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Aktuelle Borkenkäfersituation in Sachsen

Aktualisiert am 07. September 2020

Blick auf ein Rindenstück mit Fraßgängen und Käfern in unterschiedlichen Entwicklungsstadien
Eine Bedrohung auch für bislang gesunde Fichten: Unter der Rinde tummeln sich verschiedene Entwicklungsstadien des Buchdruckers  © Foto: Lothar Sprenger

Entwicklung der Borkenkäfer aktuell langsamer als 2018 und 2019

Nach wissenschaftlichen Untersuchungen ist die aufeinanderfolgende (Sommer-)Trockenheit seit 2018 in weiten Teilen Mitteleuropa, darunter Sachsen einmalig für den Zeitraum der vergangenen 250 Jahre. Das Risiko einer Wiederholung derartiger Szenarien steigt mit dem fortschreitenden Klimawandel. Das insgesamt kühlere Wetter im Jahr 2020 vor allem im Vergleich zu 2018 aber auch zu 2019 hat die Entwicklung der Borkenkäfer(-generationen) um wichtige Wochen verlangsamt, so dass u. a. eine dritte Buchdruckergeneration im laufenden Borkenkäferjahr „nur“ bis in Höhenlagen von 450 bis 500 m ü. NN angelegt wurde. Der flächenmäßige bedeutsame Fichtengürtel der mittleren und höheren Berglagen bleibt 2020 davon überwiegend verschont.

Ein Drohnenflug über den Picho im Lausitzer Bergland

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Millionen Kubikmeter Schadholz in Sachsen hinterlassen. Abgestorbene Wälder hinterlässt die Borkenkäferkalamität auch am Picho, einem Berg im Lausitzer Bergland. Das folgende Video verdeutlicht das immense Schadausmaß am Picho. Große Flächen werden verkahlen. Durch das Absterben dieses Waldgebietes können wichtige Waldfunktionen verloren gehen: Es drohen unter anderem Bodenerosion, Verlust des Hochwasserrückhalts und Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität. Überzeugen Sie sich selbst!

Drohnenflug über den Picho im Lausitzer Bergland

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Millionen Kubikmeter Schadholz in Sachsen hinterlassen. Auf mehreren tausend Hektar sind Kahlflächen entstanden. Durch das Absterben ganzer Waldgebiete können wichtige Waldfunktionen verloren gehen: Es drohen unter anderem Bodenerosionen, Verlust des Hochwasserrückhalts und Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität.</div><div> </div><div>Das Ausmaß der Waldschäden durch Borkenkäfer in diesem Jahr ist stark von der weiteren Witterungsentwicklung abhängig. Ein eher kühler und nasser Sommer kann die Entwicklung der Käfer entscheidend verlangsamen und stärkt die natürlichen Abwehrkräfte der Waldbäume. Dadurch kann Zeit für die Sanierung gewonnen werden.</div><div> </div><div>Aber auch bei einem durchschnittlichen Witterungsverlauf erwarten die Experten von Sachsenforst trotz aller Anstrengungen Waldschäden in der Höhe des Vorjahres. Wenn die kommenden Monate jedoch wieder warm und vor allem trocken werden, dann können die Schäden noch weitaus höher ausfallen als in den Vorjahren.</div>

Borkenkäfer ist ein Sammelbegriff für verschiedene Käferarten. Die verschiedenen Käfer befallen auch unterschiedliche Baumarten.

Am bekanntesten sind die Borkenkäfer der Fichte: der Buchdrucker – der gefährlichste Fichtenborkenkäfer und der Kupferstecher.

Ein Buchdrucker und ein Kupferstecher nebeneinander auf einem Lineal.
Buchdrucker (Ips typographus) – der größere der Fichtenborkenkäfer – und Kupferstecher (Pityogenees chalcographus) – der kleinere Käfer – im Größenvergleich  © Foto: Franz Matschulla
Grafische Darstellung der unterschiedlichen Borkenkäferarten an Kiefer
Auch an der Kiefer sind Borkenkäfer aktiv! Kleiner Waldgärtner (Tomicus minor), Großer Waldgärtner (Tomicus piniperda), Zweizähniger Kiefernborkenkäfer (Pityogenes bidentatus), Sechszähniger Kiefernborkenkäfer (Ips acuminatus) und Zwölfzähniger Kiefernborkenkäfer (Ips sexdentatus) im Vergleich. Maßstab: 5 schwarze Kästchen entsprechen 1 Millimeter.  © Bild: Franz Matschulla

Aber auch an Lärchen und Laubbäumen tragen Borkenkäfer derzeit dazu bei, dass Bäume absterben. Großer Lärchenborkenkäfer, Eichensplintkäfer, Kleiner Buchenborkenkäfer und Birkensplintkäfer profitieren von den für die Käferentwicklung günstigen – und für die Bäume ungünstigen – Bedingungen.

