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Aktuelle Borkenkäfersituation in Sachsen

Aktualisiert am 29. Juni 2020

Grossaufnahme eines Buchdruckers
Der Buchdrucker – schon wieder in den Startlöchern, um neue Bäume zu befallen?  © Bild: Franz Matschulla

Die Befallsmengen steigen rasant – schnelles Handeln ist gefordert!

Ergiebige Niederschläge können den Borkenkäfer nicht aufhalten. Die immense Borkenkäferdichte in den sächsischen Wäldern führt dazu, dass die Schadholzmengen von Fichte, Kiefer und Lärche rasant steigen. Schnelles Handeln ist weiterhin erforderlich, denn die Käfer beginnen im Hügelland bereits, die 2. Generation anzulegen.

Ein Drohnenflug über den Picho im Lausitzer Bergland

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Millionen Kubikmeter Schadholz in Sachsen hinterlassen. Abgestorbene Wälder hinterlässt die Borkenkäferkalamität auch am Picho, einem Berg im Lausitzer Bergland. Das folgende Video verdeutlicht das immense Schadausmaß am Picho. Große Flächen werden verkahlen. Durch das Absterben dieses Waldgebietes können wichtige Waldfunktionen verloren gehen: Es drohen unter anderem Bodenerosion, Verlust des Hochwasserrückhalts und Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität. Überzeugen Sie sich selbst!

Drohnenflug über den Picho im Lausitzer Bergland

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Millionen Kubikmeter Schadholz in Sachsen hinterlassen. Auf mehreren tausend Hektar sind Kahlflächen entstanden. Durch das Absterben ganzer Waldgebiete können wichtige Waldfunktionen verloren gehen: Es drohen unter anderem Bodenerosionen, Verlust des Hochwasserrückhalts und Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität.</div><div> </div><div>Das Ausmaß der Waldschäden durch Borkenkäfer in diesem Jahr ist stark von der weiteren Witterungsentwicklung abhängig. Ein eher kühler und nasser Sommer kann die Entwicklung der Käfer entscheidend verlangsamen und stärkt die natürlichen Abwehrkräfte der Waldbäume. Dadurch kann Zeit für die Sanierung gewonnen werden.</div><div> </div><div>Aber auch bei einem durchschnittlichen Witterungsverlauf erwarten die Experten von Sachsenforst trotz aller Anstrengungen Waldschäden in der Höhe des Vorjahres. Wenn die kommenden Monate jedoch wieder warm und vor allem trocken werden, dann können die Schäden noch weitaus höher ausfallen als in den Vorjahren.</div>

Borkenkäfer ist ein Sammelbegriff für verschiedene Käferarten. Die verschiedenen Käfer befallen auch unterschiedliche Baumarten.

Am bekanntesten sind die Borkenkäfer der Fichte: der Buchdrucker – der gefährlichste Fichtenborkenkäfer und der Kupferstecher.

Ein Buchdrucker und ein Kupferstecher nebeneinander auf einem Lineal.
Buchdrucker (Ips typographus) – der größere der Fichtenborkenkäfer – und Kupferstecher (Pityogenees chalcographus) – der kleinere Käfer – im Größenvergleich  © Foto: Franz Matschulla
Grafische Darstellung der unterschiedlichen Borkenkäferarten an Kiefer
Auch an der Kiefer sind Borkenkäfer aktiv! Kleiner Waldgärtner (Tomicus minor), Großer Waldgärtner (Tomicus piniperda), Zweizähniger Kiefernborkenkäfer (Pityogenes bidentatus), Sechszähniger Kiefernborkenkäfer (Ips acuminatus) und Zwölfzähniger Kiefernborkenkäfer (Ips sexdentatus) im Vergleich. Maßstab: 5 schwarze Kästchen entsprechen 1 Millimeter.  © Bild: Franz Matschulla

Aber auch an Lärchen und Laubbäumen tragen Borkenkäfer derzeit dazu bei, dass Bäume absterben. Großer Lärchenborkenkäfer, Eichensplintkäfer, Kleiner Buchenborkenkäfer und Birkensplintkäfer profitieren von den für die Käferentwicklung günstigen – und für die Bäume ungünstigen – Bedingungen.

