Waldzustand
Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2025
Zur Erfassung des Waldzustandes wurden 2025 an 6.672 Bäumen neben der Kronenverlichtung (Blatt- bzw. Nadelverlust) und dem Vergilbungsgrad weitere Merkmale wie Blüte, Fruchtbildung, Anzahl der Nadeljahrgänge sowie biotische, zum Beispiel durch Insekten und Pilze verursachte und abiotische, zum Beispiel durch Dürre, Feuer und Sturm verursachte Schäden aufgenommen.
Nach der Auswertung der erhobenen Daten und auf Basis der langjährigen Zeitreihe muss festgestellt werden, dass sich der Kronenzustand der Hauptbaumarten im Freistaat Sachsen nach den deutlichen Vitalitätsverlusten seit dem Jahr 2018 noch nicht wesentlich erholt hat. Dies ist vor allem die Folge der großflächigen Störungen durch Stürme und Insektenkalamitäten in Verbindung mit über mehrere Jahre anhaltenden hohen Niederschlagsdefiziten.
Das hydrologische Jahr 2024/2025 muss in Bezug auf den entscheidenden Witterungsfaktor Niederschlag als unterdurchschnittlich bezeichnet werden, da ein Niederschlagsdefizit im Vergleich zum langjährigen Mittelwert in Höhe von etwa einem Fünftel vorliegt. Niederschläge traten zum Teil als kurzzeitige Starkregen auf und führten in Kombination mit relativ langen Perioden ohne Regen zu entsprechenden wachstumsbeeinflussenden Defiziten. Der Temperaturtrend der letzten Jahre setzte sich gegenüber dem letzten Berichtszeitraum 2023/24 nicht so extrem fort. Es war dennoch mit durchschnittlich 1,2 K über dem Mittelwert von 1991 bis 2020 erneut zu warm (Schwankungen von - 1,0 bis 2,5 K). Während Februar, Mai und Juli etwas unterdurchschnittlich ausfielen, lagen die anderen Monate über dem Durchschnitt.
Auf den erhobenen mittleren Nadel- und Blattverlust über alle Baumarten hinweg hatten das Niederschlagsdefizit und das im aktuellen Jahr vorherrschende Temperaturregime keine direkte Auswirkung. Er nimmt einen Wert von 24,9 Prozent an und ist damit 1,0 Prozentpunkt besser als der Vorjahreswert. Für jeden bonitierten Baum erfolgte zudem über die Kombination von Nadel- bzw. Blattverlust und Verfärbungen die Einordnung in fünf Schadstufen. Auf der Basis dieser Klassifikation weisen 35 Prozent der Waldbäume deutliche Schädigungen (Schadstufe 2 bis 4), 40 Prozent eine schwache Schädigung (Schadstufe 1) und 25 Prozent keine erkennbare Schädigung des Kronenzustandes (Schadstufe 0) auf. Begrüßenswert ist, dass sich der Anteil der ungeschädigten Bäume um 3 Prozentpunkte erhöht hat. In der Gesamtbetrachtung handelt es sich für den Kronenzustand aller Bäume jedoch nur um geringe prozentuale Verbesserungen gegenüber den Vorjahren. Der Vitalitätsstatus der bonitierten Bäume bleibt damit ohne baumartenspezifische Betrachtungen weiterhin im kritischen Bereich.
Der mittlere Nadelverlust der Fichte nimmt mit 24,5 Prozent den sechsthöchsten jemals ermittelten Wert an und liegt damit trotz Verringerung gegenüber den Vorjahren immer noch 5,7 Prozentpunkte über dem langjährigen Mittel. Der seit 2020 im Staatswald und ab 2021 auch im Privat- und Körperschaftswald zu beobachtende tendenzielle Rückgang des Borkenkäfer-Stehendbefalls von Fichten, der ganz überwiegend durch den Buchdrucker verursacht wurde, setzte sich auch bis zum Sommer 2025 fort. Im aktuellen Borkenkäferjahr sind bisher 24.600 m³ Schadholz registriert worden, was auf einen starken Rückgang hindeutet.
Der Nadelverlust der Kiefer beträgt 23,8 Prozent und verschlechterte sich somit leicht um 1,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahresniveau. Lediglich 14 Prozent der Bäume weisen keine Kronenschäden auf. 58 Prozent der Kiefern wurden als schwach und 28 Prozent als deutlich geschädigt klassifiziert. Gegenüber dem Vorjahr kommt es somit zu einem Anstieg um 8 Prozentpunkte der deutlich geschädigten Kiefern, was einer starken Verschlechterung entspricht. Infolge der extremen Witterungsverläufe stiegen 2018 die Schadholzmengen durch den Sechs- und Zwölfzähnigen Kiefernborkenkäfer, den Großen und den Kleinen Waldgärtner, den Blauen Kiefernprachtkäfer sowie durch weitere holz- und rindenbrütende Arten bis 2020 stark an, waren dann aufgrund günstigerer Witterungsbedingungen ab 2021 wieder rückläufig. Für 2025 deutet sich per 30.09. mit etwa 18.800 m³ in Relation zum vergleichbaren Vorjahreswert eine weiter rückläufige Tendenz an, liegt damit aber noch deutlich über den Vergleichswerten vor 2018.
