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Aktuelle Borkenkäfersituation in Sachsen

Aktualisiert am 19. Mai 2026

Großaufnahme eines Buchdruckers
© Foto: Franz Matschulla

Borkenkäfer verursachen in den sächsischen Wäldern seit mehreren Jahren massive Schäden. Eine Entspannung der Situation ist bislang nicht absehbar. Auf dieser Seite finden Sie umfangreiche Informationen zur aktuellen und weiteren Entwicklung sowie Handlungsempfehlungen der Waldschutzexperten von Sachsenforst.

Nachdem bereits 2025 der Schwärmflug später startete als im vorherigen Jahr, hat sich auch der Beginn des diesjährigen Schwärmflugs um eine weitere Woche verzögert. Erste nennenswerte Käferzahlen wurden auf den Standorten des sächsischen Borkenkäfermonitorings in der 16. Kalenderwoche registriert. Erwartungsgemäß betraf es hauptsächlich die wärmebegünstigten Standorte des Hügellandes und der unteren Berglagen. Der eigentliche Befallsbeginn erfolgte dann in allen Höhenlagen aber relativ einheitlich in der 1. Maiwoche. Dabei kam es bisher aber nur sehr vereinzelt zur Überschreitung kritischer Schwellenwerte (2.000 BDR/ Woche/ Falle). Im Hinblick auf die Buchdruckergefährdung begann die Borkenkäfersaison 2026 damit durchaus positiv und folgt dem Trend der letzten beiden Jahre.

im Frühjahr 2026:

Zwar war 2025 die rindenbrütende Borkenkäferart Buchdrucker wieder der Hauptschadensverursacher an der Baumart Fichte, regional auch begleitet durch auffällige Populationsanstiege des Kupferstechers, allerdings gingen die Aktivitäten insgesamt erneut deutlich zurück. Mittlerweile bewegen sich die Befallsholzmengen eigentumsunabhängig auf dem Niveau vor Beginn der Massenvermehrung im Jahr 2018. Unter Berücksichtigung dieser Entwicklung kann von einem Ende der Massenvermehrung des Buchdruckers in Sachsen gesprochen werden.

Übersichtskarte von Sachsen zur Schwarmaktiviztät
Abb. 1: Schwärmaktivität an den sächsischen Monitoringstandorten im Jahr 2025 (Stand vom 25.9.2025)  

Schwärmverlauf in der Saison 2025:

Die Ergebnisse des Borkenkäfermonitorings in den sächsischen Fichtengebieten bestätigen auf der Grundlage von insgesamt 90 repräsentativen Standorten die Entwicklung der Schadholzmengen und lassen ebenfalls auf stark rückläufige Populationsdichten schließen (Abb. 1). Zum Ende der Schwärmperiode 2025 wurde im Mittel aller Standorte gerade einmal ein reichliches Viertel der Vorjahresfänge registriert. Die kumulativen Jahresfangzahlen bewegten sich beim Buchdrucker sogar weit unter denen der vergangenen 14 Jahre (Abbbildung 2).

Punkte- und Flächendiagramm
Abbildung 2: Kumulative Fangzahlen aller BK-Monitoringstandorte in Sachsen seit 1991 

Die Aktivitätsphase des Buchdruckers begann 2025 etwa 2 Wochen später als im Vorjahr. Erste nennenswerte Fänge in den Monitoringfallen wurden je nach Höhenlage ab der 3. Aprilwoche registriert. Ein konzentrierter Schwärmflug fand an den meisten Standorten allerdings erst Anfang Mai statt und fiel deutlich schwächer als im Vorjahr aus. Ausgeprägte Ausschläge in den Fangzahlen während der Generationswechsel waren in diesem Jahr ebenfalls selten. Die mit Hilfe des Phänologiemodells PHENIPS berechnete Anzahl an Schwärmtagen (Maximaltemperatur > 16,5°C) lag 2025 ebenfalls deutlich unter dem Vorjahreswert. Die Anlage einer 3. Generation konnte bis in eine Höhenlage von ca. 500 m ü. NN bestätigt werden.

Befallsholzentwicklung:

Mit bisher 28.000 m³ ist die Schadholzmenge im Vergleich zum Vorjahr auf ein Fünftel zurückgegangen und liegt damit sogar unter dem Wert des letzten Vorkalamitätsjahres 2017.