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(© Foto: Franz Matschulla)

Auffällige Spuren des Birken-Splintkäfers an Birke

Bohrlöcher an einer Birke
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(© Foto: Franz Matschulla)

Spuren gibt es auch an der Eiche: Eichensplintkäfer (links) und Eichenprachtkäfer (rechts) schädigen weiter bereits geschwächte Eichen

Spuren der verschiedenen Käfer an einem Eichenstamm
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(© Foto: Franz Matschulla)

Der kleine Buchenborkenkäfer frisst unter der Rinde der Rot-Buche.

Großaufnahme eines Buchenborkenkäfers

Unter normalen Witterungsbedingungen – also wenn die Bäume nicht durch Trockenheit und Dürre gestresst sind –  und die Bedingungen für die Käfer nicht ganz so optimal sind - können die Bäume die Käfer meist erfolgreich abwehren. Dies war allerdings in den vergangenen zwei Jahren nicht der Fall. Und auch in diesem Jahr finden die Borkenkäfer ideale Bedingungen vor bei gleichzeitig gestressten Wäldern.

Die Borkenkäfer hatten in diesem Jahr bislang günstige Bedingungen für ihre Entwicklung. Milde Temperaturen und relativ geringe Niederschläge sorgten dafür, dass Borkenkäfer 2020 zeitiger aktiv sind als im vergangenen Jahr.

Die Anzahl der Buchdrucker – des gefährlichsten Fichten-Borkenkäfers - in den sächsischen Wäldern ist immens. Dies belegen die entsprechend hohen bis sehr hohen Fangzahlen in den lockstoffbeköderten Fallen des landesweiten Borkenkäfer-Monitorings für die Baumart Fichte. In den meisten Fallen liegen die Fangzahlen des Buchdruckers höher als zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2019. Günstig ist dieses Jahr, dass die rasche Aufarbeitung befallener Bäume nicht zusätzlich - wie dies im vergangenen Jahr der Fall war - durch Sturm- und Schneebruchschäden erschwert wird.

Neben den Fangzahlen wird die Entwicklung der Buchdrucker anhand von Klimadaten auch durch das Modell PHENIPS (Phänologie und Entwicklung des Buchdruckers) angezeigt.

Kartendarstellung
Modellberechnung zur aktuellen Entwicklung des Buchdruckers in Sachsen vom 29.06.2020. Im Hügelland und Teilen des Mittelgebirges sind nun schon die sogenannten Geschwisterbruten angelegt. Hier beginnt nun auch die Anlage der 2. Generation. Im überwiegenden Teil der Mittelgebirgslagen werden derzeit noch die Geschwisterbruten angelegt (dunkelgelbe Fläche). Für die nördlichen Gebiete von Sachsen ist der Buchdrucker aufgrund der fehlenden Fichten-Vorkommen nicht relevant. 

Die Hauptschwärmphase der Buchdrucker, die überwintert haben, ist im Hügelland und dem Großteil der Mittelgebirgsregion Sachsens abgeschlossen. Sie – die »Eltern«-Käfer - haben ihre Eier unter der Rinde abgelegt. Aus diesen Eiern sind nun Larven geschlüpft, die weiter unter der Rinde fressen und sich entwickeln. Der Ausflug dieser neuen Käfer zur Anlage der 2. Käfergeneration im Jahr 2020 erfolgt nun – der Befall gesunder Bäume nimmt derzeit rasant zu. Gleichzeitig legen die »Eltern«-Käfer derzeit erneut Eier ab – die sogenannte Geschwisterbrut wird angelegt. Dies geschieht gerade in den dunkelgelb gefärbten Regionen in obiger Abbildung. Aufgrund der bisherigen Entwicklung ist im Hügelland wie bereits im Jahr 2019 von der Anlage einer 3. Käfergeneration auszugehen.

