Hauptinhalt

Aktuelle Borkenkäfersituation in Sachsen

Aktualisiert am 28. Juli 2021

Rindenstück mit Fraßgängen von Borkenkäfern © Foto: Lothar Sprenger

Im Frühling und Frühsommer 2021 fielen überdurchschnittliche Niederschläge. Diese sind eine wesentliche Voraussetzung für ein günstiges Waldwachstum. Gleichzeitig wurden durch sie die Abwehrkräfte der Bäume gegen Schadinsekten gestärkt. Nadel- und Laubbäume erscheinen optisch revitalisiert und wehren sich augenscheinlich gegen den Befall.

Die überdurchschnittlich hohen Temperaturen im Monat Juni dieses Jahres verringerten den im kalten Frühjahr - im Vergleich zum Vorjahr - entstandenen Entwicklungsrückstand der Borkenkäfergenerationen (v. a. Buchdrucker) deutlich.

Der bisherige Umfang an frischem Stehendbefall im Staatswald bewegt sich derzeit bis in die Größenordnung des vergangenen Jahres. Die aktuellen Befallsmengen schwanken hierzu regional erheblich: Im Westerzgebirge und oberem Vogtland treten nahezu „unbedeutende“ Käferholzmengen auf, kritische Szenarien bestehen im Elbsandsteingebirge.

Die durch die gefallenen Niederschläge verbesserte Vitalität der Bäume reicht nicht, um die extrem hohen Dichten an holz- und rindenbrütenden Schadinsekten gänzlich abzuwehren.

Eine akribische, nicht nachlassende Sanierung von Käferholz ist deshalb zum Schutz des Waldes unabweisbar.

Ein Drohnenflug über den Picho im Lausitzer Bergland

Abgestorbene Wälder hinterlässt die Borkenkäferkalamität auch am Picho, einem Berg im Lausitzer Bergland. Das folgende Video verdeutlicht das immense Schadausmaß am Picho. Große Flächen werden verkahlen. Durch das Absterben dieses Waldgebietes können wichtige Waldfunktionen verloren gehen: Es drohen unter anderem Bodenerosion, Verlust des Hochwasserrückhalts und Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität. Überzeugen Sie sich selbst!

Drohnenflug über den Picho im Lausitzer Bergland

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Millionen Kubikmeter Schadholz in Sachsen hinterlassen. Auf mehreren tausend Hektar sind Kahlflächen entstanden. Durch das Absterben ganzer Waldgebiete können wichtige Waldfunktionen verloren gehen: Es drohen unter anderem Bodenerosionen, Verlust des Hochwasserrückhalts und Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität.</div><div> </div><div>Das Ausmaß der Waldschäden durch Borkenkäfer in diesem Jahr ist stark von der weiteren Witterungsentwicklung abhängig. Ein eher kühler und nasser Sommer kann die Entwicklung der Käfer entscheidend verlangsamen und stärkt die natürlichen Abwehrkräfte der Waldbäume. Dadurch kann Zeit für die Sanierung gewonnen werden.</div><div> </div><div>Aber auch bei einem durchschnittlichen Witterungsverlauf erwarten die Experten von Sachsenforst trotz aller Anstrengungen Waldschäden in der Höhe des Vorjahres. Wenn die kommenden Monate jedoch wieder warm und vor allem trocken werden, dann können die Schäden noch weitaus höher ausfallen als in den Vorjahren.</div>

Borkenkäfer ist ein Sammelbegriff für verschiedene Käferarten. Die verschiedenen Käfer befallen auch unterschiedliche Baumarten.

Am bekanntesten sind die Borkenkäfer der Fichte: der Buchdrucker – der gefährlichste Fichtenborkenkäfer und der Kupferstecher.

