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Waldzustand

Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2019

Der Erfassung des Kronenzustandes der sächsischen Waldbäume im Juli und August 2019 ging ein aus hydrologischer Sicht sehr trockenes Jahr voraus. Der Bodenwasserspeicher wurde nach dem Dürrejahr 2018 über die Wintermonate nur unzureichend aufgefüllt. Die monatlichen Temperaturen lagen um 1 bis 6 K über dem klimatischen Mittel (1971 bis 2000). Lediglich der Mai 2019 fiel etwas kühler aus. Die Niederschläge lagen geringfügig unterhalb des klimatischen Mittels. Da die Verdunstung deutlich über dem Niederschlagsangebot lag, war die klimatische Wasserbilanz innerhalb der Vegetationszeit negativ. Zusätzlich war der März der Monat mit den meisten Sturmereignissen in Deutschland in den zurückliegenden 25 Jahren.

Im Rahmen der Waldzustandserhebung an 6.720 Bäumen wurden neben der Kronenverlichtung (Nadel-/Blattverlust) und dem Vergilbungsgrad weitere Merkmale wie Blüte, Fruchtbildung, Anzahl der Nadeljahrgänge sowie biotische und abiotische Schäden aufgenommen. Der mittlere Nadel- und Blattverlust der Waldbäume in Sachsen beträgt in diesem Jahr 23,3 % und setzt innerhalb der Zeitreihe seit 1991 ein neues Maximum. Dieser Wert gilt für alle Baumarten und Alter und liegt sechs Prozentpunkte über dem langjährigen Mittel (17,2 %) und fast 2,5 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.

Für jeden Baum erfolgte über die Kombination von Nadel- bzw. Blattverlust und Verfärbungen eine Einordnung in eine der fünf Schadstufen. Danach weisen 30 % der Waldbäume eine deutliche Beeinflussung (Schadstufen 2 bis 4), 44 % eine schwache Beeinflussung (Schadstufe 1) und 26 % keine erkennbare Beeinflussung des Kronenzustandes (Schadstufe 0) auf. Die Werte heben sich noch einmal deutlich vom Vorjahr ab. Noch nie seit der Bestimmung des Waldzustandes im Freistaat Sachsen wurden so wenige Bäume ohne erkennbare Schäden erfasst und gleichzeitig waren noch nie so viele Bäume deutlich geschädigt.

Abbildung: Verlauf der Schadstufenverteilung in Sachsen seit 1991 als Säulendiagramm
Abbildung: Entwicklung der Schadstufenverteilung in Sachsen seit 1991 über alle Baumarten und Alter. Sowohl der Anteil ungeschädigter Bäume (26 %) als auch der Anteil deutlich geschädigter Bäume (30 %) erreichen einen neuen Minimal- bzw. Maximalwert innerhalb der Beobachtungsreihe (Quelle: Staatsbetrieb Sachsenforst 2019) 

Der mittlere Nadelverlust der Fichten stieg seit dem letzten Jahr an und liegt aktuell bei 21 % und damit 4 Prozentpunkte über dem langjährigen Mittel. Besonders in den unteren Berglagen und im Hügelland war die unzureichende Wasserversorgung das limitierende Element für das Baumwachstum. In Verbindung mit warmer Witterung kam es zu Trockenstress und bereitete damit Schadinsekten wie Buchdrucker und Kupferstecher günstige Bedingungen für einen Befall. Der Anstieg der Schadholzmengen der vergangenen Jahre setzte sich fort. Im vorangegangenen Borkenkäferjahr von Juni 2018 bis Ende Mai 2019 wurden 857.000 m³ Stehendbefall durch den Buchdrucker registriert. Die für diese Arten optimalen Witterungsbedingungen führten zu einem weiteren Anstieg der Flug- und Befallsaktivitäten. So wurden zwischen Juni und September 2019 bereits mehr als 1.100.000 m³ Stehendbefallsmenge festgestellt.

Verglichen mit dem Vorjahreswert stieg der Nadelverlust der Kiefern in diesem Jahr um zwei Prozentpunkte auf 22 % an und liegt damit deutlich über dem langjährigen Mittel der gesamten Zeitreihe. Zahlreiche Käferarten führten in diesem Jahr zu einem intensiven Stehendbefall der Kiefernbestände. Infolge der extremen Witterungsverläufe stiegen die Befallsmengen durch Borken-, Bock- und Prachtkäferarten auf 69.000 m³ (1. Juni bis 30. September 2019) an. Die Populationen von Forleule und Kiefernspanner zeigten keine erhöhten Dichten. Ebenso blieben die von Nonne, Kieferspinner und Blattwespenarten auf einem unkritischen Niveau.

