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Detaillierte Informationen zur aktuellen Borkenkäfersituation in Sachsen

Stand: 23.08.2022

Die Borkenkäfersaison 2022 nähert sich mit den kürzer werdenden Tagen langsam ihrem Ende, ohne dass jedoch von einer grundlegenden Entspannung gesprochen werden kann. Von den letzten Tagen abgesehen haben die Witterungsbedingungen der vorangegangenen Monate zu einer weiteren Reduzierung des Abwehrvermögens der Baumart Fichte geführt und somit die Befallsbereitschaft durch die rindenbrütenden Borkenkäferarten weiter gesteigert.

Bis in Höhenlagen von 600 m ü NN und in Abhängigkeit von der weiteren Temperaturentwicklung lokal auch darüber hinaus, ist in diesem Jahr mit der erfolgreichen Anlage einer 3. Generation und der damit verbundenen Zunahme des Schadgeschehens zu rechnen. Können sich die in diesen Wochen angelegten Bruten bei guten Bedingungen bis in den Herbst hinein zu überwinterungsfähigen Jungkäfern weiterentwickeln, ist das Potenzial für eine Fortsetzung des hohen Schadniveaus der letzten Jahre auch für 2023 gegeben.

Auch der derzeit feststellbare Rückgang der Schwärmaktivität, welcher sich in deutlich rückläufigen Fangzahlen des Borkenkäfermonitoringsystems widerspiegelt, sollte nicht über die weiterhin kritische Lage hinwegtäuschen. Bei Betrachtung der gesamten Saison muss bereits zum jetzigen Zeitpunkt konstatiert werden, dass es in Summe erneut zu einem Jahr mit überdurchschnittlichen, zum Teil extrem hohen Fangzahlen an einer Vielzahl von Standorten gekommen ist.

Übersichtskarte Sachsen
Abbildung 1: Entwicklung der kumulierten Fangzahlen an den sächsischen Monitoringstandorten, kombiniert mit einem Vorjahresvergleich (farblich differenziert nach Borkenkäfer-Regionen) 

Die Gefährdung der Wälder durch die verschiedenen Borkenkäferarten wird neben der Anzahl vorhandener Käfer auch durch die Abwehrkräfte der Wirtsbäume bestimmt. Diese hängen wiederum vor allem vom für die Bäume verfügbaren Wasser ab.

Die Jahre 2018 bis 2020 waren insgesamt sehr niederschlagsarm und überdurchschnittlich warm. Im Jahr 2021 bewegte sich die Summe der Niederschläge, anders als in den drei Vorjahren, erstmals wieder im Bereich des langjährigen Mittels. Die Temperaturen lagen fast durchweg über dem langjährigen Mittel.

Die zum Teil ergiebigen Niederschläge führten bis zu einer Bodentiefe von 60 Zentimetern tendenziell zu einer Wiederauffüllung des Bodenwasserspeichers. Weil es sich hierbei um den Teil des Bodenraumes handelt, der in der Regel am intensivsten von den Bäumen durchwurzelt wird, ergaben sich daraus günstige Bedingungen für die Regeneration der Waldvegetation nach den Trockenjahren 2018 bis 2020.

Tatsache ist aber, dass die Niederschläge des Jahres 2021, vor allem in den von der vorausgehenden mehrjährigen Trockenheit besonders betroffenen Regionen Sachsens, bisher nicht ausgereicht haben, um die Widerstandsfähigkeit von Fichte, Kiefer, Lärche, Buche und Eiche gegenüber dem nach wie vor hohen Befallsdruck von holz- und rindenbrütenden Schadinsekten wirksam zu erhöhen.

Eine Analyse der Niederschlagsverhältnisse in Sachsen durch den DWD anhand der Messwerte an den agrarmeteorologischen Stationen kommt zu dem Schluss, dass bis Ende Juli im flächengewogenen Mittel im Vergleich zur Periode 1981 bis 2010 ein Niederschlagsdefizit von 153,7 mm bestand. Das entspricht der Regenmenge von fast zweieinhalb Monaten!  Damit ist, bezogen auf die Landesfläche insgesamt, das seit November 2021 und damit dem Beginn des hydrologischen Jahres aufgelaufene Defizit größer als das des bisherigen Extremjahres 2018. Die entsprechenden Vergleichswerte für die Waldklimastationen des SBS lagen zu diesem Zeitpunkt noch knapp über den Werten für 2018.