Ein Buchdrucker und ein Kupferstecher nebeneinander auf einem Lineal.
Buchdrucker (Ips typographus) – der größere der Fichtenborkenkäfer – und Kupferstecher (Pityogenees chalcographus) – der kleinere Käfer – im Größenvergleich  © Foto: Franz Matschulla
Grafische Darstellung der unterschiedlichen Borkenkäferarten an Kiefer
Auch an der Kiefer sind Borkenkäfer aktiv! Kleiner Waldgärtner (Tomicus minor), Großer Waldgärtner (Tomicus piniperda), Zweizähniger Kiefernborkenkäfer (Pityogenes bidentatus), Sechszähniger Kiefernborkenkäfer (Ips acuminatus) und Zwölfzähniger Kiefernborkenkäfer (Ips sexdentatus) im Vergleich. Maßstab: 5 schwarze Kästchen entsprechen 1 Millimeter.  © Bild: Franz Matschulla

Aber auch an Lärchen und Laubbäumen tragen Borkenkäfer derzeit dazu bei, dass Bäume absterben. Großer Lärchenborkenkäfer, Eichensplintkäfer, Kleiner Buchenborkenkäfer und Birkensplintkäfer profitieren von den für die Käferentwicklung günstigen – und für die Bäume ungünstigen – Bedingungen.

/
(© Foto: Franz Matschulla)

Auffällige Spuren des Birken-Splintkäfers an Birke

Bohrlöcher an einer Birke
/
(© Foto: Franz Matschulla)

Spuren gibt es auch an der Eiche: Eichensplintkäfer (links) und Eichenprachtkäfer (rechts) schädigen weiter bereits geschwächte Eichen

Spuren der verschiedenen Käfer an einem Eichenstamm
/
(© Foto: Franz Matschulla)

Der kleine Buchenborkenkäfer frisst unter der Rinde der Rot-Buche.

Großaufnahme eines Buchenborkenkäfers

Unter normalen Witterungsbedingungen – also wenn die Bäume nicht durch Trockenheit und Dürre gestresst sind –  und die Bedingungen für die Käfer nicht ganz so optimal sind - können die Bäume die Käfer meist erfolgreich abwehren. Dies war allerdings in den vergangenen zwei Jahren nicht der Fall. Und auch in diesem Jahr finden die Borkenkäfer ideale Bedingungen vor bei gleichzeitig gestressten Wäldern.

Die Gefährdung der Wälder durch den Borkenkäfer wird neben der Anzahl vorhandener Käfer auch durch die Abwehrkräfte der Wirtsbäume bestimmt. Diese hängt wiederum vor allem vom für sie verfügbaren Wasser ab. Die vergangenen drei Jahre waren insgesamt sehr niederschlagsarm und warm.

Der Mai 2021 wies eine Lufttemperatur von im Durchschnitt 10,7°C auf und war damit kühler als das langjährige Mittel zwischen 1991 bis 2020. Gleichwohl gab es zum Ende der ersten und am Beginn der zweiten Maidekade um den Muttertag sommerliche Tage. Hinsichtlich der Sonnenscheindauer war der Mai 2021 sonnenscheinarm. In diesem Mai sind in Sachsen etwas 98 mm Niederschlag gefallen. Der Mai war damit feuchter als im langjährigen Durchschnitt (65 mm Niederschlag im Mai).

Der Juni 2021 zeigte bislang eine Lufttemperatur von 19,3°C und war damit wärmer als im langjährigen Mittel. Hinsichtlich der Sonnenscheindauer schloss der Juni 2021 im Flächenmittel mit 256,7 Stunden ab. Der Monatsnormalwert liegt bei ca. 200 Stunden.

Im Juni sind in Sachsen etwa 68 mm Niederschlag im Flächenmittel normal. Gefallen waren bis zum Ende der zweiten Dekade im Flächenmittel 23,3 mm, bis zum Monatsende 74,8 mm. Die räumliche Verteilung dieser Niederschläge war sehr heterogen.

An nahezu allen Messstellen überstieg die Verdunstung die Monatsniederschlagssummen deutlich. Die klimatische Wasserbilanz war somit negativ. Bodenwasservorräte nehmen im Hügel- und Tiefland wieder ab.

Die Langfristprognosen bis in den Oktober 2021 zeigen Temperaturwerte, die über und Niederschlagswerte, die nahe des Normalwertes liegen sollen. Damit muss eine überdurchschnittliche Verdunstung einkalkuliert werden, was die Bodenwasservorräte voraussichtlich weiter anspannen wird.