Auf Basis der monatlichen Meldungen im sächsischen Forstschutzkontrollbuch (FSKB) stellt sich die Situation beim Buchdrucker wie folgt dar:

  • Auf Landkreis-Ebene sind die gemeldeten Buchdruckerbefallsholzmengen überall rückläufig.
  • Die Entwicklung verläuft in allen Eigentumsarten ähnlich.
  • Die Befallsschwerpunkte lagen 2025 vor allem im südwestsächsischen Raum, insbesondere im Vogtland sowie im Zittauer Gebirge im Landkreis Görlitz. Trotz sinkender Mengen war der allgemeine rückläufige Trend dort weniger stark ausgeprägt.
  • Mit einem Anteil von 64% ist ein Großteil des Befallsholzes bisher im LW angefallen.

Im Vergleich mit dem Buchdrucker waren die durch den Kupferstecher verursachten absoluten Schadholzmengen in Fichtenbeständen 2025 vernachlässigbar. Per 31.12. betrug die ab 01.06.25 registrierte Menge ca. 1.600 m³. Der relative Anteil am Fichtenbefallsholz nahm, aufgrund der stärker rückläufigen Buchdruckerschadholzmengen, aber weiter zu.

Die Befallsholzmenge durch Nadelnutzholzborkenkäfer reduzierte sich im Vergleich zu 2024 um mehr als die Hälfte auf etwa 13.000 m³.

Offensichtliche Ursachen für diese Entwicklung sind neben einem regional nahezu vollständigen Ausfall der Fichte in den bisherigen Hauptschadgebieten auch die inzwischen etablierten Sanierungsabläufe in den gefährdeten Regionen sowie der relativ ausgeglichene Wasserhaushalt in den Beständen und damit eine geringe Befallsprädisposition zu Beginn des Jahres. Hinzu kommt vermutlich eine abnehmende Vitalität der Käferpopulationen.

Regionalisierte Modellierung der Buchdruckerentwicklung mit Phenips plus:

Seit mittlerweile drei Jahren steht die Modellierung der Buchdruckerentwicklung auf Basis eines 1x1 km Rasters zur Verfügung (Abb. 3). Grundlage dafür sind vom DWD deutschlandweit bereitgestellte regionalisierte Witterungsdaten, die außerdem auch eine 7-Tages-Prognose umfassen. Damit kann auch unabhängig von einer vorhandenen Wetterstation für eine gewünschte Region das aktuell anzutreffende Entwicklungsstadium des Buchdruckers dargestellt werden. Für eine bessere Übersichtlichkeit erfolgt die Trennung nach Generationen und Geschwisterbruten. Über eine Schieberegler ist auch die zeitliche Entwicklung der einzelnen Generationen sowie der Gesamtentwicklung visualisierbar.

Screenshot mit Übersichtskarte
Abbildung 3: Mit dem rasterbasierten Phenips modellierter Entwicklungsstand des Buchdruckers zum 31. Oktober 2025 (3. Generation) 

Im Jahr 2025 lag die Lufttemperatur etwas mehr als 1 Kelvin über dem langjährigen Mittel von 1991 bis 2020. Besonders hoch waren die Abweichungen vor allem in den Wintermonaten 2024/2025, z.T. betrugen sie bis zu 2,5 Kelvin. Die Niederschläge fielen, bezogen auf das langjährige Monatsmittel, sehr ungewöhnlich verteilt.

Die Niederschlagsmengen schwankten dabei in Bezug auf die Klimanormalperiode zwischen 30% im Dezember und 135% im September. Überwiegend fielen sie in Form von Starkniederschlägen, was zu entsprechenden Oberflächenabflüssen führte, die nur bedingt zu einer Verbesserung des Bodenwasserhaushaltes beitrugen. Zum Ende des hydrologischen Jahres im Oktober 2025 belief sich das kumulative Defizit auf ca. 125 l/m². Die darauffolgenden Monate konnten diese Situation nicht wesentlich verbessern, sondern verstärkten im Gegenteil den negativen Trend weiter. Insbesondere das Niederschlagsdefizit vergrößerte sich bis März 2026 deutlich (Abb. 4). Zusammenfassend war die Witterung im Betrachtungszeitraum für die Waldschutzsituation nicht vorteilhaft, da sie zu warm und trocken ausfiel. Das erste Quartal 2026 brachte diesbezüglich keine Trendumkehr!