Der Befall gesunder Bäume schreitet derzeit rasch voran. Sehr eindrücklich ist dies an den folgenden beiden Karten aus dem Revier Grillenburg im Tharandter Wald zu erkennen. Bereiche, die vor ein bis zwei Wochen noch gesund waren (linke Karte), sind nun vom Buchdrucker befallen (rechte Karte).

Luftbilder mit farbig markierten Flächen
Abbildung: Der linke Ausschnitt zeigt die Situation Anfang Juni 2020 (grau hinterlegte Fläche ist Befall aus dem Vorjahr); der rechte Ausschnitt zeigt die Situation Mitte Juni 2020 (neu erkannte Schadflächen sind rot gefüllt). 

Umso mehr ist es wichtig, befallene Bäume rasch zu erkennen und zu beseitigen. Zwei Dinge können dadurch verhindert werden - erstens: Das Schlüpfen (2. Generation) und die Weiterentwicklung (1. Generation) der Larven und zweitens: die Anlage und Entwicklung der »Geschwisterbrut«. Somit ist der Wettlauf in vollem Gange. Die Bestände sind weiter intensiv nach neu befallenen Bäumen abzusuchen. Allerdings wird die Suche nach Bohrmehl durch schauerartige Niederschläge, verbunden mit örtlichen Gewittern, erschwert. Vorhandenes Bohrmehl wird von Rinde und Blättern abgewaschen. Frisch befallene Bäume sind somit schwer zu erkennen.

Frischer Befall von stehenden, gesunden Bäumen ist am Rand von Waldbeständen zu erwarten, die im Vorjahr befallen wurden. Je später der Befall im vergangenen Jahr erkannt und saniert wurde, desto wahrscheinlicher ist jetzt der Befall - auch in einem Abstand von bis zu 500 Metern, wobei die Wahrscheinlichkeit mit zunehmender Entfernung zum Altbefall abnimmt.

Gefährdet sind ebenso alle sonnen- und wärmeexponierten sowie trockenen Standorte. Auch in Bereichen mit Wurf- und Bruchholz aus dem letzten Winter - insbesondere, wenn dieser schon jetzt voll besiedelt ist - muss mit Stehendbefall gerechnet werden. Durch die aktuell extrem hohe, bislang unbekannte Anzahl von Borkenkäfern in den sächsischen Wäldern ist aber auch über die genannten Bereiche hinaus jederzeit von einem neuen Befall auszugehen. Gegenwärtig sind nur die Einbohrlöcher mit Bohrmehl, teilweise mit Harzaustritt verbunden, das eindeutige Merkmal für frischen Stehendbefall.

Sachsenforst-Mitarbeiter kontrolliert eine Falle im Wald.
Mithilfe von Lockstoff-Fallen wird die Schwärmaktivität von Borkenkäfern in den Wäldern überwacht.  © Foto: Archiv Sachsenforst

Die Gefährdung der Wälder durch den Borkenkäfer wird neben der Anzahl vorhandener Käfer auch durch die Abwehrkräfte der Wirtsbäume bestimmt. Diese hängt wiederum vor allem vom für sie verfügbaren Wasser ab. Die vergangenen zwei Jahre waren insgesamt sehr niederschlagsarm und warm.

Trotz gefühlter sehr starker Niederschläge in den vergangenen Tagen ist 2020 bislang so trocken wie das Trockenjahr 2018. Leider hat es nicht in ganz Sachsen ergiebig geregnet, sondern nur lokal.

Liniendiagramm
Kumulierte Niederschlagsmengen der Waldklimastationen bis 29.06.2020 (rote Linie) im Vergleich zum Mittelwert des vergangenen Jahrzehnts (grüne Linie) sowie zu dem ausgeprägten Trockenjahr 2018 (hellblau Linie) und dem sehr feuchten Jahr 2010 (blaue Linie). 

