Hauptinhalt

Aktuelle Borkenkäfersituation in Sachsen

Aktualisiert am 20. Mai 2020

Borkenkäfer bohren sich unter die Rinde der Bäume
Borkenkäfer im Porträt  © Foto: Franz Matschulla

Keine Beruhigung in Sicht! 80% der Bokenkäferfallen weisen höhere Fangzahlen auf als im Rekordjahr 2019 zum gleichen Zeitpunkt

Denn die Borkenkäferdichte in den sächsischen Wäldern ist enorm. Das zeigen auch die aktuellen Fangergebnisse des landesweiten Borkenkäfer-Monitorings. Mehr als 80% der Fallen weisen höhere Fangzahlen auf als im Rekordjahr 2019 zum gleichen Zeitpunkt. Ist die erste Befallswelle der Borkenkäfer im Hügelland bereits abgeschlossen und sind neue Bäume bereits infiziert, so steht dies vor allem den Gebirgslagen noch bevor.

Derzeit sind mehr Borkenkäfer in den sächsischen Wäldern aktiv als wahrscheinlich jemals zuvor in der forstlichen Geschichte. Unter optimalen Bedingungen konnten sich die Käfer in den vergangenen zwei Jahren unter der Rinde der Bäume massenhaft vermehren. Bei starkem Befall sterben die Bäume ab. Dieses Szenario droht dem sächsischen Wald in diesem Jahr wieder auf großer Fläche.

Zu Ihrer Information zur derzeitigen Situation in den Wäldern Sachsens wird diese Seite in wöchentlichem Turnus aktualisiert.

Ein Drohnenflug über den Picho im Lausitzer Bergland

Drohnenflug über den Picho im Lausitzer Bergland

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Millionen Kubikmeter Schadholz in Sachsen hinterlassen. Auf mehreren tausend Hektar sind Kahlflächen entstanden. Durch das Absterben ganzer Waldgebiete können wichtige Waldfunktionen verloren gehen: Es drohen unter anderem Bodenerosionen, Verlust des Hochwasserrückhalts und Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität.</div><div> </div><div>Das Ausmaß der Waldschäden durch Borkenkäfer in diesem Jahr ist stark von der weiteren Witterungsentwicklung abhängig. Ein eher kühler und nasser Sommer kann die Entwicklung der Käfer entscheidend verlangsamen und stärkt die natürlichen Abwehrkräfte der Waldbäume. Dadurch kann Zeit für die Sanierung gewonnen werden.</div><div> </div><div>Aber auch bei einem durchschnittlichen Witterungsverlauf erwarten die Experten von Sachsenforst trotz aller Anstrengungen Waldschäden in der Höhe des Vorjahres. Wenn die kommenden Monate jedoch wieder warm und vor allem trocken werden, dann können die Schäden noch weitaus höher ausfallen als in den Vorjahren.</div>

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Millionen Kubikmeter Schadholz in Sachsen hinterlassen. Auf mehreren tausend Hektar sind Kahlflächen entstanden. Durch das Absterben ganzer Waldgebiete können wichtige Waldfunktionen verloren gehen: Es drohen unter anderem Bodenerosionen, Verlust des Hochwasserrückhalts und Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität.

Das Ausmaß der Waldschäden durch Borkenkäfer in diesem Jahr ist stark von der weiteren Witterungsentwicklung abhängig. Ein eher kühler und nasser Sommer kann die Entwicklung der Käfer entscheidend verlangsamen und stärkt die natürlichen Abwehrkräfte der Waldbäume. Dadurch kann Zeit für die Sanierung gewonnen werden.

Aber auch bei einem durchschnittlichen Witterungsverlauf erwarten die Experten von Sachsenforst trotz aller Anstrengungen Waldschäden in der Höhe des Vorjahres. Wenn die kommenden Monate jedoch wieder warm und vor allem trocken werden, dann können die Schäden noch weitaus höher ausfallen als in den Vorjahren.