Liniendiagramm
Kumulierte Niederschlagsmengen der Waldklimastationen ab 01.11.2020 (rote Linie) im Vergleich zum Mittelwert des vergangenen Jahrzehnts (grüne Linie), zu dem ausgeprägten Trockenjahr 2018 (hellblaue Linie) und dem sehr feuchten Jahr 2010 (blaue Linie). 
Liniendiagramm
Entwicklung der Bodenfeuchte (% der nutzbaren Feldkapazität) im Jahresverlauf für die Waldklimastation Sachsengrund im Westerzgebirge (dicke rote Linie) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (grüne Linie) und den trockenen Jahren 2018 (blaue Linie) und 2019 (rote Linie) (Stand: 28.07.2021) 
Liniendiagramm
Entwicklung der Bodenfeuchte (% der nutzbaren Feldkapazität) im Jahresverlauf für die Waldklimastation Wermsdorf (dicke rote Linie) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (grüne Linie) und den trockenen Jahren 2018 (blaue Linie) und 2019 (rote Linie) (Stand: 28.07.2021) 

Der Buchdrucker wird zeitnah in Sachsen im Sächsischen Lößgefilde sowie im Elbsandsteingebirge, im Lausitzer Bergland und im Zittauer Gebirge mit der Anlage der 2. Generation beginnen. Teilweise ist dies bereits schon erfolgt. Die Entwicklung der 1. Generation und deren Geschwisterbruten schreitet wärmebedingt und geschützt unter der Rinde zügig fort.

Die aktuellen und zusammengefassten Fangzahlen an den Montoringstandorten für den Buchdrucker zeigen für die 25. und 26. Kalenderwoche eine hohe Schwärmaktivität an. In der 25. Kalenderwoche wurde außerhalb des Nationalparks Sächsische Schweiz an über 70% der Monitoringstandorte in den Höhenstufen bis 499 m ü. NN der wöchentliche Schwellenwert von 3000 Käfern je Dreifallenstern überschritten. Auch in höher gelegenen Regionen überstiegen die Fangzahlen an mehreren Standorten diesen Schwellenwert. In der 26. Kalenderwoche war ein Rückgang der Aktivität der Borkenkäfer zu verzeichnen, was mit der Abkühlung und den stärkeren Niederschlägen begründbar ist.

Dass die Borkenkäferdichte in den Wäldern immens ist, zeigt folgende Auswertung: An etwas 20 % der Standorte liegen die bisherigen, aufsummierten Fangzahlen über denen des Vorjahres. Dies betrifft vor allem die Regionen bei Frauenstein, Freiberg, Cunewalde, Löbau und Zittau. Eine Sonderstellung mit relativ niedrigen Schwärmaktivitäten nehmen bislang das Obere Vogtland und das Westerzgebirge ein.

Aufgrund der hohen Schwarmaktivität ist derzeit ein teilweise erheblicher Zugang neuen Stehendbefalls im Staatswald durch den Buchdrucker zu verzeichnen. Der Befall tritt diffus und auf der ganzen Fläche auf.

Seit Oktober 2017 sind mehr als 9 Millionen Kubikmeter Schadholz in den Wäldern Sachsens angefallen. Rund die Hälfte davon entfällt auf Schäden durch Borkenkäfer, der Rest sind Sturm- und Schneebruchschäden. Über 82.000 Hektar Wald – und damit mehr als 17 Prozent der Gesamtwaldfläche – wurden geschädigt.

Die Schadholzmenge durch Buchdrucker im Borkenkäferjahr 2020/21 liegt mit 1,8 Millionen m³ unter der des Jahres 2019/20 (2 Millionen m³) liegen. Die Forstwirtschaft hat im Gesamtwald für die Fichte demnach eine Trendwende erreichen können. Dabei entfallen auf den Staatswald 585.000 m³ (66% des Vorjahres) sowie auf den Privat- und Körperschaftswald 1 186.000 m³ (105% des Vorjahres) Schadholz.

