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Aktuelle Borkenkäfersituation in Sachsen

Aktualisiert am 14. Juni 2021

Rindenstück mit Fraßgängen von Borkenkäfern © Foto: Lothar Sprenger

Der kühle, feuchte Frühling 2021 sorgte für fast optimale Rahmenbedingungen für die Waldschutzmaßnahmen der Waldbesitzer. Böden und Bäume sind gut mit Wasser versorgt. Das steigert auch die Abwehrkräfte der Bäume. Daher ist der Schadholzanfall in der Fichte durch frischen Stehendbefall trotz einer sehr hohen, überwinternden Populationsdichte desBuchdruckers bislang überschaubar.

Die 2020 eingeleitete Trendumkehr scheint sich für die Fichte fortzusetzen.

Bei der Kiefer und insbesondere im Laubholz nimmt das Schadgeschehen jedoch nicht ab. Viele, verstreut absterbende Einzelbäume sind weiterhin zu beobachten.

Auch wenn sich nunmehr das kühle, feuchte Frühlingswetter 2021 verabschiedet, war es doch ein entscheidender Baustein bei den Anstrengungen der Waldbesitzer in Sachsen zur Eindämmung der Borkenkäferkalamität. Die extrem große überwinternde Buchdruckerpopulation ist bei der Anlage der ersten Generation an den sich mit Harz wehrenden Fichten bisher wenig zum Zuge gekommen.

Angesichts der im Juni steigenden Temperaturen besteht die Aufgabe weiter darin, so zeitnah wie möglich den frischen Stehendbefall zu erkennen sowie konsequent, umfassend, rechtzeitig und großzügig zu sanieren.

Ein Drohnenflug über den Picho im Lausitzer Bergland

Abgestorbene Wälder hinterlässt die Borkenkäferkalamität auch am Picho, einem Berg im Lausitzer Bergland. Das folgende Video verdeutlicht das immense Schadausmaß am Picho. Große Flächen werden verkahlen. Durch das Absterben dieses Waldgebietes können wichtige Waldfunktionen verloren gehen: Es drohen unter anderem Bodenerosion, Verlust des Hochwasserrückhalts und Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität. Überzeugen Sie sich selbst!

Drohnenflug über den Picho im Lausitzer Bergland

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Millionen Kubikmeter Schadholz in Sachsen hinterlassen. Auf mehreren tausend Hektar sind Kahlflächen entstanden. Durch das Absterben ganzer Waldgebiete können wichtige Waldfunktionen verloren gehen: Es drohen unter anderem Bodenerosionen, Verlust des Hochwasserrückhalts und Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität.</div><div> </div><div>Das Ausmaß der Waldschäden durch Borkenkäfer in diesem Jahr ist stark von der weiteren Witterungsentwicklung abhängig. Ein eher kühler und nasser Sommer kann die Entwicklung der Käfer entscheidend verlangsamen und stärkt die natürlichen Abwehrkräfte der Waldbäume. Dadurch kann Zeit für die Sanierung gewonnen werden.</div><div> </div><div>Aber auch bei einem durchschnittlichen Witterungsverlauf erwarten die Experten von Sachsenforst trotz aller Anstrengungen Waldschäden in der Höhe des Vorjahres. Wenn die kommenden Monate jedoch wieder warm und vor allem trocken werden, dann können die Schäden noch weitaus höher ausfallen als in den Vorjahren.</div>

Borkenkäfer ist ein Sammelbegriff für verschiedene Käferarten. Die verschiedenen Käfer befallen auch unterschiedliche Baumarten.

Am bekanntesten sind die Borkenkäfer der Fichte: der Buchdrucker – der gefährlichste Fichtenborkenkäfer und der Kupferstecher.