Nach einem der sonnenscheinreichsten, trockensten und wärmsten Aprilmonate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war die letzte Woche kühler, niederschlagsreicher sowie windiger. Trotz dieser – für den Borkenkäfer widrigen – Wetterlage ist eine wesentliche Verlangsamung der Entwicklung der Borkenkäfer nicht zu erkennen. Dies belegen die entsprechend hohen bis sehr hohen Fangzahlen in den lockstoffbeköderten Fallen des landesweiten Borkenkäfer-Monitorings. In 80 % der Fallen liegen die Fangzahlen höher als zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2019.

Kartendarstellung
Abbildung 1: Modellberechnung zur aktuellen Entwicklung des Buchdruckers in Sachsen vom 07.05.2020. In fast ganz Sachsen hat der Befallsbeginn (beige Flächen) begonnen. Nur in sehr vereinzelten Bereichen am Erzgebirgskamm (türkise Flächen) hat zunächst der Schwärmflug begonnen. Ein Befallsbeginn wird demnächst erwartet. Für die nördlichen Gebiete von Sachsen ist der Buchdrucker aufgrund der fehlenden Fichten-Vorkommen nicht relevant. 

Der um eine Woche zeitigere Schwärmbeginn in diesem Jahr führte dazu, dass die erste Hauptschwärmphase der Borkenkäfer in einem Großteil Sachsens, vor allem im Hügelland, bereits abgeschlossen ist. Die Käfer haben bereits neue Bäume befallen und sich in die Rinde eingebohrt. Dort fressen derzeit die Käfer. Ebenso wurde bereits die 1. Generation angelegt, deren Larven jetzt ebenso unter der Rinde fressen. Hier hat der Temperaturrückgang daher auch kaum Einfluss auf die Entwicklungsgeschwindigkeit der Käfer. In den Gebirgslagen steht der Befall gesunder Bäume noch bevor.

Der Wettlauf gegen den Käfer, um den Ausflug der ersten, jetzt frisch angelegten Käfergeneration zu verhindern, ist somit in vollem Gange. Die Bestände sind jetzt intensiv nach neu befallenen Bäumen abzusuchen. Dafür können die kommenden Tage genutzt werden, an denen es zunehmend wärmer werden soll. Der fehlende Wind begünstigt die Bohrmehl-Suche: Vorhandenes Bohrmehl wird somit nicht verweht und kann gut erkannt werden.

Frischer Befall von stehenden, gesunden Bäumen ist jetzt am Rand von Waldbeständen zu erwarten, die im Vorjahr befallen wurden. Je später der Befall im vergangenen Jahr erkannt und saniert wurde, desto wahrscheinlicher ist auch jetzt der Befall - auch in einem Abstand von bis zu 500 Metern, wobei die Wahrscheinlichkeit mit zunehmender Entfernung zum Altbefall abnimmt.

Gefährdet sind ebenso alle sonnen- und wärmeexponierten sowie trockenen Standorte. Auch in Bereichen mit Wurf- und Bruchholz aus dem letzten Winter - insbesondere, wenn dieser schon jetzt voll besiedelt ist - muss mit Stehendbefall gerechnet werden. Durch die aktuell extrem hohe, bislang unbekannte Anzahl von Borkenkäfern in den sächsischen Wäldern ist aber auch über die genannten Bereiche hinaus jederzeit von einem neuen Befall auszugehen. Gegenwärtig sind nur die Einbohrlöcher mit Bohrmehl, teilweise mit Harzaustritt verbunden, das eindeutige Merkmal für frischen Stehendbefall.

Sachsenforst-Mitarbeiter kontrolliert eine Falle im Wald.
Mithilfe von Lockstoff-Fallen wird die Schwärmaktivität von Borkenkäfern in den Wäldern überwacht.  © Foto: Archiv Sachsenforst

Die Gefährdung der Wälder durch den Borkenkäfer wird neben der Anzahl vorhandener Käfer auch durch die Abwehrkräfte der Wirtsbäume bestimmt. Diese hängt wiederum vor allem vom für sie verfügbaren Wasser ab. Die vergangenen zwei Jahre waren insgesamt sehr niederschlagsarm und warm. Überdurchschnittliche Niederschläge im Februar dieses Jahres führten zwar summarisch von November 2019 bis April 2020 zu einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge (siehe Abbildung 2), konnten aber das große Defizit in den Bodenwasservorräten der vergangenen Jahre nicht ausgleichen. Weiterhin fielen in den vergangenen Wochen lediglich vereinzelt Niederschläge. Gleichzeitig war es bereits früh im Jahr wieder sehr warm. Dies verschärfte somit landesweit die bereits sehr angespannte Dürresituation in den Wäldern.