Die zum Teil ergiebigen Niederschläge ab Mitte August konnten die akute Situation etwas abmildern, an der Gesamtlage hat sich allerdings kaum etwas geändert. Die flächendeckenden, an einigen Standorten zum Teil extremen Bodenwasserdefizite schwächten sich nur geringfügig ab und beeinflussen die Vitalität der Bestände weiterhin maßgeblich. Einzelne Bäume sind bereits vertrocknet. Da die geringen Niederschläge in Kombination mit hohen, teilweise extrem hohen Temperaturen auftraten, förderte das die Entwicklung des Buchdruckers direkt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei einer Temperatur von 30°C die Brutentwicklung am schnellsten erfolgt. Noch höhere Temperaturen, die in den letzten Wochen nicht selten waren, verlangsamen die Entwicklung. Bei 38,9 °C entwickelt sich die Brut nicht mehr. Der Hitzetot setzt bei 42°C ein. Optimale Bedingungen finden die Käfer damit aktuell vor allem im Bestandesinneren vor.

Liniendiagramm
Kumulierte Niederschlagsmengen der Waldklimastationen ab 01.11.2021 (rote Linie) im Vergleich zum Mittelwert des vergangenen Jahrzehnts (grüne Linie), zu dem ausgeprägten Trockenjahr 2018 (orangene Linie) und dem sehr feuchten Jahr 2010 (blaue Linie). 
Diagramm mit farbigen Rechtecken
Darstellung des gefallenen Niederschlages vom 08.08.2022 bis 21.08.2022 an den von Sachsenforst betriebenen Waldklimastationen 
Liniendiagramm
Entwicklung der Bodenfeuchte (% der nutzbaren Feldkapazität) im Jahresverlauf für die Waldklimastation Sachsengrund im Westerzgebirge (dicke rote Linie) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (grüne Linie). (Stand: 22.08.2022) 
Liniendiagramm
Entwicklung der Bodenfeuchte (% der nutzbaren Feldkapazität) im Jahresverlauf für die Waldklimastation Wermsdorf (dicke rote Linie) im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (grüne Linie). (Stand: 22.08.2022) 

Die Auswertung der Ergebnisse des Phänologiemodells Phenips auf der Grundlage der agrarmeteorologischen Stationen des DWD sowie der sächsischen Waldklimastationen zeigt, dass bei über der Hälfte der 38 berücksichtigten Stationen die 3. Buchdruckergenerationen zwischen Anfang und Mitte August bereits angelegt wurde. Das geht mit einer Höhenlage über NN von bis zu 465 m einher. Unter der Annahme von weiterhin hohen Temperaturen im August ist davon auszugehen, dass sich dieser Höhenrahmen bis in 600 m ü. NN ausdehnt und damit zunehmend die mittleren Lagen des Erzgebirges einschließt. Es kann zudem nicht ausgeschlossen werden, dass vereinzelt auch bis in 700 m ü. NN vom Buchdrucker Versuche zur Anlage einer weiteren Generation unternommen werden. Damit verschiebt sich die Problematik stärker als in den letzten Jahren weiter in die Gebirgslagen hinein.

Die Fangzahlen an den Monitoringstandorten sind im Vergleich zu den Vorwochen deutlich zurückgegangen und bewegen sich mit einer Ausnahme aktuell überwiegend im hohen dreistelligen bzw. niedrigen vierstelligen Bereich. Damit lagen sie in der 33. KW zwar unterhalb der für das Auftreten von Stehendbefall wichtigen Gefährdungsschwelle von 3.000 Buchdrucker pro Woche und Standort, sind aber noch weit von Werten entfernt, die auf eine beginnende Überwinterungsbereitschaft schließen lassen. In der Gesamtschau muss festgestellt werden, dass die kumulativen Zahlen über die bisherige Buchdruckersaison hinweg, weiterhin ein extrem hohes Niveau aufweisen, auch wenn die Werte vielerorts hinter die Vergleichszahlen des Vorjahres zurückfallen. In diesem Zusammenhang sei auf das Westerzgebirge verwiesen, dass sich hier ein stückweit vom allgemeinen Trend abgrenzt und bis in die Hochlagen hinein die Fangzahlen von 2021 übertrifft.