Ein Buchdrucker und ein Kupferstecher nebeneinander auf einem Lineal.
Buchdrucker (Ips typographus) – der größere der Fichtenborkenkäfer – und Kupferstecher (Pityogenees chalcographus) – der kleinere Käfer – im Größenvergleich  © Foto: Franz Matschulla
Grafische Darstellung der unterschiedlichen Borkenkäferarten an Kiefer
Auch an der Kiefer sind Borkenkäfer aktiv! Kleiner Waldgärtner (Tomicus minor), Großer Waldgärtner (Tomicus piniperda), Zweizähniger Kiefernborkenkäfer (Pityogenes bidentatus), Sechszähniger Kiefernborkenkäfer (Ips acuminatus) und Zwölfzähniger Kiefernborkenkäfer (Ips sexdentatus) im Vergleich. Maßstab: 5 schwarze Kästchen entsprechen 1 Millimeter.  © Bild: Franz Matschulla

Aber auch an Lärchen und Laubbäumen tragen Borkenkäfer derzeit dazu bei, dass Bäume absterben. Großer Lärchenborkenkäfer, Eichensplintkäfer, Kleiner Buchenborkenkäfer und Birkensplintkäfer profitieren von den für die Käferentwicklung günstigen – und für die Bäume ungünstigen – Bedingungen.

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(© Foto: Franz Matschulla)

Auffällige Spuren des Birken-Splintkäfers an Birke

Bohrlöcher an einer Birke
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(© Foto: Franz Matschulla)

Spuren gibt es auch an der Eiche: Eichensplintkäfer (links) und Eichenprachtkäfer (rechts) schädigen weiter bereits geschwächte Eichen

Spuren der verschiedenen Käfer an einem Eichenstamm
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(© Foto: Franz Matschulla)

Der kleine Buchenborkenkäfer frisst unter der Rinde der Rot-Buche.

Großaufnahme eines Buchenborkenkäfers

Unter normalen Witterungsbedingungen – also wenn die Bäume nicht durch Trockenheit und Dürre gestresst sind –  und die Bedingungen für die Käfer nicht ganz so optimal sind - können die Bäume die Käfer meist erfolgreich abwehren. Dies war allerdings in den vergangenen zwei Jahren nicht der Fall. Und auch in diesem Jahr finden die Borkenkäfer ideale Bedingungen vor bei gleichzeitig gestressten Wäldern.

Die Gefährdung der Wälder durch den Borkenkäfer wird neben der Anzahl vorhandener Käfer auch durch die Abwehrkräfte der Wirtsbäume bestimmt. Diese hängt wiederum vor allem vom für sie verfügbaren Wasser ab. Die vergangenen drei Jahre waren insgesamt sehr niederschlagsarm und warm.

Der Mai 2021 wies eine Lufttemperatur von im Durchschnitt 10,7°C auf und war damit kühler als das langjährige Mittel zwischen 1991 bis 2020. Gleichwohl gab es zum Ende der ersten und am Beginn der zweiten Maidekade um den Muttertag sommerliche Tage. Hinsichtlich der Sonnenscheindauer war der Mai 2021 sonnenscheinarm. In diesem Mai sind in Sachsen etwas 98 mm Niederschlag gefallen. Der Mai war damit feuchter als im langjährigen Durchschnitt (65 mm Niederschlag im Mai).

Wegen der vergleichsweise geringen Verdunstung wurde die Bodenfeuchte aus den Vormonaten gehalten oder stieg sogar an. Auch an den vorher trockenen Standorten haben sich nun Werte eingestellt, die zumindest in der Nähe des normalen Sektors für die Jahreszeit liegen.

