkäfer derzeit dazu bei, dass Bäume absterben. Großer Lärchenborkenkäfer, Eichensplintkäfer, Kleiner Buchenborkenkäfer und Birkensplintkäfer profitieren von den für die Käferentwicklung günstigen – und für die Bäume ungünstigen – Bedingungen.

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(© Foto: Franz Matschulla)

Auffällige Spuren des Birken-Splintkäfers an Birke

Bohrlöcher an einer Birke
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(© Foto: Franz Matschulla)

Spuren gibt es auch an der Eiche: Eichensplintkäfer (links) und Eichenprachtkäfer (rechts) schädigen weiter bereits geschwächte Eichen

Spuren der verschiedenen Käfer an einem Eichenstamm
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(© Foto: Franz Matschulla)

Der kleine Buchenborkenkäfer frisst unter der Rinde der Rot-Buche.

Großaufnahme eines Buchenborkenkäfers

Unter normalen Witterungsbedingungen – also wenn die Bäume nicht durch Trockenheit und Dürre gestresst sind –  und die Bedingungen für die Käfer nicht ganz so optimal sind - können die Bäume die Käfer meist erfolgreich abwehren. Dies war allerdings in den vergangenen zwei Jahren nicht der Fall. Und auch in diesem Jahr finden die Borkenkäfer ideale Bedingungen vor bei gleichzeitig gestressten Wäldern.

Im Vergleich zu 2019 war 2020 ein alarmierend hoher Schadholzanfall in der ersten Buchdruckerge-neration und deren Geschwisterbrut im Frühjahr und Frühsommer im Gesamtwald festzustellen. Dies lässt sich mit der extrem hohen Ausgangspopulation und der die Bäume schwächenden Trockenheit begründen.

Im Jahresverlauf 2020 erfolgte eine schrittweise Reduzierung des Schadholzanfalls und ein Unterschreiten der vorjährigen Schadholzmengen. Zurück zu führen ist dies auf das relativ kühlere Wetter, verglichen mit den Jahren 2018 und 2019, auf eine regional günstigere Niederschlagsentwicklung, vor allem im Vogtland und im Westerzgebirge, sowie auf die Tatsache, dass unter 400 Meter ü. NN ein substantieller Anteil der Fichtenbestände nunmehr durch Borkenkäferbefall abgestorben ist.

Im Herbst 2020 scheint sich im Vergleich zu 2018 und 2019 ein geringerer zu sanierender neuer Stehendbefall im Staatswald anzudeuten. Gleichzeitig haben die Borkenkäfer aufgrund der Witterungskonstellation im August und September einen hohen Ausreifungsgrad erreicht. Sie überwintern in schwer aufzufindenden Quartieren in der Borke und in der Streu bis zum nächsten Frühjahr.

Sachsenforst-Mitarbeiter kontrolliert eine Falle im Wald.
Mithilfe von Lockstoff-Fallen wird die Schwärmaktivität von Borkenkäfern in den Wäldern überwacht.  © Foto: Archiv Sachsenforst

Beginnend mit den starken Regenfällen zum Monatswechsel vom August zum September ist in Folge der Herbstniederschläge 2020 im Freistaat Sachsen eine deutliche Entspannung der Bodenwassersituation im Wald festzustellen. Die Bodenwassersituation sollte sich nach den Prognosen bis zum Frühjahr 2021 auch in den für die Waldbäume relevanten größeren Bodentiefen entspannen. Dies wäre eine entscheidende Voraussetzung für eine nachhaltige Eindämmung der Borkenkäferkalamität durch die Forstwirtschaft. Die natürlichen Abwehrmechanismen der Bäume gegen holz- und rindenbrütende Schadinsekten würden wieder stärker in Gang kommen und die Waldschutzmaßnahmen flankieren.

In Folge der reichlichen Niederschläge seit dem Augustende haben sich die kumulierten Niederschlagsmengen denen des Jahres 2019 angenähert und tragen zur Wiederauffüllung der Bodenwasservorräte im Herbst bei. In Erinnerung muss jedoch bleiben, dass die für das Waldwachstum entscheidenden Monate April bis Ende August wie bereits 2018 durch deutlich zu geringe Niederschläge (Ø 100 bis 150 mm Defizit) bei hohen Verdunstungen geprägt waren. Ein im Winter 2019/20 unzureichend aufgefüllter Bodenwasserspeicher konnte dies nicht kompensieren.