Der deutliche Trend steigender Nadelverluste in der Gruppe der sonstigen Nadelbäume hielt unvermindert an und stieg nach 2017 auf einen neuen Maximalwert von 20,2 % an. Der Trend einer zunehmenden Kronenverlichtung beruhte teilweise auf dem stetig steigenden Durchschnittsalter in dieser Baumartengruppe. Der Befall von Lärchenbeständen durch den Großen Lärchenborkenkäfer aus dem Vorjahr setzte sich fort und führte im Zeitraum von 1. Juni bis 30. September 2019 zu einer Schadholzmenge von 19.000 m³.

Obschon sich für die Eichen der negative Trend der letzten drei Jahre bei den Blattverlusten und Vergilbungen fortsetzte, kam diese Baumart noch relativ gut mit der Trockenheit zurecht. Die mittleren Blattverluste verweilten auf dem Niveau des Vorjahres und lagen bei 32,2 %. Der Anteil der deutlich geschädigten Eichen sank von 62 % auf 58 %. Gründe für die Verschlechterung des Kronenbildes waren in erster Linie biotische Faktoren wie Mehltau und Blattbräune sowie lokal Fraßschäden durch Schwammspinner. Auch Eichensplintkäfer und Eichenprachtkäfer führten z. T. zur Verschlechterung der Baumvitalität und damit zu Blattverlusten bzw. zum Absterben von Bäumen. Wie auch im letzten Jahr war die langanhaltende warm-trockene Witterungslage maßgeblich für den Befall mit diesen sekundären Käferarten verantwortlich. Trotz des hohen Anpassungspotenzials der Eichen an den jeweiligen Standort, blieben letztendlich die Erholungsphasen für eine Regeneration aus. Das Auftreten des Eichenprozessionsspinners wurde 2019 in fast allen bislang bekannten Befallsgebieten bestätigt. Die Falterfänge deuten auf eine weitere Etablierung der festgestellten Vorkommen hin.

Bei der Rotbuche nahm der mittlere Blattverlust um 2,6 Prozentpunkte auf 25 % zu. Nach 2004, 2009 und 2011 ist es der vierthöchste Wert innerhalb der Zeitreihe. Der ansteigende Trend hinsichtlich deutlich geschädigter Bäume hält seit 2017 kontinuierlich an und liegt aktuell bei 40 %. In Verbindung mit der trockenen Witterung konnten sich Schädlinge wie Buchenborkenkäfer und Buchenprachtkäfer etablieren. In diesem wie im Vorjahr blühte die Buche wieder stärker, ohne jedoch die Intensität der Mastjahre 2009, 2011 oder 2016 zu erreichen. Zum Schutz vor übermäßigem Wasserverlust warfen auf extrem trockenen Standorten einzelne Buchen das Laub vollständig ab und trugen nur noch Früchte.

Die Gruppe der sonstigen Laubbäume wird dominiert von der Birke. Sie ist stärker in der Gesamtstichprobe vertreten als die Eiche und Buche. In diesem Jahr sprang der mittlere Blattverlust in der Gruppe der sonstigen Laubbäume auf 29,3 % im Vergleich zu 26,2 % im Jahre 2018 und setzte damit einen neuen Höchstwert seit 1991. Gleichzeitig ist der Anteil der Bäume mit deutlichen Schadsymptomen um nochmals fünf Prozentpunkte auf 30 % angestiegen und der Anteil der ungeschädigten Bäume auf 20 % zurückgegangen. Beide Werte stellen den Maximal- bzw. Minimalwert in der gesamten Zeitreihe dar. Die Rußrindenkrankheit an Berg- und Spitzahorn tritt insbesondere in Jahren mit Trockenstress, Wassermangel und großer Hitze vermehrt auf und wurde seit November 2018 insbesondere im Forstbezirk Leipzig verstärkt bestätigt. Dies führte im Befallsgebiet bis zur Auflösung von Ahornreinbeständen bzw. zur Entmischung.

Abbildung Diagramm Verlauf der mittleren Kronenverlichtung in Sachsen seit 1991
Abbildung: Verlauf der mittleren Kronenverlichtung in Sachsen seit 1991 über alle Baumarten. Der Anstieg vom Vorjahr setzt sich über alle Altersklassen auch in diesem Jahr fort und erreicht neue Maximalwerte innerhalb der Zeitreihe (Quelle: Staatsbetrieb Sachsenforst 2019) 

Methodik der Waldzustandserhebung:

Im Rahmen der Waldzustandserhebung wurden an 6.720 Bäumen ne­ben der Kronenverlichtung (Nadel-/Blattverlust) und dem Vergilbungs­grad weitere Merkmale wie Blüte, Fruchtbildung, Anzahl der Nadeljahrgänge sowie biotische und abiotische Schäden aufgenommen. Für jeden Baum erfolgt die Ein­ordnung in eine der fünf Schadstufen anhand vom Nadel- bzw. Blatt­verlust und von Verfärbungen.

Schadstufe 0              – keine erkennbaren Schäden,

Schadstufe 1              – schwach geschädigt,

Schadstufe 2 bis 4     – deutlich geschädigt

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