Liniendiagramm
Kumulierte Niederschlagsmengen der Waldklimastationen ab 01.11.2020 (rote Linie) im Vergleich zum Mittelwert des vergangenen Jahrzehnts (grüne Linie), zu dem ausgeprägten Trockenjahr 2018 (hellblaue Linie) und dem sehr feuchten Jahr 2010 (blaue Linie). 
Liniendiagramm
Entwicklung der Bodenfeuchte (% der nutzbaren Feldkapazität) im Jahresverlauf für die Waldklimastation Sachsengrund im Westerzgebirge (dicke rote Linie) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (grüne Linie) und den trockenen Jahren 2018 (blaue Linie) und 2019 (rote Linie) (Stand: 14.06.2021) 
Liniendiagramm
Entwicklung der Bodenfeuchte (% der nutzbaren Feldkapazität) im Jahresverlauf für die Waldklimastation Wermsdorf (dicke rote Linie) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (grüne Linie) und den trockenen Jahren 2018 (blaue Linie) und 2019 (rote Linie) (Stand: 14.06.2021) 

Der Buchdrucker hat nunmehr in ganz Sachsen mit der Anlage der 1. Generation begonnen. Geschwisterbruten werden höhendifferenziert erwartet. Im Hügelland und den unteren Berglagen erreicht der Buchdrucker die Verpuppungsphase und ab der zweiten Junihälfte das Jungkäferstadium. Für die Sanierung von frischem Stehendbefall verbleibt in den genannten tieferen Lagen wohl noch der gesamte Juni. Ab den mittleren Berglagen ist die Entwicklung zwei bis drei Wochen zeitversetzt mit den entsprechend längeren Zeiträumen zur Sanierung des Stehendbefalls.

Die aktuellen Fangzahlen an den Montoringstandorten für den Buchdrucker zeigen mit Stand 22. KW für die besonders kritischen Höhenlagen bis 500 m ü. NN eine hohe Schwärmaktivität an. An fünf Monitoringstandorten im Höhenrahmen bis 500 m ü. NN außerhalb des Nationalparks liegen die kumulativen Fangzahlen über denen des Vorjahres (Landkreis-Revier Reinsberg bei Freiberg, Staatswald-Revier Zellwald, Landkreis -Revier Pirna, Landkreis -Revier Cunewalde, Landkreis -Revier Zittau). Sie repräsentieren die bekannten Hauptschadensgebiete des Buchdruckers aus den Vorjahren. Oberhalb von 500 m ü. NN war die ermittelte Schwärmaktivität bisher noch relativ gering.

Bisher mündet die hohe Schwarmaktivität noch nicht in einem hohen frischen Stehendbefall analog dem in den Vorjahren. Der Witterungsverlauf und die gute Wasserversorgung der Fichten verhinderte offensichtlich bislang eine massenhafte erfolgreiche Besiedlung gesunder Fichten. Am liegenden Holz ist jedoch eine schnelle Besiedlung zu beobachten.

Seit Oktober 2017 sind mehr als 9 Millionen Kubikmeter Schadholz in den Wäldern Sachsens angefallen. Rund die Hälfte davon entfällt auf Schäden durch Borkenkäfer, der Rest sind Sturm- und Schneebruchschäden. Über 82.000 Hektar Wald – und damit mehr als 17 Prozent der Gesamtwaldfläche – wurden geschädigt.

Die Schadholzmenge durch Buchdrucker im Borkenkäferjahr 2020/21 liegt mit 1,8 Millionen m³ unter der des Jahres 2019/20 (2 Millionen m³) liegen. Die Forstwirtschaft hat im Gesamtwald für die Fichte demnach eine Trendwende erreichen können. Dabei entfallen auf den Staatswald 585.000 m³ (66% des Vorjahres) sowie auf den Privat- und Körperschaftswald 1 186.000 m³ (105% des Vorjahres) Schadholz.

Säulendiagramm
Monatlicher Vergleich des befallenen Holzes in Kubikmetern für den sächsischen Wald in den Jahren 2003 bis 2020. Die Befallsmengen der Jahre 2018, 2019 und 2020 sind in gelb, orange und rot dargestellt. (Quelle: Forstschutzkontrollbuch) 

Der Anteil am Schadholz, der durch Borkenkäfer verursacht wurde, hat dabei stark zugenommen (s. Tabelle 1).