Liniendiagramm
Abbildung 2: Kumulierte Niederschlagsmengen der Waldklimastation Altenberg bis 17.05.2020 (rote Linie) im Vergleich zum Mittelwert des vergangenen Jahrzehnts (grüne Linie) sowie zu dem ausgeprägten Trockenjahr 2018 (hellblau Linie) und dem sehr feuchten Jahr 2010 (blaue Linie). 

Die Bodenfeuchte gestaltet sich in Sachsen derzeit unterschiedlich. In den für Waldbäume wichtigen Bodenschichten ist derzeit im Westerzgebirge eine gute, Wasserversorgung zu verzeichnen (siehe Abbildung 3). Hier haben die Niederschläge der vergangenen Wochen wieder eine gute Wasserversorgung der Bäume bewirkt. Anders gestaltet sich das Bild im Zellwald (siehe Abbildung 4). Hier sind die Bäume weiterhin mit einer zunehmenden Trockenheit konfrontiert. Eine Entspannung kann in diesem Waldgebiet derzeit nicht verzeichnet werden. Ausbleibende Niederschläge können nicht durch tieferliegende Wasserquellen kompensiert werden. Dadurch werden die Abwehrkräfte der Waldbäume gegen Borkenkäfer stark beeinträchtigt.

Liniendiagramm
Abbildung 3: Entwicklung der Bodenfeuchte (% der nutzbaren Feldkapazität) im Jahresverlauf für die Waldklimastation Sachsengrund im Westerzgebirge (dicke rote Linie) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (grüne Linie) und den trockenen Jahren 2018 (blaue Linie) und 2019 (rote Linie). 
Liniendiagramm
Abbildung 4: Entwicklung der Bodenfeuchte (% der nutzbaren Feldkapazität) im Jahresverlauf für die Waldklimastation Zellwald (dicke rote Linie) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (grüne Linie) und den trockenen Jahren 2018 (blaue Linie) und 2019 (rote Linie). 

In den kommenden Tagen ist mit einem erneuten Temperaturanstieg zu rechnen. Überschreiten die Temperaturen die 16,5 °C-Marke, so ist auch wieder von einem intensiven Schwärmen der Borkenkäfer auszugehen.

Bohrmehl auf Rinde
Die Bohrmehl-Suche läuft auf Hochtouren.  © Foto: Lutz-Florian Otto

Der Befallsdruck für die sächsischen Wälder bleibt aber ungeachtet der eingesetzten Abkühlung insgesamt weiter sehr hoch. Eine merkbare Entspannung der Situation wird erst mit einer länger anhaltenden kühleren und nassen Witterungsphase erwartet. Weiterhin gilt: Derzeit hat der Befall gesunder Bäume nahezu sachsenweit begonnen bzw. ist im vollen Gange.

In den tieferen und wärmeren Regionen Sachsens, in denen der Schwärmflug bereits um Ostern eingesetzt hat, legte ein Großteil der Käfer bereits unter der Rinde die Eier der ersten Generation des neuen Jahres an. Hier beginnen nun die Larven unter der Rinde zu fressen.

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Millionen Kubikmeter Schadholz in Sachsen hinterlassen. Auf mehreren tausend Hektar sind Kahlflächen entstanden. Auch im Februar 2020 haben Stürme erneut Schadholzmengen in Höhe von rund 200.000 Kubikmetern verursacht.

Der Anteil am Schadholz, der durch Borkenkäfer verursacht wurde, hat dabei stark zugenommen (s. Tabelle 1).