Die Bodenfeuchte gestaltet sich in Sachsen weiterhin sehr unterschiedlich. In den für Waldbäume wichtigen Bodenschichten ist derzeit im Westerzgebirge (Waldklimastation Sachsengrund) eine gute, aufgrund der angefallenen Niederschläge, gleichbleibende und ausreichende Wasserversorgung zu verzeichnen. Gänzlich anders gestaltet sich das Bild im Wermsdorfer Wald. Hier waren die Bäume bereits im April mit Trockenheit konfrontiert. Diese nimmt – trotz der angefallenen Niederschläge – weiterhin drastisch zu.

Liniendiagramm
Entwicklung der Bodenfeuchte (% der nutzbaren Feldkapazität) im Jahresverlauf für die Waldklimastation Sachsengrund im Westerzgebirge (dicke rote Linie) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (grüne Linie) und den trockenen Jahren 2018 (blaue Linie) und 2019 (rote Linie) (Stand: 29.06.2020). 
Liniendiagramm
Entwicklung der Bodenfeuchte (% der nutzbaren Feldkapazität) im Jahresverlauf für die Waldklimastation Wermsdorf (dicke rote Linie) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (grüne Linie) und den trockenen Jahren 2018 (blaue Linie) und 2019 (rote Linie) (Stand: 29.06.2020). 

In den kommenden Tagen bleiben die Temperaturen weiterhin sommerlich. Gleichzeitig werden stets örtliche Schauer mit zum Teil lokalen Gewittern erwartet. Schauerartiger Regen und schwacher Wind erschweren die Erkennung frisch befallener Bäume – das Bohrmehl wird durch den Regen weggespült.

Bohrmehl auf Rinde
Bohrmehl auf der Rinde  © Foto: Franz Matschulla

Der Befallsdruck für die sächsischen Wälder bleibt insgesamt weiter sehr hoch. Eine merkliche Entspannung der Situation wird erst mit einer länger anhaltenden kühleren und nassen Witterungsphase erwartet. Weiterhin gilt: Derzeit ist der Befall gesunder Bäume (Fichte, Kiefer, Lärche) nahezu sachsenweit im vollen Gange.

In den tieferen und wärmeren Regionen sowie im überwiegenden Teil der Mittelgebirge Sachsens hat die erste Borkenkäfergeneration ihre Entwicklung abgeschlossen und fliegt nun aus um neue Bäume zu befallen und die Eier für die zweite Generation anzulegen. Im Mittelgebirge werden weiterhin Geschwisterbruten angelegt. Der Ausflug der 1. Käfergeneration und der Befall neuer Bäume zur Eiablage haben noch nicht stattgefunden.

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Millionen Kubikmeter Schadholz in Sachsen hinterlassen. Auf mehreren tausend Hektar sind Kahlflächen entstanden. Auch im Februar 2020 haben Stürme erneut Schadholzmengen in Höhe von rund 200.000 Kubikmetern verursacht.

Der Anteil am Schadholz, der durch Borkenkäfer verursacht wurde, hat dabei stark zugenommen (s. Tabelle 1).

Tabelle 1: Entwicklung der Schadholzmengen in Kubikmetern in den Jahren 2017 bis 2019 und des Anteils der Schäden durch Borkenkäfer (BK) getrennt nach Staatswald und Privat- und Körperschaftswald (Quelle: Forstschutzkontrollbuch)

  2017   2018   2019  
  Schadholz davon BK Schadholz davon BK Schadholz davon BK
Staatswald 77.000 47.000 2.105.000 510.000 1.839.000 1.004.000
Privat- und Körperschaftswald 91.000 28.000 1.183.000 315.000 1.597.000 1.120.000
Summe 168.000 76.000 3.289.000 825.000 3.437.000 2.124.000

 

Der Anfall von Schadholz ist immens und bestimmt das tägliche Handeln der Revierleiter von Sachsenforst. Der seit zwei Jahren andauernde Ausnahmezustand ist für die Forstleute Alltag geworden.