Liniendiagramm
Kumulierte Niederschlagsmengen der Waldklimastationen bis 31.10.2020 (rote Linie) im Vergleich zum Mittelwert des vergangenen Jahrzehnts (grüne Linie), zu dem ausgeprägten Trockenjahr 2018 (hellblaue Linie) und dem sehr feuchten Jahr 2010 (blaue Linie). 
Liniendiagramm
Kumulierte Niederschlagsmengen der Waldklimastationen ab 01.11.2020 (rote Linie) im Vergleich zum Mittelwert des vergangenen Jahrzehnts (grüne Linie), zu dem ausgeprägten Trockenjahr 2018 (hellblaue Linie) und dem sehr feuchten Jahr 2010 (blaue Linie). 

Die Bodenfeuchte gestaltet sich in Sachsen weiterhin regional sehr unterschiedlich. In den für Waldbäume wichtigen Bodenschichten ist derzeit im Westerzgebirge eine ausreichende Wasserversorgung zu verzeichnen. Anders gestaltet sich das Bild zum Beispiel im Wermsdorfer Wald östlich von Leipzig. Ausbleibende oder geringe Niederschläge führen hier weiterhin zu einer extrem Dürre im Waldboden, die sich wie in den Vorjahren fortsetzt und die Waldbäume unter erheblichen Stress versetzt.

Liniendiagramm
Entwicklung der Bodenfeuchte (% der nutzbaren Feldkapazität) im Jahresverlauf für die Waldklimastation Sachsengrund im Westerzgebirge (dicke rote Linie) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (grüne Linie) und den trockenen Jahren 2018 (blaue Linie) und 2019 (rote Linie) (Stand: 23.11.2020) 
Liniendiagramm
Entwicklung der Bodenfeuchte (% der nutzbaren Feldkapazität) im Jahresverlauf für die Waldklimastation Wermsdorf (dicke rote Linie) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (grüne Linie) und den trockenen Jahren 2018 (blaue Linie) und 2019 (rote Linie) (Stand: 23.11.2020) 

Die Borkenkäfer überwintern derzeit in unterschiedlichen Entwicklungsstadien unter der Borke als auch in der Nadelstreu. Es ist im Frühjahr 2021 erneut von einer hohen Ausgangspopulation der Borkenkäfer auszugehen.

Trotz eines leichten Rückganges der Schadholzmengen in diesem Jahr, bleibt der Befallsdruck für die sächsischen Wälder insgesamt weiter sehr hoch. Eine merkliche Entspannung der Situation wird erst mit einer länger anhaltenden kühleren und nassen Witterungsphase erwartet. Dennoch gilt: Auch in den nächsten Monaten muss erkannter Befall konsequent erkannt und saniert werden. Dies ist notwendig, um die Ausgangspopulation der Borkenkäfer für das Frühjahr 2021 soweit wie möglich abzusenken. Ohne diese Maßnahmen im Winter droht ein erneuter Massenbefall im kommenden Frühjahr. Dies ist besonders geboten oberhalb von 400 Metern ü. NN. Denn dort war 2020, wenn auch noch auf geringem Niveau, eine diffuse Ausbreitung des Buchdruckers festzustellen.

Die Situation in den sächsischen Wäldern bleibt angespannt: Seit Oktober 2017 sind fast 9 Millionen Kubikmeter Schadholz in den Wäldern Sachsens angefallen. Rund die Hälfte davon entfällt auf Schäden durch Borkenkäfer, der Rest auf Sturm- und Schneebruchschäden. Über 56.000 Hektar Wald – und damit mehr als 10 Prozent der Gesamtwaldfläche – wurden geschädigt.

Säulendiagramm
Monatlicher Vergleich des befallenen Holzes in Kubikmetern für den sächsischen Wald in den Jahren 2003 bis 2020. Die Befallsmengen der Jahre 2018, 2019 und 2020 sind in gelb, orange und rot dargestellt. (Quelle: Forstschutzkontrollbuch) 

Auf der Grundlage von erfahrungsbasierten Schätzungen ist für das Borkenkäferjahr 2020/21 ein Rückgang des Schadholzanfalls im Gesamtwald durch Buchdrucker auf 1,6 bis 1,9 Millionen Kubikmeter zu erwarten nach etwa 2 Millionen Kubikmeter im Borkenkäferjahr 2019/20.

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Millionen Kubikmeter Schadholz in Sachsen hinterlassen. Auf mehreren tausend Hektar sind Kahlflächen entstanden. Auch im Februar 2020 haben Stürme erneut Schadholzmengen in Höhe von rund 200.000 Kubikmetern verursacht.

Der Anteil am Schadholz, der durch Borkenkäfer verursacht wurde, hat dabei stark zugenommen (s. Tabelle 1).