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(© Foto: Franz Matschulla)

Auffällige Spuren des Birken-Splintkäfers an Birke

Bohrlöcher an einer Birke
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(© Foto: Franz Matschulla)

Spuren gibt es auch an der Eiche: Eichensplintkäfer (links) und Eichenprachtkäfer (rechts) schädigen weiter bereits geschwächte Eichen

Spuren der verschiedenen Käfer an einem Eichenstamm
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(© Foto: Franz Matschulla)

Der kleine Buchenborkenkäfer frisst unter der Rinde der Rot-Buche.

Großaufnahme eines Buchenborkenkäfers

Unter normalen Witterungsbedingungen – also wenn die Bäume nicht durch Trockenheit und Dürre gestresst sind –  und die Bedingungen für die Käfer nicht ganz so optimal sind - können die Bäume die Käfer meist erfolgreich abwehren. Dies war allerdings in den vergangenen zwei Jahren nicht der Fall. Und auch in diesem Jahr finden die Borkenkäfer ideale Bedingungen vor bei gleichzeitig gestressten Wäldern.

Das kühlere Wetter im Jahre 2020 verlangsamte die Entwicklung der holz- und rindenbrütenden Schadinsekten insbesondere im Vergleich zum Wärmerekordjahr 2018. Während 2018 im Erzgebirgsvorland bereits um den Monatswechsel vom Juli zum August die dritte Buchdruckergeneration angelegt wurde, erfolgte dies im laufenden Borkenkäferjahr erst etwa zwei Wochen später. In den unteren Berglagen und dem Hügelland ist zum Stand Ende August 2020 bis in etwa 450 / 500 m ü. NN die Anlage einer dritten Generation erfolgt. Anders als 2018 wird in den Höhenlagen darüber auf Grund der abnehmenden Tageslänge und den nicht sehr warmen Tagesmitteltemperaturen keine dritte Generation des Buchdruckers angelegt. Relativ große Teile des Berglandes bleiben 2020 davon verschont.

Mit abnehmender Tageslänge (< 14,7 h) und Wärme (< 23°C Tagesmitteltemperatur) begeben sich die Buchdrucker in Mitteleuropa beginnend mit der dritten Augustwoche mehrheitlich trotz abgeschlossener Entwicklung zum Vollinsekt in Diapause (Ruhezustand). Gleichwohl können Teile der Population auch noch zu einem späteren Zeitpunkt eine dritte Generation anlegen.

Neu aufgetreten ist während des Sommers 2020 eine diffuse Ausbreitung des Befallsgeschehens des Buchdruckers auf (noch) relativ niedrigem Niveau in bisher weniger betroffenen Fichtengebieten des Erzgebirges oberhalb von 400 m ü. NN. Diese Zerstreuung wird im Jahre 2021 eine große Herausforderung bei der möglichst vollständigen Erkennung des Neubefalls im Frühjahr darstellen.

Sachsenforst-Mitarbeiter kontrolliert eine Falle im Wald.
Mithilfe von Lockstoff-Fallen wird die Schwärmaktivität von Borkenkäfern in den Wäldern überwacht.  © Foto: Archiv Sachsenforst

Die Gefährdung der Wälder durch den Borkenkäfer wird neben der Anzahl vorhandener Käfer auch durch die Abwehrkräfte der Waldbäume bestimmt. Diese hängt wiederum vor allem vom für sie verfügbaren Wasser ab. Die vergangenen zwei Jahre waren insgesamt sehr niederschlagsarm und warm. Im laufenden Jahr kam es zwar im Februar zu ergiebigen Niederschlägen, der April 2020 war aber einer der trockensten in den Wetteraufzeichnungen seit 1886.