Säulendiagramm
Monatlicher Vergleich des befallenen Holzes in Kubikmetern für den sächsischen Wald in den Jahren 2003 bis 2020. Die Befallsmengen der Jahre 2018, 2019 und 2020 sind in gelb, orange und rot dargestellt. (Quelle: Forstschutzkontrollbuch) 

Der Anteil am Schadholz, der durch Borkenkäfer verursacht wurde, hat dabei stark zugenommen (s. Tabelle 1).

Tabelle 1: Entwicklung der Schadholzmengen in Kubikmetern in den Jahren 2017 bis 2020 und des Anteils der Schäden durch Borkenkäfer (BK) getrennt nach Staatswald und Privat- und Körperschaftswald (Quelle: Forstschutzkontrollbuch)

  2017   2018   2019   2020   2021 (FSKB per 31.05.)
  Schadholz davon BK Schadholz davon BK Schadholz davon BK Schadholz davon BK Schadholz davon BK
Staatswald 77.000 47.000 2.105.000 510.000 1.854.000 1.016.000 1.096.000 847.000 90.000 61.000
Privat- und Körperschaftswald 91.000 28.000 1.183.000 315.000 1.666.000 1.142.000 1.639.000 1.267.000 530.000 377.000
Summe 168.000 76.000 3.289.000 825.000 3.521.000 2.159.000 2.735.000 2.114.000 620.000 437.000
Förster auf einer Schadholzfläche
Die sächsischen Wälder wurden in den vergangenen zwei Jahren durch unterschiedliche Sturmereignisse heimgesucht, die mehrere Millionen Kubikmeter Schadholz hinterlassen haben.  © Foto: Felix.R.Krull

Ein Blick auf die Verteilung des bisherigen Schadholzanfalls durch Buchdrucker in Sachsen zeigt - abgesehen vom Nationalpark Sächsische Schweiz - die räumliche Konzentration auf zwei „Brennpunkte“ in Mittel- bis Südostsachsen. Die erstere Region war 2020 das durchgängige Zentrum der höchsten Niederschlagsdefizite und traf dort den Wald aller Eigentumsformen.

Allein in den Landkreisrevieren Sebnitz und Cunewalde sind 2020 bisher mit je über 120.000 m³ Schadholz insgesamt ein Viertel des gesamten Schadholzes im Freistaat Sachsen durch Buchdrucker angefallen. Der hohe Schadholzanfall in den drei Landkreisrevieren Bischoffswerda, Löbau und Zittau (je 30.000 bis 60.000 Kubikmeter) komplettiert die prekäre Lage im Lausitzer Bergland und im Zittauer Gebirge. In deutlich niedriger Intensität, aber gleichwohl herausgehoben, verlief das Schadholzgeschehen durch Buchdrucker 2020 im Osterzgebirge sowie im Raum Freiberg-Nossen-Zschopau.

Kartendarstellung mit teils verschiedenfarbigen Flächen der Landkreis-Reviere
Verteilung der Schadholzmengen durch Buchdrucker an Fichte im sächsischen Wald 2020/21 

Der Schadholzanfall durch holz- und rindenbrütende Schadinsekten am Nadelholz außer Buchdrucker, d. h. vor allem an der Baumart Kiefer, liegt 2020 über dem des Jahres 2019. Ein Viertel des Schadholzes an der Kiefer entfiel allein auf die Königsbrücker Heide (Landkreisrevier Königsbrück). Ein weiteres Viertel resultiert aus Befall in der Dübener Heide sowie der nördlichen Niederlausitz (Landkreisreviere Elsterheide und Bernsdorf). Weitere Schwerpunkte sind die Dahlener Heide, die Wälder im Landkreis Leipzig sowie die Moritzburger Heide.

Das Schadgeschehen hat sich 2020 im Vergleich zu 2019 über das mitteldeutsche Trockengebiet hinaus nach Osten ausgebreitet und ist geprägt durch das regelmäßig sichtbare Absterben von Einzelbäumen und Baumgruppen in mittelalten bis älteren Kiefernbeständen. Mehrere primär und sekundär wirkende Schadinsekten (Sechs- und zwölfzähniger Kiefernborkenkäfer, Großer und Kleiner Waldgärtner sowie Blauer Kiefernprachtkäfer) mit sich überlagernden Schadbildern sind daran beteiligt. Eine Sanierung des Befalls durch rechtzeitige Erkennung ist sehr schwierig.