Tabelle 1: Entwicklung der Schadholzmengen in Kubikmetern in den Jahren 2017 bis 2019 und des Anteils der Schäden durch Borkenkäfer (BK) getrennt nach Staatswald und Privat- und Körperschaftswald (Quelle: Forstschutzkontrollbuch)

  2017   2018   2019  
  Schadholz davon BK Schadholz davon BK Schadholz davon BK
Staatswald 77.000 47.000 2.105.000 510.000 1.839.000 1.004.000
Privat- und Körperschaftswald 91.000 28.000 1.183.000 315.000 1.597.000 1.120.000
Summe 168.000 76.000 3.289.000 825.000 3.437.000 2.124.000

 

Der Anfall von Schadholz ist immens und bestimmt das tägliche Handeln der Revierleiter von Sachsenforst. Der seit zwei Jahren andauernde Ausnahmezustand ist für die Forstleute Alltag geworden.

In der nachfolgenden Abbildung 5 ist die starke Zunahme des durch Borkenkäfer befallenen Holzes in den Jahren 2018 und 2019 ersichtlich. Es wird deutlich, wie stark die momentane Situation von „normalen“ Jahren der Waldbewirtschaftung abweicht. Aussagen für die tatsächliche Schadholzentwicklung können erst in den nächsten Monaten getroffen werden, nachdem gefundenes Schadholz erfasst wurde.

Säulendiagramm
Abbildung 5: Monatliche Darstellung des befallenen Holzes in Kubikmetern für den sächsischen Wald in den Jahren 2003 bis 2019. Die Befallsmengen der Jahre 2018 und 2019 sind in gelb und rot dargestellt. (Quelle: Forstschutzkontrollbuch) 
Förster auf einer Schadholzfläche
Die sächsischen Wälder wurden in den vergangenen zwei Jahren durch unterschiedliche Sturmereignisse heimgesucht, die mehrere Millionen Kubikmeter Schadholz hinterlassen haben.  © Foto: Felix.R.Krull

Schwerpunkte der aktuellen Waldschäden durch Buchdrucker – der gefährlichsten Borkenkäferart an Fichte – liegen in der Sächsischen Schweiz, im Oberlausitzer Bergland sowie in Mittelsachsen und im Osterzgebirge. Auch die Region um Eibenstock verzeichnet vergleichsweise hohe Schadholzmengen durch Borkenkäfer (siehe Abbildung 6). Diese Schwerpunktregionen sind durch hohe Anteile an besonders gefährdeten Fichten-Reinbeständen und für Fichten ungünstigen Wuchsbedingungen geprägt.

Kartendarstellung mit teils verschiedenfarbigen Flächen der Landkreis-Reviere
Abbildung 6: Verteilung der Schadholzmengen durch Buchdrucker an Fichte im sächsischen Wald im Jahr 2019 

Neben der Fichte sind auch Kiefern und Lärchen von den Schäden durch den Fraß unterschiedlicher Insekten betroffen. Insbesondere Kiefern wachsen vermehrt in den nördlichen Regionen von Sachsen. Entsprechend konzentrieren sich die Waldschäden bei dieser Baumart auch auf diese Regionen (vergleiche Abbildung 7). Gegenwärtig ist jedoch der Nordwesten Sachsens stärker betroffen. Allerdings sind zunehmend auch massive Schäden in den anderen Kiefernregionen, wie dem Norden des Landkreises Meißen, zu verzeichnen. Zu Beginn des neuen Borkenkäferjahres sind die Schwerpunkte der Schäden dort zu erwarten.

Kartendarstellung mit teils verschidenfarbigen Landkreis-Revieren
Abbildung 7: Verteilung der Schadholzmengen holz- und rindenbrütender Insekten an Kiefer und Lärche im sächsischen Wald im Jahr 2019 
Blick über eine Waldfläche mir braun gefärbten Bäumen
Typische Waldschäden durch Buchdrucker, der gefährlichsten Borkenkäferart in Sachsen.  © Foto: Mirko Prüfer

Borkenkäfer sind besonders für Nadelbäume (Fichte, Kiefer, Lärche) gefährlich. Die Käfer entwickeln sich zwischen der Rinde und dem Holz von Bäumen.