Der August 2020 zeigt bisher eine flächenhafte Temperaturabweichung von über 3 K bezogen auf den Mittelwert von 1981 bis 2020, die sich sehr gleichmäßig auf den Freistaat verteilten; im Tiefland 20 Sommertage und bis zu 13 Heiße Tage. Auch im Bergland wurden Sommertage festgestellt und sogar auf dem Fichtelberg konnten 5 Tage mit Höchstwerten von mindestens 25°C registriert werden. Bis zum 24.08. hatte die Sonne im Flächenmittel schon etwa 190 Stunden geschienen (Monatsnormalwert 210 Stunden). Der Niederschlag war auch im August bisher überwiegend schauerartigen Charakters mit dementsprechend sehr unterschiedlicher Verteilung (Ø 60 mm; Streuung: Leipzig 28 mm bis Sächsische Schweiz > 100 mm). Das Flächenmittel liegt derzeit noch mehr als 20 mm unter dem langjährigen Mittel des Monats August.

Liniendiagramm
Kumulierte Niederschlagsmengen der Waldklimastationen bis 30.08.2020 (rote Linie) im Vergleich zum Mittelwert des vergangenen Jahrzehnts (grüne Linie), zu dem ausgeprägten Trockenjahr 2018 (hellblaue Linie) und dem sehr feuchten Jahr 2010 (blaue Linie).  

Die Bodenfeuchte gestaltet sich in Sachsen weiterhin regional sehr unterschiedlich. In den für Waldbäume wichtigen Bodenschichten ist derzeit im Westerzgebirge eine ausreichende Wasserversorgung zu verzeichnen. Anders gestaltet sich das Bild zum Beispiel im Wermsdorfer Wald östlich von Leipzig. Ausbleibende oder geringe Niederschläge führen hier weiterhin zu einer extrem Dürre im Waldboden, die sich wie in den Vorjahren fortsetzt und die Waldbäume unter erheblichen Stress versetzt.

Liniendiagramm
Entwicklung der Bodenfeuchte (% der nutzbaren Feldkapazität) im Jahresverlauf für die Waldklimastation Sachsengrund im Westerzgebirge (dicke rote Linie) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (grüne Linie) und den trockenen Jahren 2018 (blaue Linie) und 2019 (rote Linie) (Stand: 30.08.2020) 
Liniendiagramm
Entwicklung der Bodenfeuchte (% der nutzbaren Feldkapazität) im Jahresverlauf für die Waldklimastation Wermsdorf (dicke rote Linie) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (grüne Linie) und den trockenen Jahren 2018 (blaue Linie) und 2019 (rote Linie) (Stand: 30.08.2020) 

Für den Zeitraum bis 10.09.2020 werden Höchsttemperaturen von 20 bis 25°C erwartet. Nachts kühlt es sich auf Werte zwischen 10 und 15°C ab. Niederschlag wird schauerartig und in Sachsen sehr unterschiedlich verteilt erfolgen. Die Langfristprognosen bis in den Dezember 2020 gehen weiterhin von normalen bis leicht überdurchschnittlichen Temperaturen und um den Durchschnittswert pendelnden Niederschlagsmengen aus. Die Bodenwasserversorgung wird sich dadurch nicht grundlegend entspannen.

Bohrmehl im Spinnennetz
Bohrmehl – aufgefangen durch ein Spinnennetz  © Foto: René Klabes

Der Befallsdruck für die sächsischen Wälder bleibt insgesamt weiter sehr hoch. Eine merkliche Entspannung der Situation wird erst mit einer länger anhaltenden kühleren und nassen Witterungsphase erwartet. Weiterhin gilt: Derzeit ist der Befall gesunder Bäume (Fichte, Kiefer, Lärche) nahezu sachsenweit im vollen Gange.

Im Staatswald ist derzeit ein doppelt so hoher Befall durch den Buchdrucker – der gefährlichsten Borkenkäferart in Sachsen – wie 2019 zum gleichen Zeitpunkt zu verzeichnen. Auch im Privat- und Körperschaftswald setzen sich die hohen Schadholzmengen vor allem in den Landkreisen Sächsischen Schweiz-Osterzgebirge, Bautzen und Görlitz fort. Zunehmend wird auch Buchdrucker-Befall in den höheren Lagen oberhalb von 800 Metern Höhe gemeldet.

Für den Gesamtwald in Sachsen zeigen die in der Waldschadensstatistik vorliegenden Meldungen einen starken Anstieg der Schäden durch Buchdrucker im Vergleich zum Vorjahr (s. Abb. unten). Dabei ist der Anstieg im Juli aber noch vergleichsweise gering ausgefallen, kann aber durch Nachmeldungen noch ansteigen.

