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Aktuelle Borkenkäfersituation in Sachsen

Aktualisiert am 23. August 2022

Großaufnahme eines Buchdruckers © Foto: Franz Matschulla

Seit 2017 sind in den sächsischen Wäldern Schäden von immensen Umfang zu verzeichnen. Eine Entspannung der Situation, vor allem der Schädigung der Wälder durch Borkenkäfer, ist derzeit nicht abzusehen. Nachfolgend finden Sie Informationen zur aktuellen Entwicklung der Schadsituation.

In allen Waldklimastationen von Sachsenforst wurden in den letzten Monaten über lange Zeiträume Trockenheit oder sogar extreme Dürre in den Waldböden festgestellt. Die Niederschlagssummen liegen in diesem Jahr nur leicht über dem Extremjahr 2018. Einzelne Regenfälle drangen nur kurzzeitig in die obersten Bodenschichten vor. Im Vergleich zum langjährigen Mittel ist das Niederschlagsdefizit seit 2018 bislang auch in diesem Jahr um die Regenmengen von zwei Monaten weiter angewachsen.

Das fehlende Wasser macht sich bemerkbar. Im Unterschied zum Dürrejahr 2018 sind die Wälder durch die jüngsten Trockenjahre zusätzlich stark vorgeschädigt. Die Abwehrkräfte der Bäume sind massiv beeinträchtigt. Immer mehr Forstbetriebe melden abgestorbene Waldbäume, die nicht durch Schädlinge befallen wurden, sondern schlicht vertrocknet sind. Borkenkäfer können sich dagegen bei Temperaturen um 30°C optimal entwickeln.

Die Borkenkäfersaison 2022 nähert sich mit den kürzer werdenden Tagen langsam ihrem Ende. Bis dahin können die Vermehrung der Käfer und der Befall von Bäumen aber noch einmal stark ansteigen. Aktuelle Auswertungen eines phänologischen Modells zeigen, dass mindestens bis in Höhenlagen von 600 Metern eine dritte Buchdrucker-Generation zu erwarten ist. Durch eine dritte Generation in einem Jahr können sich die Käfer explosionsartig entwickeln: Die Käfer, die sich in der ersten Generation in einen Baum entwickeln, befallen zur Anlage der zweiten Generation 20 Bäume. Kommt es zu einer dritten Generation, werden 400 Bäume besiedelt.

Um weitere Schäden durch Borkenkäfer zu vermeiden sind jetzt folgende Schritte notwendig:

  • Intensive Kontrolle der Wälder auf frischen Befall der Bäume (Suche nach zum Beispiel Harztröpfchen und Harzfluss am Stamm, braunem Bohrmehl auf der Rinde und am Stammfuß sowie nach rötlichen und abfallenden Nadeln), vor allem in den Mittelgebirgslagen.
  • Bäume, in denen sich die zweite Käfergeneration entwickelt, müssen rechtzeitig erkannt und unschädlich gemacht werden, bevor die Käfer ausfliegen und eine dritte Generation anlegen können. Dazu müssen befallene Bäume gefällt und unverzüglich aus dem Wald transportiert oder deren Rinde abgeschält werden.
  • Eine zügige Sanierung des Befalls ist auch vor dem Beginn der Winterruhe bei niedrigeren Temperaturen noch angeraten. Ein Teil der Käfer verlässt ihre Brutbäume und überwintert im Boden oder benachbarten Bäumen. Werden die befallenen Bäume nicht rechtzeitig noch vor dem Ausflug der Käfer in das Winterquartier aus dem Wald entfernt, können bei erfolgreicher Überwinterung im kommenden Jahr zusätzliche Bäume befallen werden.

Nach Rekordschäden durch Borkenkäfer in 2019 und 2020 mit je rund 2,1 Millionen Kubikmeter sind die Schäden im vergangenen Jahr bei günstiger Witterung leicht auf 1,8 Mio. Kubikmeter gesunken. Mit einer starken Zunahme des Befalls im zweiten Halbjahr 2022 könnte dieser positive Trend gebrochen werden. Seit Oktober 2017 sind mehr als 11,5 Millionen Kubikmeter Schadholz in den Wäldern Sachsens angefallen. Rund die Hälfte davon entfällt auf Schäden durch Borkenkäfer, der Rest sind Sturm- und Schneebruchschäden. Über 82.000 Hektar Wald – und damit mehr als 17 Prozent der Gesamtwaldfläche – wurden bislang geschädigt. Die Schadholzmenge durch Buchdrucker im Jahr 2021 liegt mit 1,5 Millionen Kubikmetern Schadholz unter der des Jahres 2020 (2,1 Millionen Kubikmeter Schadholz).

Tabelle: Entwicklung der Schadholzmengen in Kubikmetern in den Jahren 2017 bis 2021 und des Anteils der Schäden durch Borkenkäfer (BK) getrennt nach Staatswald und Privat- und Körperschaftswald (Quelle: Forstschutzkontrollbuch)

  2017   2018   2019   2020   2021 (FSKB per 31.12.)
  Schadholz davon BK Schadholz davon BK Schadholz davon BK Schadholz davon BK Schadholz davon BK
Staatswald 77.000 47.000 2.105.000 510.000 1.855.000 1.017.000 1.107.000 858.000 502.000 445.000
Privat- und Körperschaftswald 91.000 28.000 1.183.000 315.000 1.666.000 1.142.000 1.639.000 1.267.000 1.539.000 1.313.000
Summe 168.000 76.000 3.289.000 825.000 3.521.000 2.159.000 2.746.000 2.125.000 2.041.000 1.758.000

Schwerpunkte der Schäden in diesem Jahr liegen erneut mit dem Oberlausitzer Bergland und Zittauer Gebirge in den südlichen Teilen der Landkreise Bautzen und Görlitz. Aber auch hier wurden die Vorjahreswerte bislang um mindestens ein Fünftel unterschritten. Das gilt auch für den Vogtlandkreis. Hier sind die Schadholzzahlen im Landesvergleich zwar gering, aber im Juli wurde fast der gleiche Schadholzanfall wie im Vorjahr erkannt.

Betroffen ist vor allem die Fichte, aber auch bei Kiefern und Lärchen sind große Schäden zu beobachten. Die intensive Trockenheit führt aber auch zu Schäden bei Laubbaumarten mit anschließendem Schädlings- und/oder Pilzbefall.

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