Kartendarstellung mit teils verschiedenfarbigen Landkreis-Revieren
Verteilung der Schadholzmengen holz- und rindenbrütender Insekten an Kiefer und Lärche im sächsischen Wald 2020/21 
Blick über eine Waldfläche mir braun gefärbten Bäumen
Typische Waldschäden durch Buchdrucker, der gefährlichsten Borkenkäferart in Sachsen.  © Foto: Mirko Prüfer

Borkenkäfer sind besonders für Nadelbäume (Fichte, Kiefer, Lärche) gefährlich. Die Käfer entwickeln sich zwischen der Rinde und dem Holz von Bäumen.

Durch den Fraß werden der Nährstoff- und nachfolgend auch der Wassertransport des Baumes unterbrochen, wodurch der Baum abstirbt. Dies gelingt den Borkenkäfern in der Regel nur bei bereits geschwächten Bäumen. Sind viele Bäume durch Stürme, Schneebruch oder Trockenheit geschwächt oder die Witterungsbedingungen für den Käfer günstig (höhere Temperaturen für eine schnellere Entwicklung und geringe Widerstandskraft der Bäume infolge geringer Niederschläge) – kann es zu einer Massenvermehrung (Kalamität) und großflächigem Absterben von Waldbäumen kommen. Dadurch können sehr schnell große Freiflächen entstehen. Das bisher gewohnte Bild des Waldes, der eigenen Heimat, verändert sich. Und nicht nur das: Wertvolle Schutzfunktionen wie Erosionsschutz, Lärm- und Hochwasserschutz und die Verbesserung der Trinkwasserqualität werden vorerst nicht mehr oder nur eingeschränkt bereitgestellt.

Blick über Waldflächen im Nationalpark mit Borkenkäferbefall
Wird der Verbreitung der Borkenkäfer nicht aktiv entgegengewirkt, können Wälder großflächig absterben. Im Nationalpark Sächsische Schweiz (hier im Bild) ist die Borkenkäferausbreitung hingegen Teil der natürlichen Waldentwicklung und somit kein Schaden.  © Foto:Frank Strohbach

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, potenzielle Brutmöglichkeiten und durch den Borkenkäfer neu befallene Bäume so schnell wie möglich zu erkennen und die Ausbreitung der Borkenkäfer durch eine Fällung der befallenen Bäume und deren Abtransport zu verhindern.

In den Kernzonen von Schutzgebieten (z.B. Nationalpark, Biosphärenreservat) ist die Borkenkäferausbreitung Teil einer natürlichen Waldentwicklung. Allerdings muss eine Ausbreitung auf benachbarte Wirtschaftswälder möglichst verhindert werden.

Auch für Waldbesucher sind die Spuren der Borkenkäfer deutlich sicht- und spürbar:

  • Gewohnte Waldwege sind aufgrund der notwendigen Fällarbeiten gesperrt.
  • Aufgrund der großen Schadholzmengen, die bewegt werden, weisen die Wege zwischenzeitlich Gebrauchsspuren auf.
  • Vermehrt befinden sich Holzpolter im Wald.
  • Bisher bekannte Waldbilder gibt es auf einmal nicht mehr oder sie haben sich deutlich verändert.

Mit dem Beginn des Schwärmens müssen Waldbesitzer ihre Wälder intensiv auf frischen Befall durch Borkenkäfer oder andere Schadinsekten kontrollieren. Wer frischen Befall erkennt, muss sofort handeln. Solange die Entwicklung der Larven noch nicht abgeschlossen ist, können effektive Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die befallenen Bäume müssen gefällt und die Stämme so schnell wie möglich aus dem Wald gebracht werden, um ein Übergreifen auf gesunde Bäume und das Absterben ganzer Waldgebiete zu verhindern. Besonders gefährdet sind die sehr anfälligen Reinbestände aus Fichten, Kiefern oder Lärchen, in denen bereits im Vorjahr Befall aufgetreten ist.