Tabelle 1: Entwicklung der Schadholzmengen in Kubikmetern in den Jahren 2017 bis 2020 und des Anteils der Schäden durch Borkenkäfer (BK) getrennt nach Staatswald und Privat- und Körperschaftswald (Quelle: Forstschutzkontrollbuch)

  2017   2018   2019   2020  
  Schadholz davon BK Schadholz davon BK Schadholz davon BK Schadholz davon BK
Staatswald 77.000 47.000 2.105.000 510.000 1.854.000 1.016.000 912.000 708.000
Privat- und Körperschaftswald 91.000 28.000 1.183.000 315.000 1.666.000 1.142.000 1.394.000 1.078.000
Summe 168.000 76.000 3.289.000 825.000 3.520.000 2.158.000 2.306.000 1.786.000
Förster auf einer Schadholzfläche
Die sächsischen Wälder wurden in den vergangenen zwei Jahren durch unterschiedliche Sturmereignisse heimgesucht, die mehrere Millionen Kubikmeter Schadholz hinterlassen haben.  © Foto: Felix.R.Krull

Ein Blick auf die Verteilung des bisherigen Schadholzanfalls durch Buchdrucker in Sachsen zeigt - abgesehen vom Nationalpark Sächsische Schweiz - die räumliche Konzentration auf zwei „Brennpunkte“ in Mittel- bis Südostsachsen. Die erstere Region war 2020 das durchgängige Zentrum der höchsten Niederschlagsdefizite und traf dort den Wald aller Eigentumsformen.

Allein in den Landkreisrevieren Sebnitz und Cunewalde sind 2020 bisher mit je über 120.000 m³ Schadholz insgesamt ein Viertel des gesamten Schadholzes im Freistaat Sachsen durch Buchdrucker angefallen. Der hohe Schadholzanfall in den drei Landkreisrevieren Bischoffswerda, Löbau und Zittau (je 30.000 bis 60.000 Kubikmeter) komplettiert die prekäre Lage im Lausitzer Bergland und im Zittauer Gebirge. In deutlich niedriger Intensität, aber gleichwohl herausgehoben, verlief das Schadholzgeschehen durch Buchdrucker 2020 im Osterzgebirge sowie im Raum Freiberg-Nossen-Zschopau.

Kartendarstellung mit teils verschiedenfarbigen Flächen der Landkreis-Reviere
Verteilung der Schadholzmengen durch Buchdrucker an Fichte im sächsischen Wald im Jahr 2020 

Der Schadholzanfall durch holz- und rindenbrütende Schadinsekten am Nadelholz außer Buchdrucker, d. h. vor allem an der Baumart Kiefer, liegt 2020 über dem des Jahres 2019. Ein Viertel des Schadholzes an der Kiefer entfiel allein auf die Königsbrücker Heide (Landkreisrevier Königsbrück). Ein weiteres Viertel resultiert aus Befall in der Dübener Heide sowie der nördlichen Niederlausitz (Landkreisreviere Elsterheide und Bernsdorf). Weitere Schwerpunkte sind die Dahlener Heide, die Wälder im Landkreis Leipzig sowie die Moritzburger Heide.

Das Schadgeschehen hat sich 2020 im Vergleich zu 2019 über das mitteldeutsche Trockengebiet hinaus nach Osten ausgebreitet und ist geprägt durch das regelmäßig sichtbare Absterben von Einzelbäumen und Baumgruppen in mittelalten bis älteren Kiefernbeständen. Mehrere primär und sekundär wirkende Schadinsekten (Sechs- und zwölfzähniger Kiefernborkenkäfer, Großer und Kleiner Waldgärtner sowie Blauer Kiefernprachtkäfer) mit sich überlagernden Schadbildern sind daran beteiligt. Eine Sanierung des Befalls durch rechtzeitige Erkennung ist sehr schwierig.