Tabelle 1: Entwicklung der Schadholzmengen in Kubikmetern in den Jahren 2017 bis 2020 und des Anteils der Schäden durch Borkenkäfer (BK) getrennt nach Staatswald und Privat- und Körperschaftswald (Quelle: Forstschutzkontrollbuch)

  2017   2018   2019   2020  
  Schadholz davon BK Schadholz davon BK Schadholz davon BK Schadholz davon BK
Staatswald 77.000 47.000 2.105.000 510.000 1.854.000 1.016.000 912.000 708.000
Privat- und Körperschaftswald 91.000 28.000 1.183.000 315.000 1.666.000 1.142.000 1.394.000 1.078.000
Summe 168.000 76.000 3.289.000 825.000 3.520.000 2.158.000 2.306.000 1.786.000
Förster auf einer Schadholzfläche
Die sächsischen Wälder wurden in den vergangenen zwei Jahren durch unterschiedliche Sturmereignisse heimgesucht, die mehrere Millionen Kubikmeter Schadholz hinterlassen haben.  © Foto: Felix.R.Krull

Ein Blick auf die Verteilung des bisherigen Schadholzanfalls durch Buchdrucker in Sachsen zeigt abgesehen vom Nationalpark Sächsische Schweiz die räumliche Konzentration auf zwei „Brennpunkte“ in Mittel- bis Südostsachsen. Die erstere Region war 2020 das durchgängige Zentrum der höchsten Niederschlagsdefizite und traf dort den Wald aller Eigentumsformen.

Allein in den Landkreisrevieren Sebnitz (Nationalpark Sächsische Schweiz) und Cunewalde sind 2020 bisher mit je über 120.000 Kubikmeter Schadholz insgesamt ein Viertel des gesamten Schadholzes im Freistaat Sachsen durch Buchdrucker angefallen. Der hohe Schadholzanfall in den drei Landkreisrevieren Bischoffswerda, Löbau und Zittau (je 30.000 bis 60.000 Kubikmeter) komplettiert die prekäre Lage im Lausitzer Bergland und im Zittauer. In deutlich niedriger Intensität aber gleichwohl herausgehoben verlief das Schadholzgeschehen durch Buchdrucker 2020 im Osterzgebirge sowie im Raum Freiberg-Nossen-Zschopau.

Kartendarstellung mit teils verschiedenfarbigen Flächen der Landkreis-Reviere
Verteilung der Schadholzmengen durch Buchdrucker an Fichte im sächsischen Wald im Jahr 2020 

Der Schadholzanfall durch holz- und rindenbrütende Schadinsekten am Nadelholz außer Buchdrucker, d. h. vor allem an der Baumart Kiefer, liegt 2020 über dem des Jahres 2019. Ein Viertel des Schadholzes an der Kiefer entfiel allein auf die Königsbrücker Heide (Landkreisrevier Königsbrück). Ein weiteres Viertel resultiert aus Befall in der Dübener Heide sowie der nördlichen Niederlausitz (Landkreisreviere Elsterheide und Bernsdorf). Weitere Schwerpunkte sind die Dahlener Heide, die Wälder im Landkreis Leipzig sowie die Moritzburger Heide.

Das Schadgeschehen hat sich 2020 im Vergleich zu 2019 über das mitteldeutsche Trockengebiet hinaus nach Osten ausgebreitet und ist geprägt durch das regelmäßig sichtbare Absterben von Einzelbäumen und Baumgruppen in mittelalten bis älteren Kiefernbeständen. Mehrere primär und sekundär wirkende Schadinsekten (Sechs- und zwölfzähniger Kiefernborkenkäfer, Großer und Kleiner Waldgärtner sowie Blauer Kiefernprachtkäfer) mit sich überlagernden Schadbildern sind daran beteiligt. Eine Sanierung des Befalls durch rechtzeitige Erkennung ist sehr schwierig.

Kartendarstellung mit teils verschidenfarbigen Landkreis-Revieren
Verteilung der Schadholzmengen holz- und rindenbrütender Insekten an Kiefer und Lärche im sächsischen Wald im Jahr 2020 
Blick über eine Waldfläche mir braun gefärbten Bäumen
Typische Waldschäden durch Buchdrucker, der gefährlichsten Borkenkäferart in Sachsen.  © Foto: Mirko Prüfer

Borkenkäfer sind besonders für Nadelbäume (Fichte, Kiefer, Lärche) gefährlich. Die Käfer entwickeln sich zwischen der Rinde und dem Holz von Bäumen.