Mit der kontinuierlichen Abnahme der Tageslichtlänge wird die Schwärmaktivität in den nächsten Wochen weiter abnehmen.

Übersichtskarte Sachsen
Abbildung 2: Registrierte Schwellenwertüberschreitungen bis zur 33. Kalenderwoche in der aktuellen Schwärmperiode des Buchdruckers 

Regionale Entwicklung:

Nach Rekordschäden durch Borkenkäfer in 2019 und 2020 mit jeweils ca. zwei Millionen Kubikmetern sind die Schäden im vergangenen Jahr bei günstiger Witterung leicht auf 1,4 Mio. Kubikmeter gesunken. Mit einer starken Zunahme des Befalls im zweiten Halbjahr 2022 könnte dieser positive Trend noch gebrochen werden, dies erscheint allerdings zunehmend als unwahrscheinlich.

Schwerpunkte der Schäden in diesem Jahr liegen erneut mit dem Oberlausitzer Bergland und Zittauer Gebirge in den südlichen Teilen der Landkreise Bautzen und Görlitz. Aber auch hier wurden die Vorjahreswerte bislang um mindestens ein Fünftel unterschritten. Etwas anders sieht es im Vogtlandkreis aus. Hier sind die Schadholzzahlen zwar gering aber im Juli wurde, entgegen dem allgemeinen Trend fast der gleiche Schadholzanfall wie im Vorjahr erkannt.

Kupferstecher:

Abgesehen von einzelnen Ausnahmen in den Landkreisen Zwickau und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie im Erzgebirgskreis ist die Schwärmaktivität des Kupferstechers unauffällig und liegt überwiegend unter den Werten des Vorjahres.

Durch die hohe Befallswahrscheinlichkeit sollten in den sächsischen Wäldern bzw. gefährdeten Beständen auch in den kommenden Wochen intensive Kontrollen durchgeführt werden. Bäume, in denen sich aktuell noch die zweite Käfergeneration entwickelt, müssen rechtzeitig erkannt und unschädlich gemacht werden, bevor die Jungkäfer ausfliegen und eine dritte Generation anlegen können oder auf die Suche nach Überwinterungsquartieren in anderen Bäumen gehen. Dazu müssen befallene Bäume gefällt und unverzüglich aus dem Wald transportiert oder in Abhängigkeit vom Entwicklungstand der Bruten deren Rinde abgeschält werden.

Eine baldige Sanierung des Befalls ist grundsätzlich auch jetzt noch angeraten, da vor Beginn der Winterruhe bei niedrigeren Temperaturen die voll entwickelten Käfer – wie bereits erwähnt – ihre Brutbäume häufig verlassen um im Boden oder benachbarten Bäumen zu überwintern. Durch das Abfallen der Rinde im weiteren Jahresverlauf nimmt die populationsreduzierende Wirkung der Sanierung befallener Bäume zudem kontinuierlich ab.

Die jetzt anstehenden Sanierungsmaßnahmen haben vor allem das Ziel, das Gefährdungspotenzial für die nächstjährige Buchdruckersaison möglichst weitreichend zu reduzieren.

Der 10-Tage-Trend des Deutschen Wetterdienstes.

Im Vergleich zu den letzten Wochen werden für die nächsten Tage eher gemäßigte Temperaturen zwischen 20 und 28°C mit eingestreuten gewittrigen Niederschlägen prognostiziert. Damit sind die Bedingungen für eine ausgeprägten Schwärmflug zur Anlage einer 3. Generation eher suboptimal. Dennoch kann es an warmen Tagen noch einmal zu einer deutlichen Zunahme der Schwärmaktivität kommen. Spätestens Anfang September sollte aber auch hier ein deutlicher Rückgang erfolgen und die dann noch fliegenden Käfer sind überwiegend auf der Suche nach geeigneten Überwinterungsquartieren.

Was das Auftreten von frischem Stehendbefall betrifft, ist die Sache etwas anders zu bewerten, da die Besiedlung der betreffenden Bäume i. d. R. bereits erfolgt ist und die sicheren Befallsmerkmale meist etwas verzögert feststellbar sind. Die Aufmerksamkeit bei den Kontrollen sollte deshalb weiterhin hoch bleiben.

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