Kartendarstellung mit teils verschiedenfarbigen Landkreis-Revieren
Verteilung der Schadholzmengen holz- und rindenbrütender Insekten an Kiefer und Lärche im sächsischen Wald im Jahr 2020 
Blick über eine Waldfläche mir braun gefärbten Bäumen
Typische Waldschäden durch Buchdrucker, der gefährlichsten Borkenkäferart in Sachsen.  © Foto: Mirko Prüfer

Borkenkäfer sind besonders für Nadelbäume (Fichte, Kiefer, Lärche) gefährlich. Die Käfer entwickeln sich zwischen der Rinde und dem Holz von Bäumen.

Durch den Fraß werden der Nährstoff- und nachfolgend auch der Wassertransport des Baumes unterbrochen, wodurch der Baum abstirbt. Dies gelingt den Borkenkäfern in der Regel nur bei bereits geschwächten Bäumen. Sind viele Bäume durch Stürme, Schneebruch oder Trockenheit geschwächt oder die Witterungsbedingungen für den Käfer günstig (höhere Temperaturen für eine schnellere Entwicklung und geringe Widerstandskraft der Bäume infolge geringer Niederschläge) – kann es zu einer Massenvermehrung (Kalamität) und großflächigem Absterben von Waldbäumen kommen. Dadurch können sehr schnell große Freiflächen entstehen. Das bisher gewohnte Bild des Waldes, der eigenen Heimat, verändert sich. Und nicht nur das: Wertvolle Schutzfunktionen wie Erosionsschutz, Lärm- und Hochwasserschutz und die Verbesserung der Trinkwasserqualität werden vorerst nicht mehr oder nur eingeschränkt bereitgestellt.

Blick über Waldflächen im Nationalpark mit Borkenkäferbefall
Wird der Verbreitung der Borkenkäfer nicht aktiv entgegengewirkt, können Wälder großflächig absterben. Im Nationalpark Sächsische Schweiz (hier im Bild) ist die Borkenkäferausbreitung hingegen Teil der natürlichen Waldentwicklung und somit kein Schaden.  © Foto:Frank Strohbach

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, potenzielle Brutmöglichkeiten und durch den Borkenkäfer neu befallene Bäume so schnell wie möglich zu erkennen und die Ausbreitung der Borkenkäfer durch eine Fällung der befallenen Bäume und deren Abtransport zu verhindern.

In den Kernzonen von Schutzgebieten (z.B. Nationalpark, Biosphärenreservat) ist die Borkenkäferausbreitung Teil einer natürlichen Waldentwicklung. Allerdings muss eine Ausbreitung auf benachbarte Wirtschaftswälder möglichst verhindert werden.

Auch für Waldbesucher sind die Spuren der Borkenkäfer deutlich sicht- und spürbar:

  • Gewohnte Waldwege sind aufgrund der notwendigen Fällarbeiten gesperrt.
  • Aufgrund der großen Schadholzmengen, die bewegt werden, weisen die Wege zwischenzeitlich Gebrauchsspuren auf.
  • Vermehrt befinden sich Holzpolter im Wald.
  • Bisher bekannte Waldbilder gibt es auf einmal nicht mehr oder sie haben sich deutlich verändert.

Mit dem Beginn des Schwärmens müssen Waldbesitzer ihre Wälder intensiv auf frischen Befall durch Borkenkäfer oder andere Schadinsekten kontrollieren. Wer frischen Befall erkennt, muss sofort handeln. Solange die Entwicklung der Larven noch nicht abgeschlossen ist, können effektive Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die befallenen Bäume müssen gefällt und die Stämme so schnell wie möglich aus dem Wald gebracht werden, um ein Übergreifen auf gesunde Bäume und das Absterben ganzer Waldgebiete zu verhindern. Besonders gefährdet sind die sehr anfälligen Reinbestände aus Fichten, Kiefern oder Lärchen, in denen bereits im Vorjahr Befall aufgetreten ist.

Solange das Schwärmen noch nicht begonnen hat, sollten weiterhin Stämme mit noch überwinternden Borkenkäfern und Sturmholz aus dem Winter unverzüglich aus dem Wald transportiert oder der Ausflug der Käfer verhindert werden. Mit Beginn der Hauptflugphase und damit dem Beginn des Befalls lebender Bäumen sind die gefährdeten Bestände regelmäßig auf frischen Befall hin zu kontrollieren.