Durch den Fraß werden der Nährstoff- und nachfolgend auch der Wassertransport des Baumes unterbrochen, wodurch der Baum abstirbt. Dies gelingt den Borkenkäfern in der Regel nur bei bereits geschwächten Bäumen. Sind viele Bäume durch Stürme, Schneebruch oder Trockenheit geschwächt oder die Witterungsbedingungen für den Käfer günstig (höhere Temperaturen für eine schnellere Entwicklung und geringe Widerstandskraft der Bäume infolge geringer Niederschläge) – kann es zu einer Massenvermehrung (Kalamität) und großflächigem Absterben von Waldbäumen kommen. Dadurch können sehr schnell große Freiflächen entstehen. Das bisher gewohnte Bild des Waldes, der eigenen Heimat, verändert sich. Und nicht nur das: Wertvolle Schutzfunktionen wie Erosionsschutz, Lärm- und Hochwasserschutz und die Verbesserung der Trinkwasserqualität werden vorerst nicht mehr oder nur eingeschränkt bereitgestellt.

Blick über Waldflächen im Nationalpark mit Borkenkäferbefall
Wird der Verbreitung der Borkenkäfer nicht aktiv entgegengewirkt, können Wälder großflächig absterben. Im Nationalpark Sächsische Schweiz (hier im Bild) ist die Borkenkäferausbreitung hingegen Teil der natürlichen Waldentwicklung und somit kein Schaden.  © Foto:Frank Strohbach

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, potenzielle Brutmöglichkeiten und durch den Borkenkäfer neu befallene Bäume so schnell wie möglich zu erkennen und die Ausbreitung der Borkenkäfer durch eine Fällung der befallenen Bäume und deren Abtransport zu verhindern.

In den Kernzonen von Schutzgebieten (z.B. Nationalpark, Biosphärenreservat) ist die Borkenkäferausbreitung Teil einer natürlichen Waldentwicklung. Allerdings muss eine Ausbreitung auf benachbarte Wirtschaftswälder möglichst verhindert werden.

Auch für Waldbesucher sind die Spuren der Borkenkäfer deutlich sicht- und spürbar:

  • Gewohnte Waldwege sind aufgrund der notwendigen Fällarbeiten gesperrt.
  • Aufgrund der großen Schadholzmengen, die bewegt werden, weisen die Wege zwischenzeitlich Gebrauchsspuren auf.
  • Vermehrt befinden sich Holzpolter im Wald.
  • Bisher bekannte Waldbilder gibt es auf einmal nicht mehr oder sie haben sich deutlich verändert.

Mit dem Beginn des Schwärmens müssen Waldbesitzer ihre Wälder intensiv auf frischen Befall durch Borkenkäfer oder andere Schadinsekten kontrollieren. Wer frischen Befall erkennt, muss sofort handeln. Solange die Entwicklung der Larven noch nicht abgeschlossen ist, können effektive Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die befallenen Bäume müssen gefällt und die Stämme so schnell wie möglich aus dem Wald gebracht werden, um ein Übergreifen auf gesunde Bäume und das Absterben ganzer Waldgebiete zu verhindern. Besonders gefährdet sind die sehr anfälligen Reinbestände aus Fichten, Kiefern oder Lärchen, in denen bereits im Vorjahr Befall aufgetreten ist.

Solange das Schwärmen noch nicht begonnen hat (insbesondere in den kühleren Mittelgebirgslagen), sollten weiterhin Stämme mit noch überwinternden Borkenkäfern und Sturmholz aus dem Winter unverzüglich aus dem Wald transportiert oder der Ausflug der Käfer verhindert werden. Mit Beginn der Hauptflugphase und damit dem Beginn des Befalls lebender Bäumen sind die gefährdeten Bestände regelmäßig auf frischen Befall hin zu kontrollieren.

Bohrlöcher mit Bohrmehl an Fichtenstamm
Bohrmehl an einer befallenen Fichte  © Foto: Franz Matschulla

Das Erkennen von frischem Käferbefall an im Wald liegendem Holz (Wurf- und Bruchholz von Stürmen oder bereits eingeschlagenes Holz) ist anhand der Bohrmehlhäufchen vergleichsweise einfach, solange diese nicht von Wind weggeweht oder vom Regen abgespült werden. Bohrmehl tritt nur während der Phase auf, in der durch die männlichen Käfer die sogenannte Rammelkammer und nach erfolgreicher Verpaarung durch die Weibchen die Muttergänge zur Ablage der Eier angelegt werden. Diese Phase umfasst in der Regel einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen.