In der nachfolgenden Abbildung 5 ist die starke Zunahme des durch Borkenkäfer befallenen Holzes in den Jahren 2018 und 2019 ersichtlich. Es wird deutlich, wie stark die momentane Situation von „normalen“ Jahren der Waldbewirtschaftung abweicht. Aussagen für die tatsächliche Schadholzentwicklung können erst in den nächsten Monaten getroffen werden, nachdem gefundenes Schadholz erfasst wurde.

Säulendiagramm
Abbildung 5: Monatliche Darstellung des befallenen Holzes in Kubikmetern für den sächsischen Wald in den Jahren 2003 bis 2019. Die Befallsmengen der Jahre 2018 und 2019 sind in gelb und rot dargestellt. (Quelle: Forstschutzkontrollbuch) 
Förster auf einer Schadholzfläche
Die sächsischen Wälder wurden in den vergangenen zwei Jahren durch unterschiedliche Sturmereignisse heimgesucht, die mehrere Millionen Kubikmeter Schadholz hinterlassen haben.  © Foto: Felix.R.Krull

Schwerpunkte der aktuellen Waldschäden durch Buchdrucker – der gefährlichsten Borkenkäferart an Fichte – liegen in der Sächsischen Schweiz, im Oberlausitzer Bergland sowie in Mittelsachsen und im Osterzgebirge. Auch die Region um Eibenstock verzeichnet vergleichsweise hohe Schadholzmengen durch Borkenkäfer (siehe Abbildung 6). Diese Schwerpunktregionen sind durch hohe Anteile an besonders gefährdeten Fichten-Reinbeständen und für Fichten ungünstigen Wuchsbedingungen geprägt.

Kartendarstellung mit teils verschiedenfarbigen Flächen der Landkreis-Reviere
Abbildung 6: Verteilung der Schadholzmengen durch Buchdrucker an Fichte im sächsischen Wald im Jahr 2019 

Neben der Fichte sind auch Kiefern und Lärchen von den Schäden durch den Fraß unterschiedlicher Insekten betroffen. Insbesondere Kiefern wachsen vermehrt in den nördlichen Regionen von Sachsen. Entsprechend konzentrieren sich die Waldschäden bei dieser Baumart auch auf diese Regionen (vergleiche Abbildung 7). Gegenwärtig ist jedoch der Nordwesten Sachsens stärker betroffen. Allerdings sind zunehmend auch massive Schäden in den anderen Kiefernregionen, wie dem Norden des Landkreises Meißen, zu verzeichnen. Zu Beginn des neuen Borkenkäferjahres sind die Schwerpunkte der Schäden dort zu erwarten.

Kartendarstellung mit teils verschidenfarbigen Landkreis-Revieren
Abbildung 7: Verteilung der Schadholzmengen holz- und rindenbrütender Insekten an Kiefer und Lärche im sächsischen Wald im Jahr 2019 
Blick über eine Waldfläche mir braun gefärbten Bäumen
Typische Waldschäden durch Buchdrucker, der gefährlichsten Borkenkäferart in Sachsen.  © Foto: Mirko Prüfer

Borkenkäfer sind besonders für Nadelbäume (Fichte, Kiefer, Lärche) gefährlich. Die Käfer entwickeln sich zwischen der Rinde und dem Holz von Bäumen.

Durch den Fraß werden der Nährstoff- und nachfolgend auch der Wassertransport des Baumes unterbrochen, wodurch der Baum abstirbt. Dies gelingt den Borkenkäfern in der Regel nur bei bereits geschwächten Bäumen. Sind viele Bäume durch Stürme, Schneebruch oder Trockenheit geschwächt oder die Witterungsbedingungen für den Käfer günstig (höhere Temperaturen für eine schnellere Entwicklung und geringe Widerstandskraft der Bäume infolge geringer Niederschläge) – kann es zu einer Massenvermehrung (Kalamität) und großflächigem Absterben von Waldbäumen kommen. Dadurch können sehr schnell große Freiflächen entstehen. Das bisher gewohnte Bild des Waldes, der eigenen Heimat, verändert sich. Und nicht nur das: Wertvolle Schutzfunktionen wie Erosionsschutz, Lärm- und Hochwasserschutz und die Verbesserung der Trinkwasserqualität werden vorerst nicht mehr oder nur eingeschränkt bereitgestellt.