Säulendiagramm
Monatlicher Vergleich des befallenen Holzes in Kubikmetern für den sächsischen Wald in den Jahren 2003 bis 2020. Die Befallsmengen der Jahre 2018, 2019 und 2020 sind in gelb, orange und rot dargestellt. (Quelle: Forstschutzkontrollbuch) 

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Millionen Kubikmeter Schadholz in Sachsen hinterlassen. Auf mehreren tausend Hektar sind Kahlflächen entstanden. Auch im Februar 2020 haben Stürme erneut Schadholzmengen in Höhe von rund 200.000 Kubikmetern verursacht.

Der Anteil am Schadholz, der durch Borkenkäfer verursacht wurde, hat dabei stark zugenommen (s. Tabelle 1).

Tabelle 1: Entwicklung der Schadholzmengen in Kubikmetern in den Jahren 2017 bis 2020 und des Anteils der Schäden durch Borkenkäfer (BK) getrennt nach Staatswald und Privat- und Körperschaftswald (Quelle: Forstschutzkontrollbuch)

  2017   2018   2019   2020 (per 31.07.2020; Datenabfrage: 01.09.2020)  
  Schadholz davon BK Schadholz davon BK Schadholz davon BK Schadholz davon BK
Staatswald 77.000 47.000 2.105.000 510.000 1.854.000 1.016.000 639.000 455.000
Privat- und Körperschaftswald 91.000 28.000 1.183.000 315.000 1.666.000 1.142.000 840.000 604.000
Summe 168.000 76.000 3.289.000 825.000 3.520.000 2.158.000 1.479.000 1.059.000
Förster auf einer Schadholzfläche
Die sächsischen Wälder wurden in den vergangenen zwei Jahren durch unterschiedliche Sturmereignisse heimgesucht, die mehrere Millionen Kubikmeter Schadholz hinterlassen haben.  © Foto: Felix.R.Krull

Schwerpunkte der aktuellen Waldschäden durch Buchdrucker an Fichte liegen in der Sächsischen Schweiz, im Oberlausitzer Bergland sowie in Mittelsachsen und im Osterzgebirge. Auch die Region um Eibenstock verzeichnet vergleichsweise hohe Schadholzmengen durch Borkenkäfer Diese Schwerpunktregionen sind durch hohe Anteile an besonders gefährdeten Fichten-Reinbeständen und für Fichten ungünstigen Wuchsbedingungen geprägt.

In Westsachsen, in den besonders vorratsreichen und durch die Fichte geprägten Forstbezirken Adorf, Plauen, Eibenstock und Neudorf liegt der frische Befall in 2020 in etwa auf dem Niveau wie 2019 zum gleichen Zeitpunkt oder sinkt sogar leicht. In den Hauptschadgebieten Erzgebirgsvorland (Forstbezirk Chemnitz), Osterzgebirge (Forstbezirk Bärenfels, Teile des Forstbezirks Marienberg) sowie Elbsandsteingebirge (Forstbezirk Neustadt) sind ein Mehrfaches des Stehendbefalls im Vergleich zu 2019 erfasst worden.

Kartendarstellung mit teils verschiedenfarbigen Flächen der Landkreis-Reviere
Verteilung der Schadholzmengen durch Buchdrucker an Fichte im sächsischen Wald im Jahr 2020 

Neben der Fichte sind auch Kiefern und Lärchen von den Schäden durch den Fraß unterschiedlicher Insekten betroffen. Insbesondere Kiefern wachsen vermehrt in den nördlichen Regionen von Sachsen. Entsprechend konzentrieren sich die Waldschäden bei dieser Baumart auch auf diese Regionen. Gegenwärtig ist jedoch der Nordwesten Sachsens stärker betroffen. Allerdings sind zunehmend auch massive Schäden in den anderen Kiefernregionen, wie dem Norden des Landkreises Meißen, zu verzeichnen.

Kartendarstellung mit teils verschidenfarbigen Landkreis-Revieren
Verteilung der Schadholzmengen holz- und rindenbrütender Insekten an Kiefer und Lärche im sächsischen Wald im Jahr 2020 
Blick über eine Waldfläche mir braun gefärbten Bäumen
Typische Waldschäden durch Buchdrucker, der gefährlichsten Borkenkäferart in Sachsen.  © Foto: Mirko Prüfer

Borkenkäfer sind besonders für Nadelbäume (Fichte, Kiefer, Lärche) gefährlich. Die Käfer entwickeln sich zwischen der Rinde und dem Holz von Bäumen.

