Ergebnisse des Wildschadensmonitorings im sächsischen Staatswald
Für ein modernes Schalenwildmanagement braucht es ein transparentes Controllingverfahren. Die Analyse des Vegetationszustandes ist dabei ein wichtiger Weiser. Alle drei Jahre wird deshalb in arrondierten, mindestens 500 Hektar großen sächsischen Landeswaldgebieten, der Einfluss des Wildes auf die junge Waldvegetation untersucht. Von April bis Juni 2015 wurden in diesen so genannten Verwaltungsjagdbezirken, in denen der Freistaat die Jagd durch den Staatsbetrieb Sachsenforst in Eigenregie ausübt, über eine systematische Stichprobe knapp 200.000 Bäume hinsichtlich des Wildverbisses überprüft und zudem über 115.000 Bäume auf mögliche Schälschäden durch Rotwild untersucht. Die Ergebnisse dieser Bonitur schwanken regional erheblich, die Gesamttendenz aber ist besorgniserregend.
Den Einfluss des Wildes auf die Waldverjüngung ermitteln unabhängige fachkundige Forstdienstleister durch ein spezielles Wildschadensmonitoring. Dabei wird der Verbiss an den Terminaltrieben junger Bäume erhoben. Die Leittriebe von Rotbuche, Eiche, Weißtanne oder Bergahorn sind beim Wild überaus beliebt. Außerdem erfolgt in jungen bis mittelalten Beständen besonders gefährdeter Baumarten, wie z. B. der Fichte, eine Aufnahme, ob insbesondere das Rotwild die Rinde der waldbaulich relevanten Bäume abgefressen (geschält) hat.
Die Ergebnisse des Wildschadensmonitorings verdeutlichen, dass der Erfolg des Generationenprojektes Waldumbau in einigen Regionen auf dem Spiel steht, da ein nicht unerheblicher Teil der gepflanzten Bäume im Magen von Hirsch und Reh landet. Im Durchschnitt wurden innerhalb des Untersuchungsgebietes über 15 Prozent der bonitierten Bäume verbissen, mit knapp drei Prozent lagen gleichzeitig die frischen Schälschäden über dem von Sachsenforst tolerierbaren Grenzwert von zwei Prozent. Zwar unterschreiten dabei knapp 4/5 der untersuchten Bestände diesen Grenzwert, für jede siebte Fläche weist die Bonitur allerdings extreme Anteile frischer Schälschäden von über fünf Prozent aus. Insgesamt befinden sich die Werte sowohl für Verbiss- als auch für die Schälschäden auf dem höchsten Niveau seit 2006.
Massive Schäden durch Rotwildschäle zeigen sich vor allem entlang des Erzgebirgskammes. Gegen diese Art der Nahrungsaufnahme können die Förster und Waldbesitzer die Bäume kaum effektiv schützen. Eine Fichte ist gut und gerne 40 Jahre lang durch Wildschäle gefährdet. Die langsam als Resultat der Waldumbaubemühungen in sächsische Wälder zurückkehrende Weißtanne mit ihrer dünnen und glatten Rinde ist sogar noch wesentlich länger gefährdet. Schutzmaßnahmen über einen so langen Zeitraum wären logistisch unmöglich und finanziell kaum zu verantworten. Die Folgen der Rindenverletzungen sind gravierend: Pilze besiedeln die Wunde, breiten sich im Stamm aus und lassen das Holz verfaulen. Wirtschaftlich nutzbar ist solches Holz kaum mehr, gegenüber Sturm und Schneedruck sind diese Bäume zudem äußerst instabil.
Verbissprozente der Terminaltriebe an den auf standörtlicher Grundlage definierten regionalen Hauptbaumarten (ungeschützte Kulturen)
Zielerreichung beim Verbiss an ungeschützten Kulturen entsprechend den Vorgaben der Zielvereinbarung Waldbau/Jagd
Neuschäle an Hauptbaumarten [in %]. Tolerierbar sind durchschnittlich 2 % Neuschäle pro Jahr. Unter der Annahme, dass eine Fichte ca. 40 Jahre lang schälgefährdet ist, entspräche dies noch immer einer Schädigung von 80 % aller Bäume am Untersuchungspunkt.