Blick über Waldflächen im Nationalpark mit Borkenkäferbefall
Wird der Verbreitung der Borkenkäfer nicht aktiv entgegengewirkt, können Wälder großflächig absterben. Im Nationalpark Sächsische Schweiz (hier im Bild) ist die Borkenkäferausbreitung hingegen Teil der natürlichen Waldentwicklung und somit kein Schaden.  © Foto:Frank Strohbach

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, potenzielle Brutmöglichkeiten und durch den Borkenkäfer neu befallene Bäume so schnell wie möglich zu erkennen und die Ausbreitung der Borkenkäfer durch eine Fällung der befallenen Bäume und deren Abtransport zu verhindern.

In den Kernzonen von Schutzgebieten (z.B. Nationalpark, Biosphärenreservat) ist die Borkenkäferausbreitung Teil einer natürlichen Waldentwicklung. Allerdings muss eine Ausbreitung auf benachbarte Wirtschaftswälder möglichst verhindert werden.

Auch für Waldbesucher sind die Spuren der Borkenkäfer deutlich sicht- und spürbar:

  • Gewohnte Waldwege sind aufgrund der notwendigen Fällarbeiten gesperrt.
  • Aufgrund der großen Schadholzmengen, die bewegt werden, weisen die Wege zwischenzeitlich Gebrauchsspuren auf.
  • Vermehrt befinden sich Holzpolter im Wald.
  • Bisher bekannte Waldbilder gibt es auf einmal nicht mehr oder sie haben sich deutlich verändert.

Mit dem Beginn des Schwärmens müssen Waldbesitzer ihre Wälder intensiv auf frischen Befall durch Borkenkäfer oder andere Schadinsekten kontrollieren. Wer frischen Befall erkennt, muss sofort handeln. Solange die Entwicklung der Larven noch nicht abgeschlossen ist, können effektive Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die befallenen Bäume müssen gefällt und die Stämme so schnell wie möglich aus dem Wald gebracht werden, um ein Übergreifen auf gesunde Bäume und das Absterben ganzer Waldgebiete zu verhindern. Besonders gefährdet sind die sehr anfälligen Reinbestände aus Fichten, Kiefern oder Lärchen, in denen bereits im Vorjahr Befall aufgetreten ist.

Solange das Schwärmen noch nicht begonnen hat (insbesondere in den kühleren Mittelgebirgslagen), sollten weiterhin Stämme mit noch überwinternden Borkenkäfern und Sturmholz aus dem Winter unverzüglich aus dem Wald transportiert oder der Ausflug der Käfer verhindert werden. Mit Beginn der Hauptflugphase und damit dem Beginn des Befalls lebender Bäumen sind die gefährdeten Bestände regelmäßig auf frischen Befall hin zu kontrollieren.

Bohrlöcher mit Bohrmehl an Fichtenstamm
Bohrmehl an einer befallenen Fichte  © Foto: Franz Matschulla

Das Erkennen von frischem Käferbefall an im Wald liegendem Holz (Wurf- und Bruchholz von Stürmen oder bereits eingeschlagenes Holz) ist anhand der Bohrmehlhäufchen vergleichsweise einfach, solange diese nicht von Wind weggeweht oder vom Regen abgespült werden. Bohrmehl tritt nur während der Phase auf, in der durch die männlichen Käfer die sogenannte Rammelkammer und nach erfolgreicher Verpaarung durch die Weibchen die Muttergänge zur Ablage der Eier angelegt werden. Diese Phase umfasst in der Regel einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen.

