Bodenschutzkalkung
Waldböden nehmen mit ihrer Filter-, Puffer- und Speicherfunktion im Naturhaushalt eine zentrale Stellung ein. Nur ein gesunder Waldboden garantiert vitale, stabile Waldökosysteme und sauberes Wasser. Die Ergebnisse der Bodenzustandserhebungen 1992 bis 1997 in den sächsischen Wäldern an über 280 Erhebungspunkten zeigten, dass die Waldböden auf großer Fläche - insbesondere in den Gebirgslagen und dem Gebirgsvorland (= langfristige Kalkungskulisse) - tiefreichend versauert waren.
Die kontinuierlichen Stoffeintragsuntersuchungen an acht forstlichen Dauerbeobachtungsflächen (sogenannte Level-2-Flächen) belegen trotz starker Reduktion der Schwefelbelastung seit Mitte der 1990er-Jahre weiter eine Säurebelastung durch Stickstoffkomponenten.
Die Böden zeigen nach Ergebnissen der dritten Bodenzustandserhebungen 2022 bis 2025 fortgesetzt eine geringe Tendenz zur Erholung.
Die Analysen liefern aktuelle Ergebnisse zum Zustand der Waldböden und deren Veränderung seit Anfang der 1990er Jahre (BZE 1) und Mitte der 2000er Jahre (BZE 2).
Auch hier liegt ein Fokus auf der wissenschaftlichen Auswertung von zurückliegenden Waldkalkungen, hinsichtlich der Bodenchemie aber auch dem Ernährungszustand von Waldbäumen als indirekte Reaktion auf eine verbesserte Nährstoffverfügbarkeit.
Erste Auswertungen zeigen eine weitere Erholung der pH-Werte; insbesondere auf gekalkten Standorten. Die pH-Werte in den obersten Bodenschichten (0-5 und 5-10cm) veranschaulichen, dass mehrmalige Kalkungen notwendig sind um den Ziel-pH-Wert von 4,2 zu überschreiten (siehe Abbildung »pH-Werte nach Kalkungsanzahl«).
Bei der Basensättigung (siehe Abbildung Basensättigung nach Kalkungsanzahl) wird ein Zielwert von 15% austauschbar an den Bodenteilchen gebundenen basischen Nährstoffen (Ca, Mg, K, Na) angestrebt. Dieser Wert wird im Oberboden unterhalb von 10 cm Tiefe nachhaltig mit vier Kalkungen erreicht. Für den Tiefenbereich 5 bis 10 cm werden mindestens zwei Kalkungen benötig, um die Basensättigung über 15% zu heben.
Die BZE3 zeigt auch, dass in den Gebirgslagen und dem Gebirgsvorland (=langfristige Kalkungskulisse) wegen der Jahrzehnte bis in die 1990erJahre andauernden anthropogenen Säure-Immissionen (»Saurer Regen«) die Standorte, auf denen keine Bodenschutzkalkung durchgeführt wurden, im Oberboden noch deutlich unter 15% Basensättigung liegen.
Für die Standorte des Hügel- und Tieflandes, die nicht zur Kalkungskulisse gehören, ergab die BZE3, dass hier die Basensättigung unterhalb von 5cm Tiefe weiterhin abnimmt.
Die Waldstrategie 2050 des Freistaates Sachsen benennt die Fortführung der Bodenschutzkalkungen in allen Waldeigentumsarten im fachlich erforderlichen Umfang als eine wesentliche Voraussetzung für die Stabilisierung des Naturhaushaltes und einen erfolgreichen Waldumbau. Als fachliche Planungsgrundlage dienen u.a. die Ergebnisse des flächendeckenden Monitorings aktueller ökochemischer Rahmenbedingungen, Informationen der Forstlichen Standortkartierung und die flächengetreuen Dokumentationen der seit 1986 erfolgten Kalkungen. So ist die Bodenschutzkalkung neben der Verminderung waldschädigender Emissionen ein wirkungsvolles Instrument, um insbesondere die eingetretenen Schädigungen des Schutzgutes Boden zu beheben und auch für die nachfolgenden Generationen die Multifunktionalität der Waldökosysteme zu sichern. Unterstützt wird dies durch den langfristigen Umbau von fichtendominierten Forsten in standortgemäße, vielschichtige Mischwälder.
Von 1986 bis 2025 wurde in Summe eine Fläche von ca. 442.000 Hektar Wald gekalkt.
Im Jahr 2025 wurde diese Maßnahme für von Bodenversauerung betroffene Wälder aller Waldbesitzarte auf rund 5.860 Hektar mit etwa 2,9 Millionen Euro durch die Europäische Union kofinanziert über das ELER-Programm.
Für 2026 wurde die Kofinanzierung der Bodenschutzkalkung durch die Europäische Union über den GAP-Strategieplan (GAP-SP) für rund 6.900 Hektar Wald beantragt. Der GAP-Strategieplan ist die Grundlage für die EU-Förderung im Bereich der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP).
Bodenschutzkalkungen erfolgen mit Naturkalken nach fachlich fundierter standörtlicher Planung unter Beachtung flächenkonkreter Waldfunktionen und Bestockungsverhältnisse sowie ständiger Kontrolle durch die zuständigen Forstbezirke.
Die Erfahrungen der zurückliegenden Kalkungskampagnen und der aktuelle Stand des Wissens wurden für eine Neuauflage des Leitfadens genutzt. Die aktualisierte Fassung des Leitfadens zur Forstlichen Bodenschutzkalkung finden Sie hier.
Ziele der Bodenschutzkalkung:
- Kompensation der Säurealtlasten des Bodens
- Kompensation aktueller Säureeinträge
- Verbesserung der Lebensbedingungen für Bodenlebewesen und Baumwurzeln
- Verbesserung der Erdalkali-Ernährung
- Verbesserung der Vitalität der Waldbestände
- Förderung der Entwicklung von Mineralboden-Humusformen
- Verbesserung des Schutzes von Quell- und Grundwasser vor Schwermetall-, Aluminium- und Säureeinträgen