Dynamische Klimagliederung
Bis 2012 verwendete Forstliche Klimastufen
Die bis 2012 gebräuchlichen Forstlichen Klimastufen wurden begleitend zu den Standortskartierungen der Waldflächen zwischen 1960 und 1990 erarbeitet. Sie sind Kombinationen aus Höhenstufen und Klimafeuchtestufen. In Sachsen spiegeln sie den ausgeprägten Höhengradienten des Landes vom trockeneren Tiefland im Norden (< 200 m ü. NN) bis hin zu den feuchten Kammlagen des Erzgebirges (> 800 m ü. NN) im Süden wider. Zur Kennzeichnung wurden ihnen u.a. Rahmenwerte zu Jahresniederschlag und Jahresmitteltemperatur zugeordnet.
Über größere Räume sich erstreckende Klimaeigenschaften wurden als Makroklimaformen beschrieben. In Sachsen wurden durch die Standortserkundung etwa 90 Makroklimaformen ausgewiesen (siehe Abbildung 1).
Mit Hilfe der Klimarasterdaten des DWD (Deutscher Wetterdienst) der Periode 1971–2000 wurden statistische Analysen für die vorhandenen Klimaareale durchgeführt. Eine Gegenüberstellung der bislang verwendeten Rahmenwerte der Forstlichen Klimagliederung und der neu hergeleiteten Wertespannen auf Basis der Periode 19971–2000 zeigt deutliche Differenzen (siehe Abbildung 2).
Erläuterung der Farben und Abkürzungen:
grau: Werte nach Periode 1901–1950; farbig: Werte aus Periode 1971–2000
Kf = Kammlagen feucht; Hf = Hochlagen feucht; Mf = Mittlere Berglagen feucht; Mm = Mittlere Berglagen mäßig feucht; Uf = Untere Berglagen/ Hügelland feucht; Uk = Untere Berglagen/ Hügelland mäßig feucht, kühl; Um = Hügelland mäßig trocken; Utt = Hügelland sehr trocken; Ut = Hügelland trocken; Tm = Tiefland mäßig trocken; Tt = Tiefland trocken
Unter Berücksichtigung der fortschreitenden Klimaänderung und entsprechender Prognoseszenarien wurde deshalb die Dynamische Forstliche Klimagliederung erarbeitet. Sie ersetzt die alte Klimagliederung. Die Einteilung der Höhenstufen wird jedoch bei waldbaulichen Planungen weiter mit verwendet.
Dynamische Forstliche Klimagliederung und Leitwaldgesellschaften
Auf der Basis von mehr als 46.000 Aufnahmen aus der vegetationskundlichen Literatur wurden Leitwaldgesellschaften und forstlich wichtige Baumarten durch Rahmenwerte zur Vegetationszeitlänge (= Tage mit > 10°C) und Klimatischen Wasserbilanz während der Vegetationszeit gekennzeichnet. Die Vegetationszeitlänge bezeichnet den durchschnittlichen Zeitraum, in dem sich die Waldbäume im Vergleich zur winterlichen Vegetationsruhe in einer Phase hoher physiologischer Aktivität befinden. Die Klimatische Wasserbilanz in der Vegetationszeit, als Differenzgröße aus Niederschlag und potentieller Verdunstung beschreibt wie sich das Klima auf den Bodenwasserhaushalt auswirkt. Ist sie negativ wird der Boden trockener, ist sie positiv kann Versickerung stattfinden und die Bodenfeuchteverhältnisse sind relativ ausgeglichen; das heißt, den Bäumen steht ausreichend Wasser zur Verfügung.
Schema der Dynamischen Klimagliederung
Die Dynamische Forstliche Klimagliederung kombiniert Klassen der Vegetationszeitlänge mit Klassen der Klimatischen Wasserbilanz in der Vegetationszeit mit (siehe Abbildung 3). Die Klimatische Wasserbilanz in der Vegetationszeit wurde auf mm/Vegetationsmonat normiert. Anhand der in ihnen vorherrschenden Leitbaumarten sind die Klimaklassen weiter zu dynamischen Klimastufen aggregiert.
Die Spanne der wesentlichen Einheiten in Sachsen reicht von »winterkalt-feucht« [16] mit hohen Niederschlägen bei relativ geringer Verdunstung, niedrigen Mitteltemperaturen und kurzer Vegetationszeit bis hin zu »submediterran-extrem sommertrocken« [51] mit geringen Niederschlägen bei relativ hoher Verdunstung, hohen Mitteltemperaturen und langer Vegetationszeit.
Mit diesem Gliederungsrahmen ist es möglich, sowohl das aktuelle Klima als auch prognostizierte Klimaszenarien sowie Klimaänderungen zu klassifizieren und zu veranschaulichen (siehe Beispiel in Abbildung 4 für 1971-2000 versus 2011-2020).
Dynamische Klimastufen
Innerhalb der Makroklimaformen der Standortskartierung werden auf mikrochorischen Ebene Areale für die dominierenden Klimaklassen ausgewiesen. Diese Abgrenzungen werden in einem etwa 10jährigen Turnus anhand der realen Klimaverhältnisse überprüft und ggf. angepasst. Ein Klimaareal kann wiederum einer dynamischen Klimastufe zugeordnet werden.
Die dynamischen Klimastufen sind die unmittelbaren waldbaulichen Bezugseinheiten für die Zuordnung von Waldentwicklungstypen.
Die dynamische Klimagliederung umfasst acht Klimastufen, die mit römischen Zahlen symbolisiert werden.
Seit etwa 2013 wurde eine Klimastufen-Abgrenzung auf Basis der meteorologischen Reihe 1971-2000 verwendet, die nunmehr durch eine Analyse der Werte der Dekade 2011-2020 abgelöst wird letzterer Zeitraum stark dem Trend der Projektionen für die Mitte dieses Jahrhunderts entspricht (siehe Abbildung 5).