In der Gruppe der sonstigen Nadelbäume wurde bei der mittleren Kronenverlichtung ein Wert von 23,9 Prozent festgestellt. Es handelt sich hierbei um den zweithöchsten je ermittelten Wert in Bezug auf die 35-jährige Zeitreihe und dennoch um eine leichte Reduktion in Höhe von 1,6 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.
Die mehrjährige Borkenkäferkalamität vor allem im Nadelholz besitzt nach wie vor eine Intensität, wie sie seit Beginn der geregelten Forstwirtschaft im Freistaat Sachsen vor über 200 Jahren nicht zu verzeichnen war. Die dargestellte Entwicklung spiegelt sich seit dem Jahr 2018 auch im Ausfall von (Stichproben-)Bäumen, mit einem Alter über 60 Jahre, wider. Die höchste Ausfallquote wurde direkt zu Beginn der Kalamität im Jahr 2018 mit fünf Prozent ermittelt. Im vergangenen Jahr 2023 und bei der aktuellen Erhebung lag dieser Wert zwar mit 2,5 Prozent deutlich niedriger, jedoch sind auch derartige Größenordnungen atypisch in Bezug auf die Gesamtzeitreihe. Diese negative Entwicklung wird sich nach aktueller Einschätzung auch in den Folgejahren fortsetzen, denn aktuell steht die sächsische Forstwirtschaft vor der großen Herausforderung, ein Übergreifen der Borkenkäferkalamität von Westen her aus dem sächsisch-thüringischen Vogtland auf das Erzgebirge zu verhindern.
Die Baumartengruppe mit den größten Vitalitätseinbußen und der negativsten Entwicklung stellten in den vergangenen Jahren die Eichen dar. Die mittlere Kronenverlichtung wurde 2025 für diese Baumartengruppe mit 38,5 Prozent ermittelt und hat sich damit um mehr als 6 Prozentpunkte verbessert. Ungeschädigte Eichen sind in den sächsischen Wäldern nur im geringen Umfang von 5 Prozent anzutreffen und lediglich 21 Prozent können als schwach geschädigt eingestuft werden. Der überwiegende Anteil von 74 Prozent gilt auf der Basis der aktuellen Datenlage als deutlich geschädigt. Der Befall durch holz- und rindenbrütende Insekten wie Eichensplintkäfer und Eichenprachtkäfer bewegt sich auf einem erhöhten Niveau. Die Ursache ist eine fortdauernde Schwächung der Eichen infolge der langanhaltenden warm-trockenen Witterungslage.
Die mittlere Kronenverlichtung der Buche beziffert sich auf 20,9 Prozent und liegt damit 2,1 Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau. Der Anteil der als ungeschädigt eingestuften Individuen steigt auf einen Wert von 38 Prozent. Insgesamt wurden für die Buche im Vergleich zu anderen Baumarten weniger starke Reaktionen auf die Trockenperioden beginnend seit 2018 erfasst. Die Ursache liegt in der Struktur der Rasterstichprobe, die von Buchenbeständen der mittleren Berglagen geprägt wird, die weniger stark von Trockenheit betroffen sind. Hinzu kommt ein überproportionaler Anteil jüngerer Altersklassen in der Stichprobe. Ähnlich wie bei den Eichen erfolgte eine Zunahme der Populationsdichte von Käferarten, wie beispielsweise dem Kleinen Buchenborkenkäfer, die vor allem durch Trockenheit geschwächte Buchen besiedeln.
Die Gruppe der sonstigen Laubbäume wird von der Birke dominiert, die in der Gesamtstichprobe stärker vertreten ist als Eiche und Buche. Der mittlere Blattverlust ist gegenüber den Vorjahren auf 23,4 Prozent gesunken. Auch in Bezug auf die Kombinationsschadstufen konnte eine Verbesserung registriert werden. 35 Prozent gelten als ungeschädigt, 35 Prozent entfallen auf schwach geschädigte Bäume dieser Baumartengruppe und 30 Prozent wurden als deutlich geschädigt klassifiziert. Der Anteil der ungeschädigten Individuen ist somit um 9 Prozentpunkte gestiegen und der der deutlich geschädigten Bäume reduzierte sich um 7 Prozent.