Liniendiagramm
Abbildung 4: Kumulierte Niederschlagsmengen der Waldklimastationen ab 01.11.2025 (rote Linie) im Vergleich zum Mittelwert des Referenzzeitraums (grüne Linie), einschl. der Schwankungsbreite in diesem Zeitraum 

Einen Überblick über die aktuelle Bodenwasserhaushaltssituation in Deutschland ermöglicht der Bodenfeuchteviewer des DWD:

https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/landwirtschaft/appl/bf_view/_node.html;jsessionid=5AFA4BE2AA82B26599B7B607643C84EC.live11041

Für Sachsen kann zudem auf die Bodenfeuchteampel zurückgegriffen werden:

https://life.hydro.tu-dresden.de/BoFeAm/dist_bfa/index.html

Mittlerweile hat bei Buchdrucker und Kupferstecher flächendeckend der Hauptschwärmflug stattgefunden (Stand: 19.05.2026). Mit Ausnahme der Kammlagen erfolgt derzeit überall die Anlage der Bruten. In wärmebegünstigten Regionen ist in den nächsten Wochen mit ersten Geschwisterbruten zu rechnen. Insgesamt haben die verhaltenen Tagestemperaturen der zurückliegenden Tage und Wochen allerdings die Schwärmaktivität deutlich verringert und die Entwicklung der 1. Generation spürbar verlangsamt.

Der Entwicklungsfortschritt der aktuellen Käfergeneration kann mit Hilfe des Phänologiemodells Phenips nachverfolgt werden:

https://ifff-server.boku.ac.at/wordpress/?page_id=4254&lang=de

Auch wenn sich die Befallsdynamik beim Buchdrucker mittlerweile deutlich abgeschwächt hat, ist der Kupferstecher regional weiterhin auffällig. Beiden Rindenbrüterarten ist außerdem gemein, dass sie das Potenzial besitzen schnell eine schwer kontrollierbare Dynamik zu entfalten. Erhöhte Wachsamkeit ist somit in jeder Phase der Populationsentwicklung angezeigt.

Die Suche nach Überwinterungsbäumen kann in den Kammlagen der Mittelgebirge in Ausnahmefällen noch Sinn machen. In allen anderen Regionen wurde diese bereits vor mehreren Wochen verlassen. Allein als Ankerpunkte für eine intensivere Kontrolle des Umfeldes können sie noch eine Rolle spielen. Anders verhält es sich bei noch vorhandenen Würfen und Brüchen aus dem Winter, die inzwischen als potenzielle Fangbäume fungieren. Hier ist der Nutzen einer schnellen Aufarbeitung und Abfuhr ggü. einer Käferbindung abzuwägen. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre sollten die wesentlichen Schritte in der Vorbereitung auf die neue Käfersaison bereits fast schon »automatisiert« ablaufen.

Alle durchzuführenden Maßnahmen haben das Ziel, das Gefährdungspotenzial für die weitere Buchdruckersaison möglichst weitreichend zu reduzieren. Im Zentrum steht dabei mittlerweile die Suche nach frischem Stehendbefall. Hohe Temperaturen können das verfügbare Zeitfenster für die einzelnen Maßnahmen allerdings deutlich verkürzen!

Hilfestellung über das aktuelle Schwärmgeschehen geben dabei die Ergebnisse nahegelegener Monitoringstandorte, die bei einem deutlichen Fangzahlanstieg den Beginn des Hauptschwärmfluges anzeigen, sowie die 7-Tages-Prognose des Phänologiemodells Phenips.

Das Kontrollintervall ist dabei abhängig von der herrschenden Witterung. Mit Beginn des Hauptschwärmfluges sollte im Rahmen eines kurzen, idealerweise wöchentlichen, Kontrollturnus versucht werden möglichst einen Großteil der von der 1. Käfergeneration besiedelten Bruthabitate zu erkennen und in der Folgezeit zu beräumen.

Schwerpunkte der Suche sind Bereiche mit Vorjahresbefall sowie trockenheits- und wärmeexponierte Bestandesränder und Südhänge.

Informationen zum weiteren, über die 7-Tageprognose hinausgehenden, Witterungsverlauf und damit zur erwartbaren Aktivitätsentwicklung können bspw. hier bezogen werden:

https://www.dwd.de/DE/wetter/vorhersage_aktuell/sachsen/vhs_sac_node.html

Aktuell deutet sich bis in die erste Juniwoche ein ansteigender Trend in der Temperaturentwicklung an, wobei sich die Maximaltemperaturen, von einem kurzen Zwischenhoch an Pfingsten mit bis zu 29°C abgesehen, dauerhaft zwischen 20 und 25 °C bewegen werden. Die Brutentwicklung wird sich somit in normaler Geschwindigkeit fortsetzen, die Schwärmaktivität weiter zunehmen. Allerdings gilt zu beachten, dass Bohrmehl nur bei der Anlage von Rammelkammer bzw. Muttergang ausgeworfen wird und sich das Zeitfenster für eine effektive Stehendbefallssuche dadurch eingrenzt.

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