Durch den Fraß werden der Nährstoff- und nachfolgend auch der Wassertransport des Baumes unterbrochen, wodurch der Baum abstirbt. Dies gelingt den Borkenkäfern in der Regel nur bei bereits geschwächten Bäumen. Sind viele Bäume durch Stürme, Schneebruch oder Trockenheit geschwächt oder die Witterungsbedingungen für den Käfer günstig (höhere Temperaturen für eine schnellere Entwicklung und geringe Widerstandskraft der Bäume infolge geringer Niederschläge) – kann es zu einer Massenvermehrung (Kalamität) und großflächigem Absterben von Waldbäumen kommen. Dadurch können sehr schnell große Freiflächen entstehen. Das bisher gewohnte Bild des Waldes, der eigenen Heimat, verändert sich. Und nicht nur das: Wertvolle Schutzfunktionen wie Erosionsschutz, Lärm- und Hochwasserschutz und die Verbesserung der Trinkwasserqualität werden vorerst nicht mehr oder nur eingeschränkt bereitgestellt.

Blick über Waldflächen im Nationalpark mit Borkenkäferbefall
Wird der Verbreitung der Borkenkäfer nicht aktiv entgegengewirkt, können Wälder großflächig absterben. Im Nationalpark Sächsische Schweiz (hier im Bild) ist die Borkenkäferausbreitung hingegen Teil der natürlichen Waldentwicklung und somit kein Schaden.  © Foto:Frank Strohbach

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, potenzielle Brutmöglichkeiten und durch den Borkenkäfer neu befallene Bäume so schnell wie möglich zu erkennen und die Ausbreitung der Borkenkäfer durch eine Fällung der befallenen Bäume und deren Abtransport zu verhindern.

In den Kernzonen von Schutzgebieten (z.B. Nationalpark, Biosphärenreservat) ist die Borkenkäferausbreitung Teil einer natürlichen Waldentwicklung. Allerdings muss eine Ausbreitung auf benachbarte Wirtschaftswälder möglichst verhindert werden.

Auch für Waldbesucher sind die Spuren der Borkenkäfer deutlich sicht- und spürbar:

  • Gewohnte Waldwege sind aufgrund der notwendigen Fällarbeiten gesperrt.
  • Aufgrund der großen Schadholzmengen, die bewegt werden, weisen die Wege zwischenzeitlich Gebrauchsspuren auf.
  • Vermehrt befinden sich Holzpolter im Wald.
  • Bisher bekannte Waldbilder gibt es auf einmal nicht mehr oder sie haben sich deutlich verändert.

Mit dem Beginn des Schwärmens müssen Waldbesitzer ihre Wälder intensiv auf frischen Befall durch Borkenkäfer oder andere Schadinsekten kontrollieren. Wer frischen Befall erkennt, muss sofort handeln. Solange die Entwicklung der Larven noch nicht abgeschlossen ist, können effektive Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die befallenen Bäume müssen gefällt und die Stämme so schnell wie möglich aus dem Wald gebracht werden, um ein Übergreifen auf gesunde Bäume und das Absterben ganzer Waldgebiete zu verhindern. Besonders gefährdet sind die sehr anfälligen Reinbestände aus Fichten, Kiefern oder Lärchen, in denen bereits im Vorjahr Befall aufgetreten ist.

Solange das Schwärmen noch nicht begonnen hat (insbesondere in den kühleren Mittelgebirgslagen), sollten weiterhin Stämme mit noch überwinternden Borkenkäfern und Sturmholz aus dem Winter unverzüglich aus dem Wald transportiert oder der Ausflug der Käfer verhindert werden. Mit Beginn der Hauptflugphase und damit dem Beginn des Befalls lebender Bäumen sind die gefährdeten Bestände regelmäßig auf frischen Befall hin zu kontrollieren.

Bohrlöcher mit Bohrmehl an Fichtenstamm
Bohrmehl an einer befallenen Fichte  © Foto: Franz Matschulla

Das Erkennen von frischem Käferbefall an im Wald liegendem Holz (Wurf- und Bruchholz von Stürmen oder bereits eingeschlagenes Holz) ist anhand der Bohrmehlhäufchen vergleichsweise einfach, solange diese nicht von Wind weggeweht oder vom Regen abgespült werden. Bohrmehl tritt nur während der Phase auf, in der durch die männlichen Käfer die sogenannte Rammelkammer und nach erfolgreicher Verpaarung durch die Weibchen die Muttergänge zur Ablage der Eier angelegt werden. Diese Phase umfasst in der Regel einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen.