Wesentlich schwieriger ist das Erkennen des Befalls an stehenden, gesunden Bäumen (sog. Stehendbefall). Die Besiedlung der Fichten durch Buchdrucker - der gefährlichsten Borkenkäferart in Sachsen - beginnt in der Regel im Bereich des Ansatzes der grünen Krone, also mindestens in acht bis zehn Metern Höhe. Das dabei austretende Bohrmehl ist in der Regel vom Boden aus kaum auf Rindenschuppen, an Wurzelanläufen oder der Bodenvegetation zu entdecken. Dies ist erst möglich, wenn der Befall am Baum voranschreitet und auch die unteren, besser kontrollierbaren Stammabschnitte besiedelt werden.

Die Harztröpfchen sind in diesem Jahr vermutlich weniger als Erkennungsmerkmal geeignet als in anderen Jahren mit besserer Wasserversorgung. Es bleiben also nur die winzigen Bohrlöcher und das jetzt in der Zeit der Anlage der Rammelkammern Muttergänge permanent rieselnden Bohrmehl.

Bohrmehl auf Buchenblättern
Augen auf bei der Bohrmehl-Suche! Auch auf die Blätter benachbarter, kleinerer Bäumen kann das Bohrmehl der Nadelbäume fallen.  © Foto: Lutz-Florian Otto

Die großen Schadholzmengen hemmen indes oft die rechtzeitige Abfuhr des befallenen Holzes aus den Wäldern. Dadurch können auch weitere Maßnahmen zum Schutz der Wälder notwendig werden. Wenn die befallenen Stämme nicht rechtzeitig aus dem Wald zu den Holzabnehmern oder auf einen Lagerplatz in ausreichendem Abstand gefahren werden können, müssen die Stämme entrindet werden, um die Larvenentwicklung zu stoppen. Ist auch eine Entrindung nicht möglich, dann können zum Schutz der verbleibenden Wälder als letzte Maßnahme auch zugelassene Pflanzenschutzmittel durch sachkundige Anwender unter Berücksichtigung der Anwendungsbestimmungen und weiterer bestehender Rechtsvorgaben (bspw. zum Trinkwasserschutz) eingesetzt werden, um den Ausflug der Käfer und damit einen Neubefall zu verhindern.

Die sich überlagernden Generationen und Geschwisterbruten des Buchdruckers verursachen derzeit oftmals ein unübersichtliches Bild der Entwicklung am Einzelbaum. Die schnellmögliche waldschutzmäßige Sanierung nach dem Erkennen des Befalls ist daher das Mittel der Wahl. Nur definitiver Frischbefall aus der Anlage der dritten Generation kann als „Überwinterungsbaum“ zu einem späteren Zeitpunkt saniert werden.

Der Käfer macht bei seiner Ausbreitung vor keinen Eigentumsgrenzen halt. Um ein Absterben ganzer Wälder zu verhindern, ist die rechtzeitige und ausreichende Bekämpfung Pflicht der Waldbesitzer. Aufgrund der großen Bedeutung der Wälder für das Allgemeinwohl werden die gut 85.000 Waldbesitzer in Sachsen dabei unterstützt. Sachsenforst berät Waldbesitzer zu allen Fragen der Waldbewirtschaftung und Schadensbewältigung kostenlos und flächendeckend in 62 Revieren in ganz Sachsen. Zusätzlich fördert der Freistaat Sachsen Maßnahmen zum Waldschutz und zur Wiederbewaldung finanziell.

Borkenkäfer in einem Gang in der Rinde
Borkenkäfer vermehren sich unter der Rinde der Bäume.  © Foto: Franz Matschulla

Waldbesitzer in Gebieten mit besonders schutzwürdigen und bedrohten Wäldern können in diesem Jahr auch auf weiterführende Unterstützungsleistungen zurückgreifen. In ausgewählten Gebieten wird privaten Waldbesitzern im Rahmen der Möglichkeiten angeboten, notwendige Maßnahmen zum Waldschutz gegen Kostenersatz durch forstliche Dienstleister im Auftrag von Sachsenforst durchzuführen. Die große Mehrheit der privaten Waldbesitzer verfügt nicht über eigenes Forstpersonal und den notwendigen Marktzugang. Durch die damit mögliche Bündelung von Maßnahmen werden angemessene Arbeitspakete und Planungssicherheit für Forstunternehmer und Holzkäufer geschaffen. Wo immer privatrechtliche Zusammenschlüsse der Waldbesitzer diese Bündelungsfunktion übernehmen können, wird das Vorgehen eng mit diesen abgestimmt. Auch die unteren Forstbehörden sind an diesem Prozess beteiligt, so dass ein koordiniertes Vorgehen gewährleistet ist.

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