Durch den Fraß werden der Nährstoff- und nachfolgend auch der Wassertransport des Baumes unterbrochen, wodurch der Baum abstirbt. Dies gelingt den Borkenkäfern in der Regel nur bei bereits geschwächten Bäumen. Sind viele Bäume durch Stürme, Schneebruch oder Trockenheit geschwächt oder die Witterungsbedingungen für den Käfer günstig (höhere Temperaturen für eine schnellere Entwicklung und geringe Widerstandskraft der Bäume infolge geringer Niederschläge) – kann es zu einer Massenvermehrung (Kalamität) und großflächigem Absterben von Waldbäumen kommen. Dadurch können sehr schnell große Freiflächen entstehen. Das bisher gewohnte Bild des Waldes, der eigenen Heimat, verändert sich. Und nicht nur das: Wertvolle Schutzfunktionen wie Erosionsschutz, Lärm- und Hochwasserschutz und die Verbesserung der Trinkwasserqualität werden vorerst nicht mehr oder nur eingeschränkt bereitgestellt.

Blick über Waldflächen im Nationalpark mit Borkenkäferbefall
Wird der Verbreitung der Borkenkäfer nicht aktiv entgegengewirkt, können Wälder großflächig absterben. Im Nationalpark Sächsische Schweiz (hier im Bild) ist die Borkenkäferausbreitung hingegen Teil der natürlichen Waldentwicklung und somit kein Schaden.  © Foto:Frank Strohbach

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, potenzielle Brutmöglichkeiten und durch den Borkenkäfer neu befallene Bäume so schnell wie möglich zu erkennen und die Ausbreitung der Borkenkäfer durch eine Fällung der befallenen Bäume und deren Abtransport zu verhindern.

In den Kernzonen von Schutzgebieten (z.B. Nationalpark, Biosphärenreservat) ist die Borkenkäferausbreitung Teil einer natürlichen Waldentwicklung. Allerdings muss eine Ausbreitung auf benachbarte Wirtschaftswälder möglichst verhindert werden.

Auch für Waldbesucher sind die Spuren der Borkenkäfer deutlich sicht- und spürbar:

  • Gewohnte Waldwege sind aufgrund der notwendigen Fällarbeiten gesperrt.
  • Aufgrund der großen Schadholzmengen, die bewegt werden, weisen die Wege zwischenzeitlich Gebrauchsspuren auf.
  • Vermehrt befinden sich Holzpolter im Wald.
  • Bisher bekannte Waldbilder gibt es auf einmal nicht mehr oder sie haben sich deutlich verändert.

Mit dem Beginn des Schwärmens müssen Waldbesitzer ihre Wälder intensiv auf frischen Befall durch Borkenkäfer oder andere Schadinsekten kontrollieren. Wer frischen Befall erkennt, muss sofort handeln. Solange die Entwicklung der Larven noch nicht abgeschlossen ist, können effektive Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die befallenen Bäume müssen gefällt und die Stämme so schnell wie möglich aus dem Wald gebracht werden, um ein Übergreifen auf gesunde Bäume und das Absterben ganzer Waldgebiete zu verhindern. Besonders gefährdet sind die sehr anfälligen Reinbestände aus Fichten, Kiefern oder Lärchen, in denen bereits im Vorjahr Befall aufgetreten ist.

Solange das Schwärmen noch nicht begonnen hat (insbesondere in den kühleren Mittelgebirgslagen), sollten weiterhin Stämme mit noch überwinternden Borkenkäfern und Sturmholz aus dem Winter unverzüglich aus dem Wald transportiert oder der Ausflug der Käfer verhindert werden. Mit Beginn der Hauptflugphase und damit dem Beginn des Befalls lebender Bäumen sind die gefährdeten Bestände regelmäßig auf frischen Befall hin zu kontrollieren.

Bohrlöcher mit Bohrmehl an Fichtenstamm
Bohrmehl an einer befallenen Fichte  © Foto: Ulrich Koch

Das Erkennen von frischem Käferbefall an im Wald liegendem Holz (Wurf- und Bruchholz von Stürmen oder bereits eingeschlagenes Holz) ist anhand der Bohrmehlhäufchen vergleichsweise einfach, solange diese nicht von Wind weggeweht oder vom Regen abgespült werden. Bohrmehl tritt nur während der Phase auf, in der durch die männlichen Käfer die sogenannte Rammelkammer und nach erfolgreicher Verpaarung durch die Weibchen die Muttergänge zur Ablage der Eier angelegt werden. Diese Phase umfasst in der Regel einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen.