Wesentlich schwieriger ist das Erkennen des Befalls an stehenden, gesunden Bäumen (sog. Stehendbefall). Die Besiedlung der Fichten durch Buchdrucker - der gefährlichsten Borkenkäferart in Sachsen - beginnt in der Regel im Bereich des Ansatzes der grünen Krone, also mindestens in acht bis zehn Metern Höhe. Das dabei austretende Bohrmehl ist in der Regel vom Boden aus kaum auf Rindenschuppen, an Wurzelanläufen oder der Bodenvegetation zu entdecken. Dies ist erst möglich, wenn der Befall am Baum voranschreitet und auch die unteren, besser kontrollierbaren Stammabschnitte besiedelt werden.

Die Harztröpfchen sind in diesem Jahr vermutlich weniger als Erkennungsmerkmal geeignet als in anderen Jahren mit besserer Wasserversorgung. Es bleiben also nur die winzigen Bohrlöcher und das jetzt in der Zeit der Anlage der Rammelkammern Muttergänge permanent rieselnden Bohrmehl.

Bohrmehl auf Buchenblättern
Augen auf bei der Bohrmehl-Suche! Auch auf die Blätter benachbarter, kleinerer Bäumen kann das Bohrmehl der Nadelbäume fallen.  © Foto: Lutz-Florian Otto

Die großen Schadholzmengen hemmen indes oft die rechtzeitige Abfuhr des befallenen Holzes aus den Wäldern. Dadurch können auch weitere Maßnahmen zum Schutz der Wälder notwendig werden. Wenn die befallenen Stämme nicht rechtzeitig aus dem Wald zu den Holzabnehmern oder auf einen Lagerplatz in ausreichendem Abstand gefahren werden können, müssen die Stämme entrindet werden, um die Larvenentwicklung zu stoppen. Ist auch eine Entrindung nicht möglich, dann können zum Schutz der verbleibenden Wälder als letzte Maßnahme auch zugelassene Pflanzenschutzmittel durch sachkundige Anwender unter Berücksichtigung der Anwendungsbestimmungen und weiterer bestehender Rechtsvorgaben (bspw. zum Trinkwasserschutz) eingesetzt werden, um den Ausflug der Käfer und damit einen Neubefall zu verhindern.

Der Käfer macht bei seiner Ausbreitung vor keinen Eigentumsgrenzen halt. Um ein Absterben ganzer Wälder zu verhindern, ist die rechtzeitige und ausreichende Bekämpfung Pflicht der Waldbesitzer. Aufgrund der großen Bedeutung der Wälder für das Allgemeinwohl werden die gut 85.000 Waldbesitzer in Sachsen dabei unterstützt. Sachsenforst berät Waldbesitzer zu allen Fragen der Waldbewirtschaftung und Schadensbewältigung kostenlos und flächendeckend in 62 Revieren in ganz Sachsen. Zusätzlich fördert der Freistaat Sachsen Maßnahmen zum Waldschutz und zur Wiederbewaldung finanziell.

Borkenkäfer in einem Gang in der Rinde
Borkenkäfer vermehren sich unter der Rinde der Bäume.  © Foto: Franz Matschulla

Waldbesitzer in Gebieten mit besonders schutzwürdigen und bedrohten Wäldern können in diesem Jahr auch auf weiterführende Unterstützungsleistungen zurückgreifen. In ausgewählten Gebieten wird privaten Waldbesitzern im Rahmen der Möglichkeiten angeboten, notwendige Maßnahmen zum Waldschutz gegen Kostenersatz durch forstliche Dienstleister im Auftrag von Sachsenforst durchzuführen. Die große Mehrheit der privaten Waldbesitzer verfügt nicht über eigenes Forstpersonal und den notwendigen Marktzugang. Durch die damit mögliche Bündelung von Maßnahmen werden angemessene Arbeitspakete und Planungssicherheit für Forstunternehmer und Holzkäufer geschaffen. Wo immer privatrechtliche Zusammenschlüsse der Waldbesitzer diese Bündelungsfunktion übernehmen können, wird das Vorgehen eng mit diesen abgestimmt. Auch die unteren Forstbehörden sind an diesem Prozess beteiligt, so dass ein koordiniertes Vorgehen gewährleistet ist.

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