Bohrlöcher mit Bohrmehl an Fichtenstamm
Bohrmehl an einer befallenen Fichte  © Foto: Franz Matschulla

Das Erkennen von frischem Käferbefall an im Wald liegendem Holz (Wurf- und Bruchholz von Stürmen oder bereits eingeschlagenes Holz) ist anhand der Bohrmehlhäufchen vergleichsweise einfach, solange diese nicht von Wind weggeweht oder vom Regen abgespült werden. Bohrmehl tritt nur während der Phase auf, in der durch die männlichen Käfer die sogenannte Rammelkammer und nach erfolgreicher Verpaarung durch die Weibchen die Muttergänge zur Ablage der Eier angelegt werden. Diese Phase umfasst in der Regel einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen.

Wesentlich schwieriger ist das Erkennen des Befalls an stehenden, gesunden Bäumen (sog. Stehendbefall). Die Besiedlung der Fichten durch Buchdrucker - der gefährlichsten Borkenkäferart in Sachsen - beginnt in der Regel im Bereich des Ansatzes der grünen Krone, also mindestens in acht bis zehn Metern Höhe. Das dabei austretende Bohrmehl ist in der Regel vom Boden aus kaum auf Rindenschuppen, an Wurzelanläufen oder der Bodenvegetation zu entdecken. Dies ist erst möglich, wenn der Befall am Baum voranschreitet und auch die unteren, besser kontrollierbaren Stammabschnitte besiedelt werden.

Bohrmehl auf Buchenblättern
Augen auf bei der Bohrmehl-Suche! Auch auf die Blätter benachbarter, kleinerer Bäumen kann das Bohrmehl der Nadelbäume fallen.  © Foto: Lutz-Florian Otto

Auch die Bildung von Harztröpfchen entlang des Stammes können auf einen Befall des Baumes durch Borkenkäfer hindeuten.

Der Käfer macht bei seiner Ausbreitung vor keinen Eigentumsgrenzen halt. Um ein Absterben ganzer Wälder zu verhindern, ist die rechtzeitige und ausreichende Bekämpfung Pflicht der Waldbesitzer. Aufgrund der großen Bedeutung der Wälder für das Allgemeinwohl werden die gut 85.000 Waldbesitzer in Sachsen dabei unterstützt. Sachsenforst berät Waldbesitzer zu allen Fragen der Waldbewirtschaftung und Schadensbewältigung kostenlos und flächendeckend in 62 Revieren in ganz Sachsen. Zusätzlich fördert der Freistaat Sachsen Maßnahmen zum Waldschutz und zur Wiederbewaldung finanziell.

Borkenkäfer in einem Gang in der Rinde
Borkenkäfer vermehren sich unter der Rinde der Bäume.  © Foto: Franz Matschulla

Waldbesitzer in Gebieten mit besonders schutzwürdigen und bedrohten Wäldern können in diesem Jahr auch auf weiterführende Unterstützungsleistungen zurückgreifen. In ausgewählten Gebieten wird privaten Waldbesitzern im Rahmen der Möglichkeiten angeboten, notwendige Maßnahmen zum Waldschutz gegen Kostenersatz durch forstliche Dienstleister im Auftrag von Sachsenforst durchzuführen. Die große Mehrheit der privaten Waldbesitzer verfügt nicht über eigenes Forstpersonal und den notwendigen Marktzugang. Durch die damit mögliche Bündelung von Maßnahmen werden angemessene Arbeitspakete und Planungssicherheit für Forstunternehmer und Holzkäufer geschaffen. Wo immer privatrechtliche Zusammenschlüsse der Waldbesitzer diese Bündelungsfunktion übernehmen können, wird das Vorgehen eng mit diesen abgestimmt. Auch die unteren Forstbehörden sind an diesem Prozess beteiligt, so dass ein koordiniertes Vorgehen gewährleistet ist.

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