Wesentlich schwieriger ist das Erkennen des Befalls an stehenden, gesunden Bäumen (sog. Stehendbefall). Die Besiedlung der Fichten durch Buchdrucker - der gefährlichsten Borkenkäferart in Sachsen - beginnt in der Regel im Bereich des Ansatzes der grünen Krone, also mindestens in acht bis zehn Metern Höhe. Das dabei austretende Bohrmehl ist in der Regel vom Boden aus kaum auf Rindenschuppen, an Wurzelanläufen oder der Bodenvegetation zu entdecken. Dies ist erst möglich, wenn der Befall am Baum voranschreitet und auch die unteren, besser kontrollierbaren Stammabschnitte besiedelt werden.

Die Harztröpfchen sind in diesem Jahr vermutlich weniger als Erkennungsmerkmal geeignet als in anderen Jahren mit besserer Wasserversorgung. Es bleiben also nur die winzigen Bohrlöcher und das jetzt in der Zeit der Anlage der Rammelkammern Muttergänge permanent rieselnden Bohrmehl.

Bohrmehl auf Buchenblättern
Augen auf bei der Bohrmehl-Suche! Auch auf die Blätter benachbarter, kleinerer Bäumen kann das Bohrmehl der Nadelbäume fallen.  © Foto: Lutz-Florian Otto

Die großen Schadholzmengen hemmen indes oft die rechtzeitige Abfuhr des befallenen Holzes aus den Wäldern. Dadurch können auch weitere Maßnahmen zum Schutz der Wälder notwendig werden. Wenn die befallenen Stämme nicht rechtzeitig aus dem Wald zu den Holzabnehmern oder auf einen Lagerplatz in ausreichendem Abstand gefahren werden können, müssen die Stämme entrindet werden, um die Larvenentwicklung zu stoppen. Ist auch eine Entrindung nicht möglich, dann können zum Schutz der verbleibenden Wälder als letzte Maßnahme auch zugelassene Pflanzenschutzmittel durch sachkundige Anwender unter Berücksichtigung der Anwendungsbestimmungen und weiterer bestehender Rechtsvorgaben (bspw. zum Trinkwasserschutz) eingesetzt werden, um den Ausflug der Käfer und damit einen Neubefall zu verhindern.

Der Käfer macht bei seiner Ausbreitung vor keinen Eigentumsgrenzen halt. Um ein Absterben ganzer Wälder zu verhindern, ist die rechtzeitige und ausreichende Bekämpfung Pflicht der Waldbesitzer. Aufgrund der großen Bedeutung der Wälder für das Allgemeinwohl werden die gut 85.000 Waldbesitzer in Sachsen dabei unterstützt. Sachsenforst berät Waldbesitzer zu allen Fragen der Waldbewirtschaftung und Schadensbewältigung kostenlos und flächendeckend in 62 Revieren in ganz Sachsen. Zusätzlich fördert der Freistaat Sachsen Maßnahmen zum Waldschutz und zur Wiederbewaldung finanziell.

Borkenkäfer in einem Gang in der Rinde
Borkenkäfer vermehren sich unter der Rinde der Bäume.  © Foto: Franz Matschulla

Waldbesitzer in Gebieten mit besonders schutzwürdigen und bedrohten Wäldern können in diesem Jahr auch auf weiterführende Unterstützungsleistungen zurückgreifen. In ausgewählten Gebieten wird privaten Waldbesitzern im Rahmen der Möglichkeiten angeboten, notwendige Maßnahmen zum Waldschutz gegen Kostenersatz durch forstliche Dienstleister im Auftrag von Sachsenforst durchzuführen. Die große Mehrheit der privaten Waldbesitzer verfügt nicht über eigenes Forstpersonal und den notwendigen Marktzugang. Durch die damit mögliche Bündelung von Maßnahmen werden angemessene Arbeitspakete und Planungssicherheit für Forstunternehmer und Holzkäufer geschaffen. Wo immer privatrechtliche Zusammenschlüsse der Waldbesitzer diese Bündelungsfunktion übernehmen können, wird das Vorgehen eng mit diesen abgestimmt. Auch die unteren Forstbehörden sind an diesem Prozess beteiligt, so dass ein koordiniertes Vorgehen gewährleistet ist.

zurück zum Seitenanfang