Solange das Schwärmen noch nicht begonnen hat, sollten weiterhin Stämme mit noch überwinternden Borkenkäfern und Sturmholz aus dem Winter unverzüglich aus dem Wald transportiert oder der Ausflug der Käfer verhindert werden. Mit Beginn der Hauptflugphase und damit dem Beginn des Befalls lebender Bäumen sind die gefährdeten Bestände regelmäßig auf frischen Befall hin zu kontrollieren.

Bohrmehl am Fuß von einem Fichtenstamm
Bohrmehl an einer befallenen Fichte  © Foto: Franz Matschulla

Das Erkennen von frischem Käferbefall an im Wald liegendem Holz (Wurf- und Bruchholz von Stürmen oder bereits eingeschlagenes Holz) ist anhand der Bohrmehlhäufchen vergleichsweise einfach, solange diese nicht von Wind weggeweht oder vom Regen abgespült werden. Bohrmehl tritt nur während der Phase auf, in der durch die männlichen Käfer die sogenannte Rammelkammer und nach erfolgreicher Verpaarung durch die Weibchen die Muttergänge zur Ablage der Eier angelegt werden. Diese Phase umfasst in der Regel einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen.

Wesentlich schwieriger ist das Erkennen des Befalls an stehenden, gesunden Bäumen (sog. Stehendbefall). Die Besiedlung der Fichten durch Buchdrucker - der gefährlichsten Borkenkäferart in Sachsen - beginnt in der Regel im Bereich des Ansatzes der grünen Krone, also mindestens in acht bis zehn Metern Höhe. Das dabei austretende Bohrmehl ist in der Regel vom Boden aus kaum auf Rindenschuppen, an Wurzelanläufen oder der Bodenvegetation zu entdecken. Dies ist erst möglich, wenn der Befall am Baum voranschreitet und auch die unteren, besser kontrollierbaren Stammabschnitte besiedelt werden.

Bohrmehl auf Buchenblättern
Augen auf bei der Bohrmehl-Suche! Auch auf die Blätter benachbarter, kleinerer Bäumen kann das Bohrmehl der Nadelbäume fallen.  © Foto: Lutz-Florian Otto

Auch die Bildung von Harztröpfchen entlang des Stammes können auf einen Befall des Baumes durch Borkenkäfer hindeuten.

Der Käfer macht bei seiner Ausbreitung vor keinen Eigentumsgrenzen halt. Um ein Absterben ganzer Wälder zu verhindern, ist die rechtzeitige und ausreichende Bekämpfung Pflicht der Waldbesitzer. Aufgrund der großen Bedeutung der Wälder für das Allgemeinwohl werden die gut 85.000 Waldbesitzer in Sachsen dabei unterstützt. Sachsenforst berät Waldbesitzer zu allen Fragen der Waldbewirtschaftung und Schadensbewältigung kostenlos und flächendeckend in 62 Revieren in ganz Sachsen. Zusätzlich fördert der Freistaat Sachsen Maßnahmen zum Waldschutz und zur Wiederbewaldung finanziell.

Borkenkäfer in einem Gang in der Rinde
Borkenkäfer vermehren sich unter der Rinde der Bäume.  © Foto: Franz Matschulla

Waldbesitzer in Gebieten mit besonders schutzwürdigen und bedrohten Wäldern können in diesem Jahr auch auf weiterführende Unterstützungsleistungen zurückgreifen. In ausgewählten Gebieten wird privaten Waldbesitzern im Rahmen der Möglichkeiten angeboten, notwendige Maßnahmen zum Waldschutz gegen Kostenersatz durch forstliche Dienstleister im Auftrag von Sachsenforst durchzuführen. Die große Mehrheit der privaten Waldbesitzer verfügt nicht über eigenes Forstpersonal und den notwendigen Marktzugang. Durch die damit mögliche Bündelung von Maßnahmen werden angemessene Arbeitspakete und Planungssicherheit für Forstunternehmer und Holzkäufer geschaffen. Wo immer privatrechtliche Zusammenschlüsse der Waldbesitzer diese Bündelungsfunktion übernehmen können, wird das Vorgehen eng mit diesen abgestimmt. Auch die unteren Forstbehörden sind an diesem Prozess beteiligt, so dass ein koordiniertes Vorgehen gewährleistet ist.

zurück zum Seitenanfang