Wesentlich schwieriger ist das Erkennen des Befalls an stehenden, gesunden Bäumen (sog. Stehendbefall). Die Besiedlung der Fichten durch Buchdrucker - der gefährlichsten Borkenkäferart in Sachsen - beginnt in der Regel im Bereich des Ansatzes der grünen Krone, also mindestens in acht bis zehn Metern Höhe. Das dabei austretende Bohrmehl ist in der Regel vom Boden aus kaum auf Rindenschuppen, an Wurzelanläufen oder der Bodenvegetation zu entdecken. Dies ist erst möglich, wenn der Befall am Baum voranschreitet und auch die unteren, besser kontrollierbaren Stammabschnitte besiedelt werden.

Die Harztröpfchen sind in diesem Jahr vermutlich weniger als Erkennungsmerkmal geeignet als in anderen Jahren mit besserer Wasserversorgung. Es bleiben also nur die winzigen Bohrlöcher und das jetzt in der Zeit der Anlage der Rammelkammern Muttergänge permanent rieselnden Bohrmehl.

Bohrmehl auf Buchenblättern
Augen auf bei der Bohrmehl-Suche! Auch auf die Blätter benachbarter, kleinerer Bäumen kann das Bohrmehl der Nadelbäume fallen.  © Foto: Lutz-Florian Otto

Die großen Schadholzmengen hemmen indes oft die rechtzeitige Abfuhr des befallenen Holzes aus den Wäldern. Dadurch können auch weitere Maßnahmen zum Schutz der Wälder notwendig werden. Wenn die befallenen Stämme nicht rechtzeitig aus dem Wald zu den Holzabnehmern oder auf einen Lagerplatz in ausreichendem Abstand gefahren werden können, müssen die Stämme entrindet werden, um die Larvenentwicklung zu stoppen. Ist auch eine Entrindung nicht möglich, dann können zum Schutz der verbleibenden Wälder als letzte Maßnahme auch zugelassene Pflanzenschutzmittel durch sachkundige Anwender unter Berücksichtigung der Anwendungsbestimmungen und weiterer bestehender Rechtsvorgaben (bspw. zum Trinkwasserschutz) eingesetzt werden, um den Ausflug der Käfer und damit einen Neubefall zu verhindern.

Die sich überlagernden Generationen und Geschwisterbruten des Buchdruckers verursachen derzeit oftmals ein unübersichtliches Bild der Entwicklung am Einzelbaum. Die schnellmögliche waldschutzmäßige Sanierung nach dem Erkennen des Befalls ist daher das Mittel der Wahl. Nur definitiver Frischbefall aus der Anlage der dritten Generation kann als „Überwinterungsbaum“ zu einem späteren Zeitpunkt saniert werden.

Der Käfer macht bei seiner Ausbreitung vor keinen Eigentumsgrenzen halt. Um ein Absterben ganzer Wälder zu verhindern, ist die rechtzeitige und ausreichende Bekämpfung Pflicht der Waldbesitzer. Aufgrund der großen Bedeutung der Wälder für das Allgemeinwohl werden die gut 85.000 Waldbesitzer in Sachsen dabei unterstützt. Sachsenforst berät Waldbesitzer zu allen Fragen der Waldbewirtschaftung und Schadensbewältigung kostenlos und flächendeckend in 62 Revieren in ganz Sachsen. Zusätzlich fördert der Freistaat Sachsen Maßnahmen zum Waldschutz und zur Wiederbewaldung finanziell.

Borkenkäfer in einem Gang in der Rinde
Borkenkäfer vermehren sich unter der Rinde der Bäume.  © Foto: Franz Matschulla

Waldbesitzer in Gebieten mit besonders schutzwürdigen und bedrohten Wäldern können in diesem Jahr auch auf weiterführende Unterstützungsleistungen zurückgreifen. In ausgewählten Gebieten wird privaten Waldbesitzern im Rahmen der Möglichkeiten angeboten, notwendige Maßnahmen zum Waldschutz gegen Kostenersatz durch forstliche Dienstleister im Auftrag von Sachsenforst durchzuführen. Die große Mehrheit der privaten Waldbesitzer verfügt nicht über eigenes Forstpersonal und den notwendigen Marktzugang. Durch die damit mögliche Bündelung von Maßnahmen werden angemessene Arbeitspakete und Planungssicherheit für Forstunternehmer und Holzkäufer geschaffen. Wo immer privatrechtliche Zusammenschlüsse der Waldbesitzer diese Bündelungsfunktion übernehmen können, wird das Vorgehen eng mit diesen abgestimmt. Auch die unteren Forstbehörden sind an diesem Prozess beteiligt, so dass ein koordiniertes Vorgehen gewährleistet ist.

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